Ich war intim mit Lo & Leduc

Bevor ich etwas über die Plattentaufe von Lo & Leducs neuer EP „Hype“ schreiben konnte, musste ich mich outen. Ich finde Lo & Leduc gut. So gut, dass ich den Sonntagabend mit ihnen verbrachte.

Lo & Leduc sind blöd. Das war lange Zeit der Konsens bei meinen Rockette-Kolleginnen. Und ich musste meine Vorliebe für den „Provinz-Salsa“ geheim halten. Doch auch die anderen Rocketten waren irgendwie fasziniert von den beiden. Immer wieder waren sie bei uns Gesprächsthema und ihre Namen hielten für Wortspiele hin (bei der Forderung nach mehr Lohn und Leduc und in extremen Zeiten wurde aus Morgen LOrgen). Bis wir uns für alles entschulduct haben. Salonfähig ist Lo & Leduc-Gutfinden aber glaubs immer noch nicht so ganz. Und ich musste mich überwinden, diesen Text zu schreiben. Wobei, schreiben ging, ihn dann aber als Blogpost vorzuschlagen, brauchte ziemlich Mut. Die anderen trugens soweit mir schien mit Fassung (komisch nur, dass ich seither nicht mehr an Partys eingeladen bin…).

Also, jetzt wo das erlödüct ist, kann ich alles beichten. Ich war am Sonntag an der Plattentaufe der neuen Lo & Leduc-EP „Hype“. Und habe sogar dafür bezahlt (über die neuen Songs will ich gar nicht viele Worte verlieren. Hört sie euch an. Oder lest den Text von Ane Hebeisen, der ist zugegebenermassen – wie fast immer – sehr treffend).

Am Konzert in der Mühle Huziken war ich – als wären die anderen Rocketten auch dabei – fest entschlossen, einen ironischen Gesichtsausdruck zu wahren und nur verhalten zu wippen. Am Anfang gelang das gut. Vom Auszug aus dem Refrain von „Dr Hype isch real“, der am Klavier stand, war ich tatsächlich etwas gelangweilt: „Rock ‘n’ Roll si nid die uf dr Bühni, Rock ‘n’ Roll si die, wod Bühni hei bout“. Es scheint zurzeit in, die Arbeitskräfte rund um ein Konzert zu loben. Am Sziget liess das kaum einer aus. Das finde ich immer etwas anbiedernd. Obwohl zum Beispiel Ürsu, der Backliner von Pegasus, tatsächlich fast mindestens so Rock ‘n’ Roll ist wie alle Bandmitglieder zusammen.

Ja, ja …

Aber zurück zu  Lo&Leduc.

Irgendwann war meine coole Haltung gebrochen. Das Konzert war richtig gut. Die beiden auf der Bühne sympathisch, entspannt, zuweilen sogar richtig lustig. Die Musik viel mitreissender und stärker als auf dem Gurten. Und alle schienen mehr Spass zu haben. Zudem waren sie sehr nah am Publikum. „Fasch chli pinlech, i muess immer dr Blick sänkä, wener luegt“, sagte eine junge Frau. Eine andere behauptete, während des ganzen Konzerts Lo in die Augen geschaut zu haben. Jedenfalls war die drei Mal in Folge ausverkaufte Mühle Hunziken mit ihrem – wie so gern gesagt wird – intimen Rahmen sehr geeignet für diesen Hype. Und ja, ich oute mich noch einmal. Ich fands super, und es hat sich gelohnt, für das Konzert zu bezahlen und sogar den Tatort ungesehen zu lassen.

(Bilder: Rockette)

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