He was country when country wasn’t cool

David McClister Sam Outlaw

Sam Outlaw? Sorry, kein klischierterer Name eingefallen? Wohl so ein ironischer Hipster, der jetzt auch noch ein bisschen auf Country macht? Nope. Sam Outlaw heisst wirklich so (also wirklich wirklich heisst er Morgan, Outlaw ist der Mädchenname seiner verstorbenen Mutter). Ein Hipster ist er tatsächlich glaubs ein wenig, für einen Countrymusiker trägt er nämlich auffällig enge Hosen und zeitweise sogar ein verdächtiges Schnäuzchen, zudem arbeitete er in Los Angeles erfolgreich als Werber, bis er mit 30 das Macbook an den Nagel hängte und sich voll der Musik zuwandte.

Aber der meint das gar nicht ironisch, und seine Musik klingt auch so ernsthaft, wie  Musik klingen soll, sodass er unterdessen in L.A. nicht mehr gefragt wird, ob er das ernst meine, wenn er in Cowboy-Kluft auftritt. Sam Outlaw war definitiv country when country wasn’t cool. Und Sam Outlaw hat einen furchtbaren Ohrwurm geschrieben, der mir immer zwei Tage nachläuft, wenn ich ihn nur einmal gehört habe, nein sogar wenn ich nur das „Ghost town!!“-Graffiti an unserem Nachbarhaus sehe, „I’m on my way, nananaaaaa“.

Der junge (33), hübsche (sieht nicht jeder Mann gut aus mit einem Cowboyhut?) und lustige (siehe Mini-Dokfilm auf Youtube) Kerl ist gerade daran, ein eigenes Genre zu begründen, den SoCal Country, den erkennt man an den mexikanischen Einflüssen und den Mariachi-Musikern. Das erste Album co-produziert haben Ry und Joachim Cooder (Gitarrenfreunde erinnern sich), und obwohl die Lieder manchmal hart an der Grenze zum Schnulzencountry vorbeischrammen oder sie sogar hie und da übertreten, sind sie gut, weil gut gemacht, gute Melodien, gutes Songwriting. „Es verhäbt“, sagt man hier in CeSwi. Und mit einer Zeile wie „We’re gonna keep it interesting“ im lüpfigen Hit gleichen Titels liefert er auch noch gleich ein tipptoppes Lebensmotto.

Über ein halbes Jahr nach dem Album hat Sam Outlaw nun ein neues Video online gestellt, Bilder zum Titelsong „Angeleno“ (hätte ja auch super auf diese Liste gepasst), und ach, ist das eine Schnulze!, und ach, passen dazu die dokumentarischen Aufnahmen des Rodeo-Reiters Cesar Kid Banuelos. Manchmal muss Musik eben schön süss und schmalzig sein, dass sie lang im Ohr kleben bleibt. Und verhäbt. Ich würd‘ glatt mein Pferd darauf verwetten, dass ihr hier nicht das letzte Mal von dem gelesen habt. Wenn ich denn eins hätte.

Und noch ein Jöööö-Video als PS:

(Foto: David McClister)

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