Hip-Hop-Praktikum vol. 2: Backstage

Fazit nach rund vier Monaten Hip-Hop-Praktikum: Es läuft nicht gut. Ich kann mich in dem ganzen Business schlecht orientieren, vergesse fast jeden Tag, Rap zu hören, kann mir keine Namen merken und bin nicht auf dem Laufenden. Da war die Betreuung der Old School Rapper The Pharcyde kürzlich in Lyss eine wahre Motivationsspritze.

Künstlerbetreuung – ich wurde von der KUFA Lyss als Praktikantin engagiert – ist im Zusammenhang mit den Hip-Hoppern aus Los Angeles zwar etwas viel gesagt. Ich habe sie hinter der Bühne zusammengerechnet maximal zwei Minuten gesehen.

Einer von The Pharcyde und ein anderer von The Pharcyde

Ausser vielleicht Fatlip, dessen Schwiegertochter scheints so heisst wie ich. Er schlich schon relativ früh und ziemlich desorientiert durch die Gänge und sprach mich immer mal wieder an. Er hatte seinen Laptop daheim in Amerika vergessen und musste deshalb seit Tagen in jedem europäischen Lokal auf der „Bizarre Ride II The Pharcyde“ 25th Anniversary Tour irgendjemanden um einen Computer bitten. Um ein paar Sachen für die Show runterzuladen, wie er sagte.

Praktikantinnen-Tür

So sass Fatlip also einen Stock über mir im Kufa-Büro, als ich mit den Frühschichtlern in der Küche für 31 Personen Ratatouille zubereitete: für The Pharcyde, die Mitarbeiter, mich selbst und die Bieler Band Cry Baby, die am selben Abend im selben Haus spielte. Die Rapper, so hiess es jedoch bald, hätten nun aber schon einen Döner gegessen und kämen sowieso erst kurz vor dem Konzert. Sie waren am Kränkeln.

Ob sie nach ihrer kurzfristigen Ankunft überhaupt noch irgendwas von ihrer Liste mit Sonderwünschen konsumiert haben, weiss ich nicht. Ein paar Pizzen, eine Flasche Weisswein, ziemlich viel Redbull und Mineralwasser sowie fünfmal Besteck und fünf Servietten waren im Vorfeld gewünscht worden. The Pharcyde zu betreuen, ist wirklich unglaublich unaufregend.

Umso geiler fand ich das Konzert. Vor 25 Jahren, als die meisten der gespielten Songs erschienen sind, mein Gott, da war ich noch richtig heiss auf Hip Hop. Sozialisiert bin ich dann aber trotzdem mit Rock- und Popmusik geworden, und ich weiss jetzt auch wieder warum. Ich habe irgendwann in den 90ern abgehängt – weil ich ein Old-School-Kind bin. Ganz eindeutig.

Warum die Typen auf der Bühne (darunter beispielsweise  Slimkid3), abgesehen von Fatlip, nicht die waren, die ich aus den vorab gesehenen Pharcyde-Videos kenne, wird mich wohl für immer endlos irritieren. Aber ich bin Praktikantin. Ich muss nicht alles verstehen.

THE PHARCYDE: „Bizarre Ride II The Pharcyde“ (1992)

 

HIP-HOP-PRAKTIKUM: Aus persönlichem Interesse, aber auch, weil wir diese Musikrichtung bisher so stiefmütterlich behandelt haben, lasse ich mich in diesem Jahr von Rappern und anderen Szenis zur halbwegs ernstzunehmenden Hip-Hop-Journalistin ausbilden (in Teil I von Sherry-ou). Die Prüfung ist das Royal Arena Festival 2018. Vielen Dank an die Kulturfabrik KUFA Lyss für den Einblick hinter die Kulissen eines sehr gesitteten Hip-Hop-Konzerts.

(Bilder: Rockette)

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One thought

  • haha
    „Warum die Typen auf der Bühne (darunter beispielsweise Slimkid3), abgesehen von Fatlip, nicht die waren, die ich aus den vorab gesehenen Pharcyde-Videos kenne, wird mich wohl für immer endlos irritieren.“

    hab ich mich auch sehr gfragt…

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