Kurts Korner: Rocking Beirut

Die Libanesin Marru el Charif ist Tattookünstlerin und Sängerin in der Frauenrockband Iklil. Unser Gastautor Kurt Werren hat sich in Beirut von ihr stechen lassen – und ihr ein paar Fragen zur lokalen Musikszene gestellt.

Hallo Marru, was hört man im Libanon im Moment?

So einfach lässt sich das nicht sagen. Der Libanon ist ein Land voller Unterschiede. Entsprechend gibt hören verschiedene Leute verschiedenartige Musik.

Und in deinen Kreisen?

Viele mögen Pop und Rock – von arabischem Poprock über Elektro bis Indie und Metal. Aber auch Techno und House haben immer noch viele Fans.

Was steht bei dir gerade auf der Playlist?

Oh, vieles. Ich mag groovigen Elektrosound wie jener vom französischen DJ Breakbot oder von Chairlift aus den USA. Auch Jain aus Frankreich finde ich cool. Ich lerne von allen. Ich bin ja nicht nur Sängerin, sondern spiele auch Keyboards.

Einer deiner Lieblingsmusiker ist Gavin Harrison, richtig?

Ja, stimmt, er ist ein fantastischer Musiker. Gavin Harrison war Schlagzeuger bei den Porcupine Trees, einer Prog Rock Band aus England. Neuerdings trommelt er bei Pineapple Thief. Die Pineapples habe ich Anfang Februar in Paris live gesehen.

Gibt es auch libanesische Rockbands?

Ja klar, die gibt es. Und sogar immer mehr und mit einer grösser werdenden Fanbase, gerade hier in Beirut.

Du bist ja selber Mitglied in einer Rockband, Iklil. Ist eine Band aus lauter Frauen nicht ungewöhnlich für den Nahen Osten?

Wo ist es das nicht? Mit der Band wollen wir unsere eigene Musik spielen und Frauen inspirieren, ihre innere Kraft zu finden, um selber über ihr Leben zu bestimmen. Bis jetzt waren die Reaktionen sehr positiv.

Was läuft bei Iklil im 2017?

Wir wollen endlich unsere Songs aufnehmen, dazu Videos drehen und vielleicht sogar unser Debütalbum herausbringen. Wir experimentieren immer noch mit unserem Sound und wollen diesen 2017 weiterentwickeln.

Und dann bist du auch noch Tattookünstlerin. Was lassen sich die Libanesen am häufigsten stechen?

Letztes Jahr waren Maori-Muster ein Trend bei den Männern. Nun wird das schon weniger verlangt.

Kurt, Black Star, Marru

Ganz heiss im Moment ist sacred geometry, streng geometrische Formen mit mystisch-sakraler Bedeutung. Immer populärer werden Portraits, abstrakte und realistische, und Wasserfarben.

Was tätowierst du am liebsten?

Ich mache gerne Designs, die etwas verrückt und out of the box sind. Meine Kunden sind sehr speziell und zusammen mit ihnen lasse ich mich gerne überraschen.

Die Tattooszene in Beirut ist am wachsen. So auch die Rockmusikszene?

Ganz klar. Im Mai möchten wir übrigens unsere erste Beirut Tattoo Convention durchführen. Kommt uns besuchen, Leute! Auch aus Europa.

Im 2016 haben viele grosse Künstler diese Welt verlassen. Hast du eine besondere Erinnerung an einen von ihnen?

David Bowie und Prince haben mich immer fasziniert mit ihrer Kreativität und ihrer kompromisslosen Art, ihr eigenes Ding durchzuziehen. So möchte ich eigentlich auch sein. Eine ganz besondere Erinnerung habe ich aber an George Michael. Meine Mutter hatte eine CD von ihm und bei jeder längeren Autofahrt war diese im Dauerloop. Meine Mutter war dann wie weggetreten und keiner wagte es, sie auf ihrem Trip zu unterbrechen.

 

GUESTLIST: Der Libanon ist die zweite Heimat von Kurt Werren. Der Gastautor hat für Rockette aber auch schon den neusten und vielleicht verrücktesten Musiktrend aus Japan „importiert“.

 

 

 

(Bilder: zvg)

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