Energievollere Tage

Immer nach dem Rock Oz’Arènes ist bei mir Feierabend, da mündet meine Festivalerschöpfung in eine Art Arbeitsunfähigkeit. Glücklicherweise sind in dieser Zeit zwei neue Alben mit der Wucht eines Arschkicks eingetrudelt. 

Me + Marie, „Double Purpose“, out (Capriola)

Ich bin keine Freundin von vorschnellem Namedropping. Im Fall von Me + Marie ist es aber ganz hilfreich, den Namen The Kills mal eben fallen zu lassen. Denn Roland Vögtli und Maria Moling, wie die Duo-Mitglieder heissen, erinnern nicht selten an Alison Mosshart und Jamie Hince. Musikalisch, wenn Drum und Gitarre richtig sec rumrotzen, und viel mehr noch vom Gefühl her, das aufkommt, wenn sich die beiden bei langsamen Songs in die Augen schauen (im Gegensatz zu The Kills sind Me + Marie allerdings auch offiziell zusammen). Ihr Album „Double Purpose“ ist das zweite Gemeinschaftswerk der Tiroler Schlagzeugerin und des Bündner Gitarristen – ein überaus gelungenes. Alles andere wäre den beiden nicht gut genug gewesen, wie mir Roland Vögtli vor ein paar Tagen am Telefon erzählte. Immerhin hat er für seinen Traum, von der Musik zu leben, seine Wohnung, seinen Journalistenjob und sein Auto aufgegeben und ist nach München gezogen, wo Moling lebt. Er hat beschlossen, dass er lieber zwei Jahre von Reis lebt, als sich dem Projekt nur halbherzig zu widmen. Bei so hohen Erwartungen an sich selbst, und auch, weil sowohl Me wie auch Marie selbstbewusste Songschreiber sind, habe es zwischen ihnen immer mal geknallt. Es sei längst nicht alles so harmonisch wie es scheine. Überhaupt ist bei dem Duo vieles anders, als man es denkt. So ist Vögtli nicht etwa einfach der Rocker an der Gitarre und Moling die Zartbesaitete mit der hellen Stimme. Die krassesten Riffs stammen nicht selten von ihr, während er für die langsamen Nummern zuständig ist. Auch sind Me + Marie keine zweiten The Kills. Ihre Musik geht viel schneller und weiter in den Pop hinein, ist mal folkig fein, mal rockig roh, und dadurch nur halb so gut einzuordnen – dafür aber doppelt interessant.

 

 

The Lemon Twigs, „Go To School“, out 24.08. (4AD)

As Long As We’re Together“ ist das beste Video aller Zeiten – zu einem geilen Song. Damit haben The Lemon Twigs mein Herz damals im Sturm erobert. Ich liebe ja abartig talentierte, lustige Vögel, viel Glam, und androgyne Brüder sowieso. Auf Rock (und ich rede nicht von der Mode) aus den 60ern und 70ern stehe ich dagegen, wenn ich die Wahl habe, nur so halb. Dass Brian and Michael D’Addario davon derart geprägt sind, hat mich aber lustigerweise nie gestört. Entsprechend erfreut war ich, als die New Yorker zwei Jahre nach ihrem offiziellen Debüt „Do Hollywood“ (2016) ihr neues Album „Go To School“ ankündigten – ein Musical über einen Schimpansen, der zur Schule geht. Es ist definitiv keine Platte, die man sich anhören sollte, wenn man leicht genervt ist, oder müde. Dafür sind die Stimmen zu theatral, die Songs zu hyperig, das Gesamtpaket zu sehr High School. Aber nach dem zweiten Morgenkafi, zum Autofahren oder sonst einer Tätigkeit, bei der Schlaf kein Thema sein sollte, ist dieses Album perfekt. Und ich freu mich ja schon wieder wie eine Verrückte auf die Videos. Zu den neuen Songs scheint es im Moment noch keins zu geben, deshalb hier eine aktuelle Live-Aufnahme:

(Bild: Facebook)

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.