Auch ernste Poeten dürfen gern frühstücken

ghostpoet

Manchmal hat man ja Vorurteile, gerade bei Musik, man hört einen Namen und denkt: Hmm, oh nein, Ghostpoet, das ist bestimmt so sperriger Hip-Hop für Intellektuelle, das ist mir zu anstrengend, und dann die mediale Bezeichnung Spoken Word Artist, das schreit ja schwierig. Oft genug lohnt es sich dann, einmal etwas wirklich anzuhören, weil dann gewinnt fast alles, und bei besagtem Ghostpoet ist das ganz besonders der Fall. Ich so beim ersten Lied des jüngsten Albums „Shedding Skin“: „Ach, da hats ja Gitarre.“ Dann: „Erstaunlich melodiös.“ Lied zwei: „Richtig gut!“, und von Lied zu Lied nervte ich mehr mit erstaunten Ausrufen. „Streicher! Super!“ (Bis es mir dann wieder zu tripphoppig wurde.)

Ghostpoet stammt aus London, fand ausgerechnet in Coventry richtig zur Musik, sein Album war vergangenes Jahr für den Mercury Prize nominiert (gewonnen hat dann Benjamin Clementine), und allein die Titel seiner Lieder und Alben sind eine Freude, „Sorry My Love, It’s You Not Me“ ist eine brillante Zeile, gern haben seine Texte aber auch irgendwas mit Essen zu tun, „Better Not Butter“ oder „Peanut Butter Blues & Melancholie Jam“ (so hiess sein erstes Album), und das ist so wohltuend unverkopft und macht seine Musik noch einmal einen Zacken verdaulicher.

Passt gut zu seinem Twitter-Feed, wo er auffallend oft Frühstück thematisiert, oder zu seinem Instagram-Account, wo er auch mal ein Foto von Spiegeleiern und Speck draufstellt (das er inzwischen offensichtlich gelöscht hat, hihi, aber ich habs vorher gescreenshotet! Ha! siehe unten!), grüselig, daneben veröffentlicht er dort Einzeiler über Fussball (er ist Liverpool-Fan) und Bilder seines Hündchens und Fotos von Bluffer-Büchern, die er angeblich gerade liest, und auch sonst ziemlich viele Banalitäten, ehrlich gesagt: Der mag ein Poet sein, aber am Ende des Tages denkt er über den gleichen Blödsinn nach wie wir alle.

Dafür, dass der Mann so gern Brunch isst, klingt seine Musik dann aber doch ziemlich düster, obwohl er sagt, dass er bei den Aufnahmen für sein neues Album „in a happier place“ gewesen sei.

Wie klingt er dann wohl, wenn er unglücklich ist?

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GHOSTPOET, „SHEDDING SKIN“, Play It Again Sam (2015).

Live: Heute Donnerstag, 17.3. Palace, St. Gallen; morgen Freitag, 18.3. Amalgame, Yverdon; Samstag, 19.3. Dampfzentrale, Bern

 

Fotos: Pressefoto, Instagram

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