„Wir malen uns vor dem Konzert gegenseitig Tattoos auf die Arme“

Am Freitag covern Güllä & Bänd in der Berner Matte das legendäre Gölä-Album „Uf u drvo“. Wir finden diese Idee so skurril, dass wir im Gegenzug für Frontmann Thomas Schläppi, der gleichzeitig Gitarrist von Death by Chocolate ist, ein altes Youtube-Interview mit Gölä gecovert haben. 

Ich bin der Reto. Was ist jetzt besser, Marco oder Güllä?

Du kannst mich Tom nennen. Güllä entstand aus einem Wortspiel unseres Pianisten Daniel Wyttenbach, irgendwie haben sie mich dann so zu nennen begonnen, und unterdessen bringe ich den Namen bei den Bandproben nicht mehr weg.

Ah du trinkst Wasser?

Ja, um einen klaren Kopf zu bewahren ist das vor dem Konzert sicher das Beste. Da das Konzert in Bern erst unser zweites ist, wäre es mir peinlich, wenn ich plötzlich Teile des Texts vergessen würde.

Da gibts auch Eichhof, das weisst du, oder?

Vielleicht dann nach dem Konzert.

Liegt das drin für einen Berner, hattest du nicht Egger auf dem (achtung, das hat der Interviewer tatsächlich so gesagt!) „Riider“?

Tatsächlich ist Egger Bier eines der ganz grossen hier aus der Region. Da wir aber als Cover-Band nicht so dick im Business drin sind, und wir das eher für unseren eigenen Spass machen, passen wir uns gern an und trinken, was uns angeboten wird.

Vorhin war ich in der Küche und habe gefragt: Was isst der Güllä, was trinkt der Güllä, hat er keine Spezialwünsche? Ich hätte gerne gehört: Der Güllä sauft nur Egger Bier oder so.

Der Güllä-Tom weiss, dass es nichts bringt, wenn man bei den Veranstaltern den Rockstar raushängen lässt und sieht auch keinen Grund, das jemals zu tun.

Du bist der krönende Abschluss von diesem ganzen Ding da. Wie besorgst du es den Leuten heute?

Ich biete ihnen eine Plattform, mir zu zeigen, wie gut sie am Radio hingehört haben, wie gut sie die Gölä-Songs auswendig können und zuhause unter der Dusche den Schwan geübt haben.

Güllä (Mitte) & Bänd

Was mir so gefällt an dir: Sobald die Erwartungen zu hoch geworden sind, hat der Güllä gesagt läcket mr und hat sich irgendwie verweigert. Die Geschichte mit dem Weggehen vor Jahren oder auch die mit dem Mundartsingen. Du bist es nicht gewohnt, dass dir die Leute zu Füssen liegen. Du bist einfach kein Star von dir aus gesehen, oder?

Überhaupt nicht, wer mit mir dann nach dem Konzert ein Bierli trinkt, wird merken, dass ich ein ganz normaler Fisu bin, der halt in seinem Leben schon einige Konzerte gespielt hat, mehr nicht.

Mit diesem Mundart, mit dem ganzen Mundart-Zeug, war es dir eigentlich angenehm, dir persönlich, Englisch zu singen oder war es komisch?

Da es das erste Mal ist, dass ich überhaupt in der Mitte stehe und singe auf der Bühne, wird es auf jeden Fall komisch sein für mich, egal in welcher Sprache. Mundart jedoch fällt mir leichter, weil das automatisch kommt und ich weniger überlegen muss als im Englischen.

Also ich hab dich im „Moonwalker“ gesehen, in Aarburg dort, das ist auch öppe schon fast ein Jahr her. Mich hats erstaunt, also das ist jetzt kein Vorwurf, aber ich hab gedacht, das bringst du eigentlich genauso gut. Hast du nicht trotzdem noch ein bisschen das Reissen danach? Auch wenn jetzt die ganze Welt sagt, aaah Güllä, Mundart, Mundart!?

Wir covern jetzt mal die erste Gölä-CD, vielleicht machen wir uns dann auch mal an seine englischen Songs, da ich diese aber bis jetzt nicht wirklich kenne, müsste ich dann wieder viel Text auswendig lernen.

Musikmachen ist ja immer viel warten, oder? Also jetzt wirst du gerade belästigt, aber sonst viel rumsitzen, viel warten…

Das ist definitiv so. 4/5 der Zeit ist warten. Schön, dass es in der Matte einen Billardtisch hat, dann vergeht die Zeit ein bisschen schneller.

Habt ihr irgendso ein Bandding, das ihr immer macht? Also ich habe Bands gesehen, die spielen „Vier Gewinnt“ und so, macht ihr auch irgendsowas?

Wir malen uns vor dem Konzert gegenseitig Tattoos auf die Arme, das macht Spass.

Was ich auch sehr schön fand: Du bist nicht der Güllä plus Statisten, sondern du hast eine Band, von der ich mittlerweile gemerkt hab, dass es immer die gleiche ist. Ist es wichtig für dich, dass du mit diesen Leuten ein anderes Verhältnis hast als „ihr spielt jetzt die Musik, die ich euch vorgebe“?

Wir sind ein zusammengewürfeltes Team, da aber klar ist, welche Musik wir machen und wie, funktioniert das bestens.

Das schlägt sich wahrscheinlich im Improvisieren nieder, oder? Positiv!

Ausser der Michu Suurer bei den Gitarren-Solos improvisieren wir eigentlich nicht.

Deshalb macht Zalando doppelt Freude

Häuser renovieren tust du ja auch immer noch, oder?

Nein, ich bin unterdessen Paketbote (Bild).

Märlibücher machst du auch?

Nope, wenn ich etwas schreibe, dann ist es meistens der Einkaufszettel, fürs Znacht.

Was macht eigentlich deine Frau? Sieht die dich noch ab und zu?

Wir sehen uns trotz vielen Konzerten regelmässig, wenn auch manchmal an den Wochenenden die Zweisamkeit ein bisschen zu kurz kommen kann.

Wenn ich ein Haus kaufen würde, könnte ich dich mieten, um es zu renovieren?

Und dann darf ich es behalten?

Dein Manager wird langsam hässig. Jetzt lassen wir dich zum Bierli, oder?

Mathias Schenk macht einen super Job, er ist ein knallharter Manager, ich würde aufpassen, ja.

 

Geht zu diesem Konzert, gerade wenn ihr mit Gölä nichts anfangen könnt. Der Berner Zeitung gab Güllä-Tom übrigens eine Kostprobe.

GÜLLÄ & BÄND: 01.12. Matte Brennerei, Bern

(Bilder: Facebook/zvg)

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