Leiden mit Style

Nicholas Krgovich, Nicholas Krgovich, Nicholas Krgovich… so, jetzt kann ichs dann langsam fehlerfrei buchstabieren. Unser alter Freund Nicholas Krgovich hat ein neues Album veröffentlicht. Ein sehr schwules Trennungsalbum. Sagt er!

Hört man den Songs die sexuellen Präferenzen des Songschreibers an? Keine Ahnung. Gut, ich hätte noch nicht einmal gemerkt, dass „OUCH“ ein Trennungsalbum ist. So beim ersten Durchhören. Denn die Songs klingen eigentlich mehr so, als würde der Kanadier an einem sonnigen Herbsttag lächelnd im Haus rumlaufen, Pflanzen giessen, Tee für Freunde kochen und dann mit dem Hund spazieren gehen. Also so wie im Video zu „October“.

Wären da nicht die Texte. Nicholas Krgovich singt davon, wie er „you“ vermisst. An Freitagabenden, wenn er tanzen geht, beispielsweise. Man hört heraus, dass er jemanden sehr geliebt und dann verloren hat, deswegen leidet, aber auch, dass er dabei ist, sich nach dieser Trennung wieder im Alltag einzufinden. Weiterzuleben. Und zwar mit schönen Bildern im Kopf, aber auch mit Erinnerungen, die schmerzen. Das Album über das enttäuschende Ende einer grossen Liebe steckt voller Zuversicht auf einen vielversprechenden Neuanfang (Erinnerungen kommen auf).

Das liegt wohl daran, dass Nicholas Krgovic nach der Trennung, die ihn aus einer dreijährigen Komponierlethargie holte, froh war, überhaupt noch am Leben zu sein. Um herauszufinden, dass man ein noch so dramatisches Liebes-Aus überwinden kann, musste der Songschreiber sage und schreibe 35 Jahre alt werden. Dann nämlich wurde er zum ersten Mal von einem Mann verlassen, den er auch tatsächlich geliebt hatte. Die erste Liebe, zwar erst spät erfahren, aber vielleicht auch deshalb mit Würde verarbeitet.

„OUCH“ liefert Chillout-Sound für den gemütlichen Abend mit Freunden mit ein paar Gläsern Wein und guten Gesprächen. Es hat nichts Depressives, nichts Herunterziehendes. Im Gegenteil: Sätze wie „It was a fucked up winter, it was a fucked up spring“ werden bei Nicholas Krgovich von einem heiteren Frauenchörli gesungen, ein Song namens „Guilt“ mit einer Art Glockenspiel untermalt. Ein Trennungsalbum klingt bei ihm wie bei anderen ein Werk über positives Denken, Zufriedenheit und viel Selbstliebe. Leiden mit Style, das darf man sich ruhig merken.

NICHOLAS KRGOVICH: „OUCH“, out (Tin Angel Records/Indigo)

(Bild: Facebook)

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