„Road Series“ – Hugo Race erzählt von unterwegs

Verfasser von Band(auto)biografien haben oftmals ähnliche Eigenarten wie Musikkritiker, von denen wir uns abgrenzen. Sie glauben, es diene dem Lesevergnügen, wenn sie eine Millionen Namen reinpacken, hunderte Jahrzahlen und Konzertorte einflechten und jeden Aspekt eines einzelnen Denkschrittes im Prozess des Songwritings draufkleistern. Alles in allem ist das meistens: too much information.

Hugo Race (der mich dieses Jahr schon mal beschäftigt hat) setzt da ganz andere Massstäbe, ist mehr Poet als Chronist. In seinem autobiografischen Buch „Road Series“, das auf Englisch erschienen ist, aber ganz viel Deutsch enthält (Shit, yells Reinhold over the noise, where is it? Links? Rechts? Links?), erzählt der australische Bluesrocker Anekdoten von unterwegs. Er steigt ein mit seiner Selbstfindungsphase als blutjunger Musiker in einem von Geldknappheit, Drogen und Party beherrschten Umfeld. Handelt kurz ab, wie er mit Nick Cave und den Bad Seeds in Europa eine Platte aufnahm. Und kehrt gedanklich noch einmal zurück nach Australien, wo er als Frontmann der unfassbar aufregenden 80er-Jahre-Band The Wreckery zum Rockstar wurde.

Daran wäre er wohl zugrunde gegangen, hätte er nicht die Flucht nach Europa ergriffen. Darauf liegt in seinem Buch denn auch der Hauptfokus. Insbesondere auf Deutschland (während des Mauerfalls zog er in einem Berliner Übungskeller gerade seelenruhig irgendwelche Instrumentenstecker aus und fuhr das Mischpult herunter), auf Tourneen durch Osteuropa und staubigen Reisen nach Mali und Brasilien. Und natürlich auf Italien, wo er erstmals so etwas wie Heimatgefühle verspürte. Und anderes (Jesu Christo, the bus, he shouts, it’s been raped! Rapino! All the guitars are gone!)

Die Musik, logisch, ist in diesem Buch präsent, mehr als nur ein roter Faden. Doch Race lässt die Finger von einer trockenen Abhandlung seines Schaffens, „Road Series“ sollte von Anfang an ein literarisches Werk sein, kein Karrierefazit. Er beschreibt, an welche Orte, in welche Gesellschaften und politische Situationen ihn sein Dasein als oft tourender Musiker geführt hat. Mit dem Fokus auf das Gesehene, nicht darauf, was er dort tat. Stellenweise gewährt der Musiker auch Einblick in sein Innenleben. Spricht von Leere, Einsamkeit, Sehnsucht und von seinem plagend schlechten Gewissen, nicht bei seinen beiden Kindern in Australien zu sein.

Übrigens: Letztes Wochenende war ich selber ziemlich on the road. Unterwegs traf ich Hugo Race, das Interview gibts am Sonntag zu lesen.

(Bild: hugoracemusic.com)

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