Kurts Korner: Big in Japan

Die Musik ist in Japan manchmal nebensächlich – zumindest so lange der Funfaktor stimmt. Das ergibt ein Online-Chat mit einem Szenekenner: Unser heutiger Gast Kurt Werren interviewt seinen Freund Yusuke Morita aus Toko.

Hallo Yusuke, was geht bei dir?

Im Moment bin ich auf Tour in Japan mit dem Ai Kuwabara Trio Project. Shiho, eine Jazz-Sängerin, ist auch mit von der Partie. Das Publikum ist nett und das Essen ist lecker.

Was ist mit deinen eigenen Projekten?

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Yusuke Morita, 28, Bassist, Komponist, Arrangeur und Produzent.

Ich habe ein eigenes Jazz Quartet mit einem Trompeter und einem Saxofonisten. Schon fast traditionell. Und ich habe viele Ideen für ein neues Album.

Du arbeitest ja auch noch als Komponist.

Ja. Kürzlich habe ich einen Werbesong für eine chinesische Videogame App komponiert und produziert. Gesungen wird der Song von Ladybaby.

Ladybaby?

Ja, die sind richtig gross im Geschäft hier. Zwei japanische Girls, 17 und 14, und ein bärtiger australischer Profiwrestler, der sich als fünfjähriges Mädchen verkleidet.

Und was spielen die?

Die machen auf Heavy Metal. Also: Ihre Band spielt Heavy Metal. Die Girls sind cute und der Australier grunzt herum.

Cute? Das ist doch diese japanische kawaii Kultur?

Genau. Wir Japaner lieben das, vor allem die Männer im mittleren Alter. Die Performer müssen „cute“ sein, niedlich, putzig, am besten mit einem Schulmädchengesicht. Die Qualität der Musik ist zweitrangig.

Und das verkauft sich?

Das erste Video von Ladybaby, „Nippon Manjiu„, wurde schon über 15 Millionen Mal angeklickt. Ihr aktuelles Video „C’est si bon Kibun“ läuft auch gut.

Gibt es noch mehr Baby-Bands in Japan?

Ja, Babymetal. Als erste japanische Band sind sie im April in der Wembley Arena in London aufgetreten. Sie sind eine Idol Group genau wie Ladybaby: cute, kawaii, fabriziert. Ihr Album „Metal Resistance“ war in den Top 40 der amerikanischen Billboard Charts.

Was ist so stark an Babymetal?

Die Kami-Band, ihre Begleiter. Das sind richtig gute Musiker. Mit einem von der Kami-Band habe ich auch schon zusammengespielt. Die können auch Jazz!

Ladybaby oder Babymetal?

Definitiv Babymetal. Diese Band ist richtig gut. Die perfekte Mischung aus kawaii Kultur und druckvollem Heavy Metal.

 

GUESTLIST: Kurt Werren ist unser Libanon-Vermittler. Überhaupt kennt er in gefühlt jedem Land der Welt spannende Bands oder Leute, die interessante Musiker kennen. So auch in Japan. Für diesen Beitrag hat er mit seinem Freund Yusuke Morita aus Tokio gechattet.

 

 

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