„Das war schön. Und wild“

Nein, über Scientology haben wir nicht geredet. Auch nicht über Brad Wilk (wer sich für die Beziehung Juliette – Rage-Against-the-Machine-Drummer interessiert, möge ihren Instagram-Account studieren, dort ist alles akribisch dokumentiert, manchmal auch auf T-Shirts, oder dann halt die einschlägigen Magazine lesen). Sondern darüber, dass Juliette Lewis, die wieder mit den Licks unterwegs ist, die Freude am Rock’n’Roll behalten und deshalb höchstens drei Wochen am Stück touren will. Und sonst noch so Zeugs. Es war ein schönes Telefongespräch, in dem es hauptsächlich um Energie ging. Auszüge daraus:

 

Hallo Juliette, hier ist Nina.

Hi Nina, grossartig! Eine Musikjournalistin!

Ja, von denen gibt es nicht so viel …

Eben! Ich liebe es, wenn Frauen von Männern dominierte Positionen besetzen. Das heisst, wir machen Fortschritte!

Ich habe Sie vor Jahren mal interviewt, in Zürich, und Ihnen ein Haarspängeli geschenkt, weil Sie es so schön fanden. Erinnern Sie sich?

Oh. Ich weiss nicht. Nein.

Ha, ha, egal. Warum touren Sie wieder mit den Licks?

Also zuerst: Diese Band ist eine neue Band. Ausser Todd Morse, der war von Anfang an dabei. Aber der Spirit von The Licks ist der gleiche geblieben: Rock’n’Roll. Es ist wie beim Schauspielern: I get excited wenn ich mit brillanten Regisseuren zusammenarbeite, und jetzt, mit diesen Musikern … Der Drummer zum Beispiel, Brad Wilk von Rage Against the Machine, oder Juan Alderete von Mars Volta. Von so einer Rhythm Section hab ich schon immer geträumt!

Also keine alten Licks-Songs an den Konzerten?

Doch, alte und neue.

Warum haben Sie die Band überhaupt aufgelöst? Im 2009?

Damals spürte ich diese Verbundenheit nicht mehr – zum Rock’n’Roll. Das machte es schwierig. Es ist ja Musik, die man fühlen muss, und das fordert einem alles ab. Ich war total erschöpft nach fünf Jahren mit den Licks. Aber ich sehnte mich immer nach diesen Zeiten auf der Bühne, und zwar genau so, wie man sich nach der Liebe seines Lebens sehnt. Und letztes Jahr starb mein Vater. Das war der Moment, in dem ich realisierte: Ich will nicht mehr alles aufschieben. Also spielten wir Licks-Songs. Das war schön. Und wild. Und jetzt touren wir wieder.

Letztes Mal in Zürich haben Sie sich darüber beschwert, dass die Lautstärke-Reglemente zu streng seien in der Schweiz.

Ah, ja, ich erinnere mich! Keine Ahnung wie die Gesetze in Fribourg sind. Aber ich mache das eh wett mit Energie. Die ist laut, und man kann sie nicht herunterdrehen.

Gutes Stichwort: Ihre Shows sehen eher anstrengend aus. Wie bleiben Sie fit?

Touren ist sehr physisch. Die Bewegung fehlt mir dann tatsächlich, wenn ich zuhause bin, also gehe ich joggen oder mache Workouts. Es ist ja so, dass man als Schauspielerin immer gleich eitel wirkt, wenn man trainiert. Aber ehrlich, ich will vor allem fit bleiben, ich will die Energie behalten.

Um Superwoman zu sein?

12976284_477042569159089_696948746_aJa klar. Auf der Bühne bin ich Rock’n’Roll Superhero. Und alle meine Kostüme müssen eng sein, weil ich so viel herumturne und dabei schwitze wie blöd. Trotz Training.

Und sonst so? In der Freizeit?

Bin ich mit Leuten zusammen, die ich liebe. Überhaupt soll man das tun, was man liebt. Ich stehe auch voll auf die Natur und gehe gern in die Redwoods, das ist ein Nationalpark in Kalifornien. Dort gibt es Mammutbäume.

Was ist leichter? Schaupielern oder singen?

O my God. Keins von beiden ist leicht. Aber wenn ich jetzt eine Antwort geben muss: Die Freude, die ich empfinde, wenn ich vor einem Publikum meine eigenen Songs performe … also diese Energie, die an einem Konzert entsteht, ist reine Freude. Unschlagbar. Meine Fans wissen gar nicht, wie viel Schmerz ich empfinde, sonst. Konzerte sind für mich eine Erleichterung, weil diese Einheit entsteht – das Publikum und ich. Singen ist nicht leichter. Aber ich fühle mich viel lebendiger auf der Bühne.

Konzert: 07.05., Fri-Son, Freiburg

(Bilder: Instagram)

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