Jake Bugg

Jake-Bugg-2016

Man muss sie aushalten, diese näselnde, superspezielle Stimme von Jake Bugg (22). Hat man das erstmal gelernt, wird man süchtig nach den Songs des jungen Briten, der auf alten Blueser macht. Ich wusste ehrlich gesagt nicht so richtig, was ich ihn fragen sollte. Also plauderten wir ein bisschen, einfach so schnell an einem Freitagnachmittag (ich mache das sonst nicht, wirklich nicht, aber ich musste ihn in diesem kurzem Telefoninterview duzen – Coolio ist 20 Jahre jünger als ich. Das mit dem Duzen hat er natürlich nicht gemerkt):

Hallo Jake. Jetzt hab ich fast vergessen, dich anzurufen, weil das Wetter so gut ist!

Hallo, das ist doch okay, geniess es!

Bist du mehr der Sommer- oder der Wintertyp?

Ich mag den Herbst.

Schwimmen?

Nie.

Warum nicht?

Ich habe keine Zeit.

Kuckst du Fussball?

Ja, klar.

Wer wird Europameister?

France has a good chance.
(Klingt einfach besser auf englisch. Das sage ich, nicht Jake)
Frankreich hat ein sehr gutes Team. Und sie gewinnen, wenn sie zuhause spielen können.

Nicht England?

Ah. Ich glaube nicht. Wäre nice, aber ich mach mir da keine allzu grossen Hoffnungen.

Okay, reden wir über Musik. Magst du dein neues Album?

Ja, ich bin ziemlich happy damit. Und wenn es andere auch mögen, ist das cool.

Du klingst auch ziemlich cool, so generell.

Ach, ich weiss nicht. Eher nicht.

Also, Blues ist deine Musik, sagst du jeweils gerne. Ist das nicht was für alte Leute?

Nein, überhaupt nicht. Mir ist doch egal, wer Blues macht. Blues hat Soul. Meistens jedenfalls. Wenn nicht, dann ist es schrecklich.

Sorry, dass ich das fragen muss, aber findest du Noel Gallaghers Album wirklich so schlecht (Jake Bugg verkündete diesen Frühling „Noel’s last album is pretty crap though, innit?“, allerdings erst nachdem dieser öffentlich gesagt hatte, es breche ihm das Herz, dass Jake Bugg Co-Writer beschäftige und sich Solo-Künstler nenne)?

Hm. Ich glaube, es hat etwas mit Selbstgefälligkeit zu tun. Dass etwas funktioniert, heisst nicht, dass es auf Jahre hinaus so bleiben muss. Ach, ich weiss nicht.

Oasis hast du dir aber früher angehört? Oder bist du zu jung …

Ja klar, es kommt doch nicht drauf an, wie alt etwas ist. „What’s the story morning glory“ war ein grosses Album mit grossartigen Songs.

Hörst du dir je die Charts an?

Nicht wirklich. Ich schmökere mehr darin, so, wie ich etwa neue Schuhe suche.

Einer deiner Songs heisst „Love, Hope And Misery“:

Drei grosse Wörter. Bitte einen Satz zu jedem.

Love: Das Gefühl von Leidenschaft. Wird manchmal verwechselt mit Lust. Hoffnung ist … Etwas, das … wow. Hm. Das ist schwierig! Ich sag mal: Bei vielen Dingen haben wir Erwartungen. Hoffnungen. Und Misery wird geschuldet durch Liebe. Und Hoffnung, also, durchs Erwartungen haben.

Von wegen Erwartungen: Führst du das Leben, das du dir gewünscht hast?

Ja. Total. Ich wollte Musik machen. Und das mache ich.

Was machst du in deiner Freizeit?

Nichts. Ich bin ständig auf Draht, und wenn ich dann mal zuhause bin, hänge ich herum und schaue fern.

Was denn?

Im Moment eine italienische Serie: „Gomorrha„. Es ist über die Mafia.

Sag mal, hast du eigentlich einen Coiffeur?

Ha, ha, ja, hab ich, ich sollte unbedingt wieder hin, haha. In London. Ich traue fremden Coiffeuren nicht, hahaha. Meiner ist extrem nett. Und er will nie Geld fürs Haareschneiden, er will einfach Konzerttickets, und die gebe ich ihm.

Und dann wars auch schon vorbei, das Telefongespräch. Jake Bugg ist ein Netter, aber schwierig zu knacken als Interviewpartner. Was ja auch wieder ganz sympathisch ist, irgendwie. Da er aber schon einen Coiffeur hat, müssen wir alle allfällige Konzerttickets selber kaufen. Hier schon mal ein Zückerli:

 

JAKE BUGG: „ON MY ONE“, out: 17.06. (Universal)

Konzert: 26.08., Zurich Openair

(Bilder: Universal Music)

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