Krump it up

Ähnlich wie ich nach ein paar Bier plötzlich superfliessend Französisch sprechen kann, beherrsche ich nach mehrmaligem Durchhören der neuen EP von Alice Roosevelt plötzlich das Krumpen

Mal abgesehen davon, dass mich die Westschweizer Indie-Rockband Alice Roosevelt derzeit mit ihrer neuen EP durch und durch elektrifiziert, hat mich ihr „Daylight“-Video an etwas erinnert. An das „Drop the Game“-Video von Flume & Chet Faker und meine damals hervorgerufene Faszination für Krumping. Dass das der Ausdruck dafür ist, durch Strassen zu moonwalken und dazu wild mit Armen und Händen zu gestikulieren, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Inzwischen habe ich aber recherchiert und weiss, es steht für viel mehr als das.

Krumping entstand im Los Angeles der späten 90er Jahre. Der Tanz war für die Afroamerikaner in dieser Zeit eine Art, der Härte des Ghetto-Alltags die Stirn zu bieten. Indem sie tanzten, erzählten sie ihre Geschichte, verliehen ihren Emotionen Ausdruck. Krumping galt immer schon als eine positive Gegenbewegung gegen Armut, Drogen und Gewalt. Als eine erfreuliche Sache. Ghetto-Paradiesvogel Tommy the Clown fand die ersten Krumper allerdings gar nicht lustig. Er hatte nämlich die Vorstufe des Krumpings, das Clowning, erfunden. Einen ganz ähnlichen Tanzstil, der allerdings simpler, weniger expressiv, Krumper würden sagen: langweiliger, ist. Obwohl notabene schon Tommy the Clown der Meinung war: „Wenn du aussiehst wie ein unter Spasmen leidender Irrer, machst du alles richtig.“

Und jetzt kann man natürlich in die endlose Lektüre zur Geschichte dieser Tanzform versinken. Kann sich auf Youtube Battles zwischen Krumpers und Clowns ansehen und entscheiden, was einem besser gefällt und worin überhaupt die Unterschiede bestehen. Man kann auch staunen, wie Krumping beispielsweise im „Dirrty„-Video von Christina Aguilera gaaaaanz anders anmutet als „Galvanize“ von The Chemical Brothers.

Eher früher als später werdet ihr alle mit mir einiggehen, dass kein einziger Mensch so wahnsinnig gut krumpen kann wie Storyboard P aus Brooklyn, der auch im Video von Chet Faker zu sehen ist. So schön, so smooth, so traumhaft. Das bringe ich natürlich selbst mit sehr viel Bier nicht zustande. Aber immerhin kann ich mich dann ohne falsche Hemmungen mit den Musikern von Alice Roosevelt unterhalten.

ALICE ROOSEVELT: „II“ (EP), 24.02.2017 (Irascible) / Single „Daylight“, out

Tänzer in „Daylight“: Kid NY

(Screenshot)

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