Gegensätze, zieht euch wieder an

Für die Abziehautogramm-Serie, die wir gegen Weihnachten auf den Markt bringen wollen, haben wir Baschi um eine Unterschrift gebeten. Wodurch wir in eine Art Beziehungsgeschichte verwickelt wurden. Angefangen hat sie 2013 mit einem Lied über die Liebe.

„Chalti Brise – Erklär mir Liebi“, sagte mir Baschi letzte Woche in seinem Studio in Möhlin, sei das allerallerschönste Liebeslied, das er jemals veröffentlicht habe. Und zwar nicht allein, sondern mit Kutti MC, wie der Dichter und Neuromancier Jürg Halter als Rapper noch hiess. Er liebe diesen Typen aus Bern, der doch eigentlich genau dasselbe Problem habe wie er, einfach umgekehrt, so Baschi weiter. Während bei ihm zu Unrecht alle denken, er sei ein ewiger Kiffer-Tubel, traue man dem stillen Halter dafür vielleicht nicht unbedingt zu, dass er beim Autofahren die Scheibe runterdrehen und „dir huere Arschlöcher“ schreien könne. „Kutti hat mich verstanden – und ich ihn.“

Trotz den vielen „geilen Sessions“, dem riesigen Song und den gemeinsamen Auftritten (und happy hours in der Cuba Bar) haben sich Baschi und Halter mit der Zeit aus den Augen verloren. „Was nicht nur mein Fehler ist“, sagt Baschi. Aber auch. Deshalb habe er seinen ehemaligen Duettpartner irgendwann „in einer blauen Stunde“ angerufen. Halter sei sogar rangegangen, aber abgemacht haben die beiden bis heute nicht wieder.

Ich hätte mich ja niemals eingemischt, doch als ich sah, womit Baschi das von mir gewünschte Autogramm garniert hat, fühlte ich mich unterschwellig verpflichtet, einen Kuppelversuch vorzunehmen. Und das Timing ist besser denn je, denn Baschi und Jürg Halter haben gerade etwas gemeinsam – sie veröffentlichen fast gleichzeitig ein Album und ein Buch.

Heute ist „1986“, das achte Album von Baschi, erschienen, das achte in meiner Baschi-Vitrine. Nachdenklich stimmt mich in dem Zusammenhang eigentlich nur, dass nicht einmal er mir glauben wollte, dass ich seit seiner MusicStar-Teilnahme fan von ihm bin. Und „1986“ schon mindestens so viele Male durchgehört habe, weil ich mich zu seiner Musik immer so leicht in mein geistiges Innenleben flüchten kann. In die Welt, in der ich davon träume, dass irgendwann ein Mann in mein Leben tritt, der mit mir wegfliegen, alt werden, mich heimbringen, was auch immer will, und in der es mir möglich ist, mich in traurige Erinnerungen reinzulegen wie in eine Hängematte – und auch das zu geniessen.

Klar, ich weiss, die reale Welt ist eine andere. Und darüber hat Jürg Halter seinen ersten Roman geschrieben. „Erwachen im 21. Jahrhundert“ heisst er, kommt am 10. September heraus und handelt vom Schriftsteller Kaspar, der sich sehr ernsthafte Gedanken über den Zustand der Menschheit macht. Einem Zweifler. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, doch ich kann mir schon vorstellen, dass sich dieser Kaspar, wenn er ehrlich ist, nach einer Welt voller Baschis sehnt. Nach einer, in der die Liebe blühend, der Geist ein freier und das Leben geilo sind. Aber so einfach ist es eben nicht, in einer Zeit wie der aktuellen. Und es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein.

Fast hätte ich es vergessen, das erweiterte Autogramm von Baschi.

 

Trefft euch mal wieder, Sebastian Bürgin und Jürg Halter. Sebalter. Ihr habt schliesslich was zu feiern.

 

Baschi: „1986“, out (Universal Music). Konzertdaten: hier.

Jürg Halter: „Erwachen im 21. Jahrhundert“, erscheint am 10. September beim Zytglogge Verlag. Lesetourdaten: hier.

(Bild: Aus glücklichen Tagen)

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