Cheasy, Dschi-Isii oder G-Eazy?

Ich war da neulich an einem Hip-Hop-Konzert. Ich. Ich verstehe nichts, aber so wirklich gar nichts von Hip-Hop. Und in unseren Rockette-Reihen bin ich nicht die Einzige. Wenn’s um Hip-Hop geht, kommt mir immer nur Hip Hop Hooray in den Sinn. Jedenfalls stand ich im ausverkauften X-tra in der Hoffnung, vielleicht an einem Hip-Hop-Konzert die Erleuchtung zu erlangen. Nix da. Im Gegenteil, es ist mir nun ein noch grösseres Rätsel. Also, Gastgeber war ein sogenannter G-Eazy aus dem sonnigen Kalifornien. Ach, diese Hip-Hopper. Woher kommt bloss dieser Drang, möglichst coole Künstlernamen zu erfinden? Nun gut, sein richtiger Name Gerald Earl Gillum ist wirklich nicht sehr funky. Bleibt nur die Frage, ob der sich jetzt Cheasy oder Dschi-Isii nennt. Ich hab ja wirklich soooo was von keine Ahnung…

Als dieser Herr fürs X-tra gebucht wurde, war er in den einschlägigen Kreisen ein Geheimtipp, dann landete er im Herbst des letzten Jahres einen ersten Hit „Me, Myself and I“ (Ahhhh! Doch, ich kann Hip-Hop, DEN Titel kenne ich doch! Ha-Ha-Ha) und im Nullkommanix war das Konzert im X-tra ausverkauft. Ticketpreise auf dem Schwarzmarkt schossen von den regulären 50 Fränkli auf 230 und mehr, wer dabei ist, ist also scheinbar der Shizzle. Das Publikum jung bis sehr jung, irgendwo mache ich ein älteres Paar aus, was hier um die 40 heisst. Es scheint, als hätten sie ihren Sohn ans Konzert begleitet. Und stehen nun genau so verwundert rum wie ich. Item, die Vorband, wenn man das so nennen will, ist  I Love Makonnen, das sind auf der Bühne in Zürich insgesamt zwei, einer der auf der Bühne rumturnt und ins Mikro singt? Hiphopt? Sprechsingt? und ein DJ. Bei G-Eazy, also dem Star des Abends, das genau gleiche Setting, Dschi-Isiii betritt die Bühne, höchst unspektakulär, er sieht aus, als würde am Casual Friday aus dem Büro kommen und jetzt ein Feierabendbierchen zwitschern. Dahinter ein Screen mit Filmchen und auch ihn begleitet nur ein DJ (Halt, stopp! Da war auch noch ein Schlagzeuger! Habe ich grad auf meinen Bildlis gesehen!) Von Konzert im altmodischen Sinne kann jedoch kaum die Rede sein, es ist begleiteter Sprechgesang, und die vielen weiblichen Fans kreischen ohrenbetäubend bei jedem Kleidungsstück, das G-Eazy ablegt. Das Publikum geht voll ab, feiert seinen Star begeistert, lang ist‘s her, dass ich an einem Konzert war, an dem mit so viel Euphorie durch die Nacht getanzt wurde. Gegen Ende des gut einstündigen Sets die paar wenigen Hits. Bei „Me, Myself and I“ gipfelt das Ganze dann in ungeahnte Sphären von Unverständnis, den G-Eazy läuft hauptsächlich nur auf der Bühne hin und her, denn grossen Teil singt irgendwer vom Band… G-Eazy ist bei seinem grössten Hit quasi arbeitslos (vom Rumhüpfen mal abgesehen).

Resümee: Ich habe mich an diesem Abend zwar köstlich amüsiert, aber für mich alten Rockhasen war das eine DJ-Party mit Sprechgesang und ich verstehe nicht, wie man auf dem Schwarzmarkt für sowas so viel Geld ausgeben kann. Keine Show, keine nennenswerte Musiker. Nichts Besonderes. Aber vielleicht kann mir das mal jemand erklären. Ich würde es eigentlich gerne verstehen. (Notiz von meiner Begleitung, die mich an diese Party geschleift hat: Wir brauchen auch nicht alles zu verstehen. Es ist ja eigentlich ein gutes Zeichen, wenn man als mittlerweile älteres Semester die ganz Jungen nicht mehr versteht. Das ist unseren Eltern ja auch mal so ergangen. End of Notiz.)

(Bild: privat)

 

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