Hip-Hop-Battle: Greece vs. UK oder: 10 Gründe, warum du griechischen Hip Hop anhören musst

Warum Boombox zu meinem bevorzugten Radiosender wurde, und weshalb ich kein einziges „Ich liebe dich“ mehr von einem griechischen Schnulzensänger ertrage: Eine rhapsōidía auf den griechischen Hip Hop.

Ich befinde mich derzeit in Griechenland und werde täglich so berieselt. Und so. Und nein, ich darf nicht jammern, aber: Ich.kann.nicht.mehr. Sirtaki in Ehren, ein Hoch auf Alexis Sorbas, Mikis Theodorakis und alle volksmusizierenden, tanzenden Griechen, aber ich ertrage einfach keine Lyra-spielenden Halbgötter mehr, während ich meinen Nescafé aufgiesse.

Ich also neulich mit Selbstmordgedanken (in die blaue Ägäis springen, wie König Aigeus, nach dem dieses blaue Wunder benannt ist), als ich mich an einen Fresszettel aus Athen erinnerte, aaah, was war ich voraussichtig zu Beginn dieses Trips! Konkret hat ihn ein Verkäufer in einem dieser unglaublich geilen Plattenläden (und ich meine: Platten!) beim Monasteraki-Platz geschrieben.

Ich erinnerte mich auch an Rockette Miriam, die schon lange einen Hip-Hop-Battle austragen will, jetzt mal so bildlich gesprochen, sie war ja in London (gäääähn) und hat dort Hip Hop aufgetrieben (soso).

Hab ich eben auch. Also, Hip Hop aufgetrieben. Eher nicht neu. Aber besser interessanter als dieser immergleiche UK-Shit. Zehn Gründe, warum man sich mal den Griechen anhören sollte:

  1. Imiskoumbria. Old-School-Hip-Hopper und wohl die bekanntesten. Für mehr Info guckst du hier und hier und hier ein Interview. Jaa, stellenweise e chli soft, aber irgendwie lustig: Hat man schon je eine Hip-Hop-Band gesehen, die mit Würde beim ESC auftreten könnte? (Man hat, aber ohne Würde: OMG) (Ein in London geborener Musiker. Just saying)
  2. Geile Namen: Imiskoumbria heisst halbe Makrele. Die Bezeichnung ist nicht nett – sie beschreibt jemanden, der schlüpfrig ist wie ein Fisch, also nicht fassbar. Warum jetzt die Hiphopper so heissen, weiss ich nicht. Auch nicht, wie man sich Flowjob (eine andere Band) nennen kann, hihi. Noch mehr lustige Namen hier.
  3. I don’t fucking love you: πηγαίνετε στο διάβολο (pigaínete sto diávolo) heisst: Geh zum Teufel. Ein wichtiger Gedanke, wenn man fast an griechischem Gedudel erstickt (siehe oben). In jedem griechischen Lied wird früher oder später „S ‚agapó“ („ich liebe dich“) gejammert. Beim Hip Hop nicht.
  4. Dort geht es um Dinge, die wirklich passieren. One Night Stands (Sorry, schlechter Scherz, worum sich kalinixta Ellada dreht, kann man sich auch ohne Griechischkenntnisse vorstellen).
  5. Achtung, Girlie-Alarm: Griechisch ist ja so eine sexy Sprache. Und gerapptes Griechisch ist Fast-Orgasmus so melodiös. Ausserdem kann es auch mal ganz entspannend sein, nicht ein Wort zu verstehen.
  6. Und jetzt etwas ganz Wichtiges: Terror X Crew. Auch sie sind alte Hasen. Manchmal setzen sie Instrumente und Stile ein, die kein Schwein (ausserhalb Griechenlands) kennt, zum Beispiel das Rembetiko. Das ist dieser griechische Soul aus den 20ern, ihr wisst schon. Besser geht nicht. (Das mit dem Rembetiko hat übrigens auch Fatih Akin getan, schaut euch mal wieder „Soul Kitchen“ an)
  7. Boombox. Einschalten und geniessen (10-12 Uhr, 17-20 Uhr und 23-02 Uhr Greek Rap).
  8. Die Krise: Selten hat man in einem Land das Gefühl, es brauche wirklich jemand, der rappend den Aufstand übt. Ein gutes Interview hier. Gute Nacht, Griechenland (siehe oben). Oder:  
  9. Noch mehr Rap.
  10. Sogar live total entspannt.

Wer noch nicht genug hat: Hier gibts 24 Songs zum Reinhören. Und hier Material für eine Odyssee Recherche.

(Bild: Rockette)

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