19: Fuck the Money… diese Perle ist unbezahlbar

Entgegen aller Erwartungen hat bei „The Voice of Germany“ diesmal nicht der 17-jährige Sunnyboy sondern die Rasta-tragende Georgierin Natia Todua mit der souligen Reibeisenstimme gewonnen. In der Schweiz war es 2014 umgekehrt – was für eine seltene Kostbarkeit der damals zweitplatzierte Shem Thomas ist, wird einem schnell klar, wenn man den Ostschweizer live auf der Bühne erlebt. 

Perlen sind extrem kostbar – es braucht schliesslich auch viel Zeit, bis sich aus einem Fremdkörper in einer Muschel ein Schmuckstück aus Perlmutt gebildet hat. Zeit gelassen hat sich auch Shem Thomas, der erst ein Jahr nach seiner Teilnahme bei „The Voice of Switzerland“ sein Debütalbum präsentierte. Eine Art Fremdkörper war der Ostschweizer bei der Castingshow ja auch irgendwie – zu charakterstark, zu unverkennbar für einen typischen Teilnehmer. In den Schweizer iTunes-Charts hängte der Rheintaler die eigentliche Gewinnerin der Show, Tiziana Gulino, aber locker ab und statt den Hype um die Sendung direkt zu Geld zu machen, nahm er sich für seinen Erstling Zeit.

„You’re (Not) The Only One“ ist dann auch ein Album geworden, dem man die Zeit und die Gedanken, die darein investiert wurden, anhört. Die Hit-Single „Crossroads“ ist auch vertreten – aber es sind Songs wie das sphärische „Me & You“ oder das charakterstarke „Oma“, die offenbaren, zu welcher Perle der Künstler Shem Thomas herangereift ist. Dass er sich Zeit gelassen und unter anderem eine frühere Teilnahme an einer anderen Schweizer Castingshow ausgeschlagen hatte, hört man dem Singer/Songwriter, der mitten im Leben steht, weiss wer er ist und was er vom Leben möchte, einfach an.

Ihre ganzen Facetten offenbart diese Schweizer Musik-Perle aber vor allem live: Als Shem Thomas die Besucherinnen und Besucher im Buchser Fabriggli kürzlich mit Rap-Einlagen und Raggae-Tönen überraschte und zum Tanzen brachte, konnte man nur erahnen, was noch alles in diesem spannenden Künstler steckt. Er habe ja eigentlich in einer Punk-Band angefangen, Musik zu machen – aber auch der Rapper, der Bandleader und der Solokünstler stehen dem Musiker, der sich an diesem Abend freute, wieder einmal so sprechen zu können, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist“. Mittlerweile lebt Shem Thomas nicht mehr im Rheintal, wo er aufgewachsen ist, sondern arbeitet in Zürich an seinem Erfolg.

Auf der Bühne beweist er nicht nur, wie einnehmend seine Stimme wirkt, sondern auch, dass er neben der Musiker- durchaus auch eine Comedian-Karriere anstreben könnte – mit viel Witz und Charme lockerte er sein Publikum immer wieder auf und sorgte dafür, dass es ihm jederzeit an den Lippen hing und irgendwann auch kräftigt „mittem Füdli wackelte“, was Shem sich an der ein oder anderen Stelle von seinem Publikum gewünscht hatte.

Den Platten-Deal mit Universal habe man inzwischen „in beidseitigem Einvernehmen“ beendet und so kümmert sich Shem Thomas selbst um Booking, Verhandlungen und CD-Nachbestellungen und schreibt nach seinem Konzert dem bunt gemischten Publikum im Fabriggli geduldig Autogramme.

Eine Perle, die sich nicht polieren lässt

Je länger man Shem Thomas zuhört, desto mehr verfällt man der unverkennbaren Stimme, den leuchtenden Augen, die da zwischen Bart und coolem Hut hervorblitzen, und vor allem dem unfassbaren Talent, das der Musiker niemals aufdringlich, aber immer spürbar unter Beweis stellt. Und man fragt sich, warum Shem Thomas nicht längst international auf Augenhöhe mit Künstlern wie Ed Sheeran agiert. Die Eindringlichkeit seines Gitarrenspiels erinnert hie und da an Glen Hansard – der teilweise in einer eigens erfundenen Sprache gesungene Song „Oma“ hätte definitiv das Potential, einen Oscar abzuräumen.

Nachdem man Shem Thomas in einer intimen Location wie dem Buchser Fabriggli erlebt hat, ist man beinahe froh, dass er „The Voice of Switzerland“ nicht gewonnen hat und mit Lichtgeschwindigkeit in den Karriere-Himmel geschossen wurde – dass er sich nicht verkaufen würde, macht Shem Thomas dann auch mit einem Song mehr als klar:

„Fuck the money, fuck the gold…
I’m living free, free, free…
My name is Shem, Shem, Shem“

Diese Schweizer Perle lässt sich nicht polieren – sie bleibt einfach so, wie sie ist und bezaubert genau mit dieser Authentizität. Das kommende Album solle sich zwischen „Singer/Songwriter und Urban bewegen und in der zweiten Hälfe 2018 erscheinen“, so Shem Thomas.

Bis dahin verlosen wir heute noch einmal das Debüt-Album „You’re (Not) The Only one“, das Shem Thomas erst noch speziell für uns signiert hat.

Hier geht’s zur Verlosung.

(Bilder: Facebook)

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