I need a Kate Bush Ticket!

Quizfrage: Wieviel habe ich für mein Kate-Bush-Ticket bezahlt?

a) 75 Euro

b) 480 Euro

c) 1200 Euro

Die Antwort folgt am Schluss.

 

Seit Kate Bushs Live-Performance „Before the Dawn“ in London sind über zwei Jahre vergangen. Eine Zeit, die ihre Fans nicht mit Youtube-Videos von den Shows, mit Interviews oder gar einer Konzert-DVD überbrücken konnten. Nein. Kate Bush mag keine Interviews, Handys und Kameras waren im Hammersmith-Stadion verboten, eine DVD hielt sie nicht für nötig und sowieso pflegt sie eine im heutigen Showbusinesswahn wohl einzigartige Bescheidenheit um ihre Person und setzt ihre Verehrer dadurch auf kompletten Entzug. So war die Ankunft des Live-Albums „Before the Dawn“ am 25. November wie der Schlüssel zu einer Schneehöhle. Rein da, und zwar jeden Abend, sich einkuscheln in der Welt der Zauberfee, dieser grossartigen Künstlerin, die mit Vögeln um die Wette zwitschert, Holzpuppen zum Leben erweckt, Lieder schreibt mit Namen wie „King of the Mountain“ oder „Waking the Witch“, 155 Minuten lang, solls doch draussen stürmen und kalt sein – das hier ist meins.

Am 26. September 2014, so gegen Mitternacht, als mit dem Ende von „Cloudbusting“ der letzte Takt der drei Akte von Bushs multimedialem Pop-Theater verstummte, hätte ich mich am liebsten hinter der Bühne versteckt. In einen Vorhang gewickelt. An der Kasse gefragt, ob sie für die nächsten Abende noch eine Aushilfe brauchen. Der Abschied war hart und verheult. Die vergangenen drei Stunden waren etwas vom Bewegendsten, was ich erlebt habe. Da vorne auf der Bühne wurde zum ersten und wohl letzten Mal Fleisch und Blut, was ich seit früher Kindheit anhimmle. Ein kostbarer Moment, hatte sich doch die Popart-Queen seit 35 Jahren, seit ihrer Tour von 1979, der einzigen überhaupt, dem Publikum nicht mehr gezeigt.

Es war eine von 22 Shows, alle im Hammersmith Apollo in London, alle innert MINUTEN ausverkauft, mir und allen anderen wahren Fans blieb der Schwarzmarkt also nicht erspart. Und nein, ich habe noch nie so viel für ein Konzert ausgegeben, und ja, ich würde das sofort wieder tun. Die meisten sind ja gar nicht so weit gekommen – all jene unzähligen Fans, deren Verzweiflung schon bei der Metrostation offensichtlich war, die sich um mich und um das Stadion tummelten und wie hungrige Bettler ihre Kartonschilder in die Luft streckten: „I need a Kate Bush Ticket! Please!“

I NEED A KATE BUSH TICKET!

Und ich war drin. Neben mir sass John, ein adretter Arzt aus Bristol, der sich immer wieder verstohlen die Tränen aus den Augen wischte und ab und zu durch meinen Feldstecher nach vorne guckte. In den Reihen hinter und vor mir sassen Dänen, Deutsche, gar Amis und Australier haben die Reise zu Kate auf sich genommen – und für das Ticket, wie sie mir zugeflüstert haben, teilweise bis zu 6000 Euro bezahlt.

Der Abschied von Kate war wie gesagt endlos traurig. Blieb der Grosseinkauf am Merchandise-Stand – und die grossartige Überraschung, dass mein Freund, der kein Ticket hatte und eigentlich draussen auf mich warten wollte, sich nach dem ersten Konzertdrittel und viel Überredungskunst beim Security tatsächlich noch gratis in die Halle schleusen lassen konnte. Er darf jetzt auch mit in die Höhle. Dort sitzen wir zusammen und geniessen die Winterabende mit Kate. 155 Minuten lang, solls doch draussen stürmen und kalt sein – das hier ist unseres.

ANTWORT

c)

 

 

KATE BUSH: „BEFORE THE DAWN“, out (Fish People/Rhino/Warner)

(Bilder: Enrique Muñoz García)

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