Für die eigene Beatles-Lovestory

Niemand erinnert sich an die Beatles – ausser einer – der bislang erfolglose Singer-Songwriter Jack. Er gibt die Songs als seine aus und wird ein Star. Noch nie habe ich mich so auf einen Film gefreut wie auf „Yesterday“. Ein bisschen enttäuscht war ich – ich hätte gern noch mehr Anspielungen und Beatles-Love gehabt. Ich versuche sie in diesem Text unterzubringen.

Den ganzen hard cold lonely Winter über habe ich immer wieder den „Yesterday“-Trailer geschaut.  Ich habe darin gesehen, wie auf der ganzen Welt der Strom ausfällt und wie Jack Malik (Himesh Patel) in diesem Moment vom Velo fällt. Er ist ein erfolgloser Musiker, dessen einziger Zuschauer neben seiner Managerin (die heimlich oder eher unheimlich in ihn verliebt ist) jeweils ein Typ im Eichhörnchenkostüm ist, der sich an den gleichen Hunzverlocheten rumtreiben muss wie Jack.

Als Jack nach seinem Velounfall eine Gitarre geschenkt bekommt, lässt er sie gently wheepen und spielt darauf Yesterday. Und seine Freunde sind sprachlos. „When did you write that?“ „I didn’t write it, Paul McCartney wrote it, the Beatles …?“ „Who?“

Allmählich merkt Jack, dass ihn die anderen nicht verarschen. Sie wissen wirklich nicht, wer die Fab Four waren (und er wohl nur, weil er im Moment des Stromausfalls ohnmächtig auf einer long and winding Road lag). Auch Google kennt die vier aus Liverpool nicht. „Did you mean the beetles?“ fragt es und zeigt ihm ein paar Käferbilder. Die Rolling Stones findet er dagegen. Oasis übrigens auch nicht, aber das scheint Jack egal. Deren Songs will er nicht wiederbeleben.

Die Songs der Beatles dagegen schon. Und promt hat er Erfolg. Auch with a little help from Ed Sheeran, der ihn zur Vorband macht. Ed spielt sich im Film selbst und kommt schlecht weg. Als Input zu „Hey Jude“ sagt er, der Song wäre viel besser, hiesse er „Hey Dude“. Ed war übrigens sowieso nur zweite Wahl, eigentlich hätte Chris Martin von Coldplay diesen Part übernehmen sollen, wollte aber letztlich nicht.

Bessere Hommage als Rocketman

Durch seinen Erfolg ist Jack gezwungen, immer mehr Song  zu „schreiben“. Er muss sich also an die Texte der Beatles erinnern. Und hier kommen die Fans etwas auf ihre Kosten. Am liebsten hätte ich Jack zugerufen, wie Eleanor Rigby weitergeht, als er immer an der selben Stelle stockte.

Der Film ist tatsächlich eine besondere Hommage an die Beatles. Eine viel bessere eigentlich als Rocketman an Elton John (das Biopic ist ein Musical! Also Entschuldigung!)

Obwohl Himesh Patel die Songs selber singt, berühren sie fast so  sehr wie die Originale und ich musste immer wieder ein paar Tränen verdrücken. Vielleicht auch, weil ich an diesem Tag so tired war.

All you need is love really?

Als der Film langsam in Fahrt kommt, scheinen sich die Filmemacher all you need is love gedacht zu haben. Deshalb nimmt eine Liebesgeschichte plötzlich viel Handlungsraum ein. Ist ja auch kein Wunder. Der Film stammt von den Machern von Love Actually und Slumdog Millionaire. Jedenfalls muss sich Jack, als er merkt, that he’s gonna lose that girl, immer mehr um seine Gefühle für Ellie (Lilly James), seiner ersten Managerin, kümmern.  Dieser Handlungsstrang ist aber ziemlich vorhersehbar, so dass er meine Lovestory mit den Beatles eher störte.

Mehr Magical Mistery

Bei dieser super Grundidee hätte man den Film ohnehin noch lustiger machen können: Mit mehr Magical Mistery, mehr rocking horse people und marmalade skies, eine Szene hätte man in einem Octopus’s Garden oder einem Yellow Submarine spielen lassen können.

Trotzdem ist es ein unterhaltsamer Film, mit ein, zwei unerwarteten Wendungen. Und ja mit vielen Beatles-Songs. Und so ist es nun mal. Für mich wird der Film dadurch sehenswert. In my live i loved them more als alles andere.

Der Film läuft zurzeit in den Schweizer Kinos.

(Bild: zVg)

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