Ich will doch nur die Vorband sehen

Vom (auf hohem Niveau gejammerten) Leid, wenn die geliebte Band „nur“ einen Support-Slot spielt und du am liebsten ein T-Shirt tragen würdest mit der Aufschrift „Ich will doch nur die Vorband sehen“. Ach ja und dem Ruf nach ein bisschen mehr Nett-sein-zueinander. 

Zugegeben, nach zwei Wochen Freedom, Hugs und Sisterhood in Goa an Metal-Konzerte zu gehen, ist per se eine Herausforderung. So Peace-erfüllt wie mein Bindi-tragendes Ich gerade durch die Welt spaziert, ist es mir einfach oft unverständlich, warum wir nicht ein bisschen netter miteinander sein können. Hey, ich fand das Architects-Konzert doch auch zum Ausrasten gut, aber deswegen muss ich meinen Mitmenschen nicht rücksickslos blaue Flecken in die Seite treten. Wir können doch friedlich miteinander hüpfen, oder nicht?

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Gif: tenor.com

Ein gutes Beispiel war die While-She-Sleeps-Show im Berliner Huxleys am Wochenende – so viele gleichzeitig in die Höhe springenden Menschen habe ich noch selten gesehen und trotz mega Moshpit gab man aufeinander acht. Ja, da mag noch Goa aus mir sprechen. Aber ich finde grundsätzlich, wir sollten – gerade an Konzerten, an denen wir kollektiv ausrasten wollen – ein bisschen netter zueinander sein. Und wer glaubt, Metal und Höflichkeit passe nicht zusammen, hat noch nie mit 10’000 Menschen in London in einer perfekten Schlange gequeued.

Vom Leid des Vorband-Fans

In London habe ich erlebt, was mich eigentlich zum Tippen dieser Zeilen brachte. Ich war mit meiner BPCC (Best-Partnerin-in-Concert-Crime) in unsere Lieblingsstadt geflogen, um unsere Lieblingsband Killswitch Engage nach Jahren endlich wieder einmal live zu sehen. Allerdings waren diese (mir völlig undverständlicherweise) „nur“ Vorband von Parkway Drive. Nach eineinhalb Stunden Schlange stehen in eisigem britischen Luftzug, hatten wir es sogar geschafft, uns in der vierten Reihe zu positionieren, wo wir genug Platz hatten, Hits wie „The End of Heartache“ oder „Hate by Design“ mitzugröhlen (Fun Fact: wieder einmal hat sich das Vorurteil, dass es in britischen Locations einfach immer arschkalt ist, bewahrheitet – erstmals im Leben haben wir im Wintermantel geheadbangt).

Gegen Ende des Support-Slots von Killswitch Engage trat ein übliches, aber nicht weniger mühsames Phänomen auf: Alle, die sich bisher mit Bier holen, WC besuchen, rauchen und plaudern Zeit gelassen haben, fingen beim zweitletzten Song an, nach vorne zu drängen. Nach dem gefühlt hunderstens Schubser (halloooo, man kann doch mal ein bisschen freundlich sein zueinander, also ehrlich!) hätte ich mir oben erwähntes T-Shirt dringend gewünscht – „Hey, ich geh ja gleich, alles gut, du kannst meinen super Platz gleich haben“. Und das wird allen so gehen, die wegen des Supporters einen Gig besuchen, den Main Act (sorry Parkway Drive) aber nicht mehr sehen wollen.

Für das Fanherz ebenso schmerzhaft (grauuuuuuusaaaaaammmm) ist es auch, wenn die Audience den von dir geliebten Act einfach ignoriert und sich kein müdes Klatschen abringen kann. Aber naja, wir klatschen dann halt umso lauter, gell BPCC. Übrigens, wer heute mit mir dem Support-Act frönen (oder auch alle drei Bands – Parkway Drive, Killswitch Engage und Thy Art Is Murder geniessen will) – für das Konzert in der chicen neuen Halle 622 (getestet und für gut befunden) gibt es noch Tickets. Ich geh dann auch nach dem Supporter und überlass dir meinen Platz in den vorderen Reihen, versprochen. Du brauchst mich gar nicht wegzuschubsen. 

Bildergebnis für kindness quotes

P.S. Das äusserst passende Titelbild habe ich mir von diesem Blog geliehen, der eine Review zum Album von Vorband „Es geht so lange gut, bis einer weint“, geschrieben hat. Das Album gibt’s hier.

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