Im Rausch von Risha, zweiter Teil

Das Konzert von David Eugene Edwards und Alexander Hacke im Bogen F ist zwar schon ein paar Tage her, aber Gastautor Marcel konnte erst jetzt mit dem fliegenden Klangteppich landen. Nachdem sich seine Rockette von Risha hatte berauschen lassen, erwischte es nun auch ihn. 

Endlich Bogen F. Ich wollte schon lange mal dort ein Konzert besuchen, aber oftmals war alles ausverkauft bevor ich Karten kaufen konnte. Oder ein Besuch hätte zur Folge gehabt, dass ich ab Olten den Regi Null-Uhr-irgendetwas hätte nehmen müssen, um nach Hause zu kommen. Für solche mitternächtlichen Abenteuer ist man irgendwann einfach zu alt. Für Risha, dem gemeinsamen Projekt von Edwards und Hacke hatten wir uns deshalb ein Auto organisiert, damit wir nicht während des Konzerts abschleichen mussten, um den letzten Zug zu erwischen.

Rockette Domi ist eines Tages mit der Risha-LP nach Hause gekommen. Danach bekam ich sie kaum mehr vom Plattenspieler runter. Ich fand sie auch gut, sehr sogar, erinnerte mich etwas an die Young Gods. Zudem spülte es für mich zwei Herren zurück in meine Gegenwart, die ich aus den Augen verloren hatte. Auf David Eugene Edwards und seine 16 Horsepower wurde ich Ende der Neunziger dank dem Musikmagazin „Visions“ aufmerksam. Frage an unsere Leserschaft: Gab es eigentlich irgendwann eine reelle Chance, 16 Horsepower in der Schweiz live zu erleben? Alexander Hacke hingegen war bei den Einstürzenden Neubauten, welche sich mir zwar nie so wirklich erschlossen haben, aber ich mochte einige seiner anderen Projekte.


Konzertmitschnitt aus Amsterdam, unser Filmli ist nicht ganz so gut.

Nun standen die Herren also auf der Bühne des Bogen F. Hacke bediente die Knöpfe und Sampler, während Edwards für den gospeligen Gesang, Gitarren, teilweise auch Bouzouki und schamanische Tänze zuständig war. Beide sahen sie übrigens aus, als wären sie dem Film „The Royal Tennenbaums“ entsprungen. Edwards herausgeputzt, mit Bandana und Hemdchen mit eingesticktem Kreuz, Hacke in Jogginghose, aufgeknöpftem Hemd, Sonnenbrille und Hut. Sie legten gleich mit dem besten Song des Albums „Tryptich“ los. Risha erinnern auch live an die Young Gods, doch wenn Hacke es brätschen liess wie etwa bei „All in the Palm“, kamen mir die anderen Schweizer Industrial-Halbgrössen  Swamp Terrorists in den Sinn. Und wenn es elektronischer wurde, hatte ich das Gefühl, dass Edwards und Hacke auch an einer „Lethargy“ während der Streetparade in der Roten Fabrik bestehen könnten.  Die Musik lud gleichermassen zum Tanzen und Träumen ein, ein Trip der besonderen Art. Es war ein packendes Konzert, das etwas mehr Zuschauer verdient hätte, in der Flut von Konzerten an diesem Abend aber wohl etwas unterging.

Die deutsche Vorband Bar wurde von Hacke produziert. Sie klingt nach Berlin, dem jüngeren Nick Cave und ist für Leute, die diese Art von Düster-Pop mögen, absolut zu empfehlen.

 

masters of kater

 

Marcel ist einer unserer Rockette-Men. Er reisst gerne Sachen an, ohne sie fertig zu denken. Das passt perfekt zu uns. Derzeit plant er mit den Bands Cosmonoz und Overdrive Amp Expolosion das zweite Guitar & Cake ii am 10.03.2019 in der Kulturfabrik Kofmehl.

 

 

(Bilder: Rockette Domi)

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.