Generation fresh

Sonne, Wärme, Farben, Frische, nein, ich rede nicht von draussen. Ich rede von meinen derzeit liebsten Musikerinnen, von Lucy Dacus, und neuerdings auch von Lauren Ruth Ward, Natalie Prass, Frankie Cosmos und Foxtrott. Der Generation fresh. 

 

  • Regenbogen

In den Presseunterlagen steht, sie sei irgendwas zwischen Janis Joplin und Courtney Barnett. Mir kommen Erinnerungen an Fiona Apple und Meredith Brooks auf. Dabei klingt sie letztlich sowieso ganz eigen, die in L. A. lebende Musikerin Lauren Ruth Ward, die als Hochzeits-Coiffeuse bist vor kurzem a shit-ton of money verdiente. Song für Song erzeugt sie auf ihrem herausragenden Debütalbum neue Stimmungen, nimmt einen mit auf psychedelische Trips, in die Disco der 70er Jahre, auf einen Ritt durch den Wilden Westen, oder in den Club. Ich würde mir so gerne von ihr die Haare schneiden lassen. Mir scheint, die Frau wüsste, dass ich mit „mal was Neues“ keine um zwei Millimeter gestutzte Bravfrisur meine. Well, hell, nächstes Mal nehme ich den Sound von Lauren Ruth Ward mit zum Coiffeur. Der MUSS zu mehr Mut und Kreativität inspirieren.

LAUREN RUTH WARD: „WELL HELL“, out (Weekday Records)

 

  • Rebellin

Dank der 24-jährigen New Yorkerin habe ich den Begriff „Anti-Folk“ kennengelernt. Endlich. Das war wirklich dringend nötig, denn nun kann ich benamsen, worauf ich schon eine ganze Zeit lang anspreche, ohne genau sagen zu können, warum. Adam GreenRegina Spektor, Beck, …  ich hätte jetzt einfach immer gesagt, ihre Musik sei edgy, gehaltvoller, künstlerischer und intellektueller als der Mainstream. Und jetzt weiss ich, dass dem Genre seit den 80ern Künstlerinnen und Künstler zugeordnet werden, die die Regeln der Popmusik nur deshalb studieren, um sie danach Punkt für Punkt zu brechen. Die die traditionelle Folkmusik sprengen, verrohen, die experimentieren, nicht zuletzt, um zu irritieren und gegen den Strom zu schwimmen. Und Frankie Cosmos, die eigentlich Greta Klein heisst und die Tochter von Schauspieler Kevin Klein ist, tut dies auf ihrem neuen Album ganz meisterhaft.

FRANKIE COSMOS: „VESSEL“, out (Sub Pop)

 

  • Dancefloor-Queen

Und auch diese Amerikanerin hat sehr viel zu sagen. Die Songs für ihren Zweitling waren eigentlich schon geschrieben, als Donald Trump Präsident der USA wurde. Die Wahl erboste sie aber so sehr, dass sie die Aufnahmen verschob, um sich in ihren Texten noch deutlicher zu fassen. Sexismus ist ein grosses Thema auf dem Album, beziehungsweise die Solidarität unter Frauen, von der sich die 32-Jährige noch viel mehr wünscht. Lustig ist, dass sich zu ihren klaren, in Jazz, Pop und Funk verpackten, Messages vor allem sehr gut tanzen lässt. „The Future and The Past“ ist extrem groovy, leichtfüssig und gleichzeitig schwer glamourös. Glitzerstiefel zum Skianzug.

NATALIE PRASS: ‚THE FUTURE AND THE PAST“, erscheint am 1. Juni bei ATO Records

 

  • Klangmeisterin

Die Sängerin und Multiimstrumentalistin Marie-Hélène L. Delorme aka Foxtrott kommt zwar aus Kanada, passt aber nur allzu gut in diese Reihe. Mit ihrer EP „Meditations I“ geht auch sie ganz eigene Wege, zeigt eine Welt, die sich uns beim blossen Radiohören niemals erschliessen würde. Denn man stösst nur darauf, indem man Augen und Ohren öffnet und rausgeht, so wie Delorme nach Mexiko gereist ist. Dort hat sie die Energie, das Vogelgezwitscher, die Polizeisirenen und andere Stimmungen eingefangen, die sich jetzt auf ihrer EP finden. In drei mitreissenden, sphärische Nummern. Sie sollen persönliche Gemütszustände repräsentieren, sagt die Künstlerin.

FOXTROTT: „MEDITATIONS I“, erscheint am 8. Juni bei One Little Indian

(Titelbild: Zusammengebastelte Facebook-Fotos)

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