Let’s not go surfing

Im April waren die Sunset Sons ja im Bierhübeli und anderswo in der damals nicht so sonnigen Schweiz. Mir wars zu kalt, dieses Surfer- und Sommerding passte einfach nicht, ich bewegte mich da mehr noch auf eisigem Untergrund. Überhaupt hielt ich es so wie der hier schon hochgelobte Benjamin von Stuckrad-Barre, der sich während des Brian-Wilson-Konzerts Gedanken über die Beach Boys macht, die gar nicht surfen konnten: „Und nur wenn man das weiss, ist ja die Musik überhaupt zu ertragen, diese naive Strandverherrlichung, beach, girls, surf. Gerade weil ich nicht surfen kann, erreicht mich ‚Surf’s Up‘ mit solcher Wucht. Denn wir alle können ja nicht surfen.“ *

Yep. Wir alle können nicht surfen. Das heisst, Dennis Wilson konnte, aber Brian Wilson nicht, Stuckyboy kann nicht, und ich schon gar nicht, Stand-up-paddlen, ja, das geht gerade noch. Und deshalb ertrage ich diesen Sound nicht, sondern finde ihn richtig geil, allerdings nur, wenn mir die Sonne auf den Kopf knallt, und ich in irgendeiner Art von Sand liege und es nicht so aussieht wie an irgendeinem gottverdammten kalifornischen Strand.

Nun ist es aber so, dass die Sunset Sons eben surfen können. Ja, sie machen überhaupt nichts anderes im Leben ausser eben noch ein bisschen Musik. Und das machen sie richtig gut. Benjamin und ich müssen revidieren.

Natürlich haben sie, die drei Engländer und der Australier, die sich in Frankreich beim Surfen kennenlernten, das Glück, sich ein bisschen wie Kings of Leon anzuhören, oder vielleicht ist es auch andersrum, Sonnyboys versuchen, genau so zu klingen. Auf dem neuen Album zum Beispiel in „September Song“, auch da sind sie der Zeit wieder voraus, aber ist ja nicht mehr weit. „Hang on, it’s not over. We can find a little somewhere to be“. Und sagt jetzt nicht, es töne alles gleich, das ist ja das Konzept von Surfmusik. Wie auch simple, verständliche Texte:

Baby I’ll be on the road, honey,
I ain’t coming home

„On The Road“ ist ein Popsong, nicht sonderlich einfallsreich, aber man sieht sie fast vor sich, die Sunset Sons, wie sie in den Sonnenuntergang hineinfahren, zum nächsten Surf-Hotspot. Ist einfach ein geiles Gefühl beim Hören – es kommt nie Neid auf, aber kürzest der Eindruck, auch bei uns sei so was wie immerwährender Sommer möglich. Thanx für diese Illusion.

Gestern bin ich beim Surfen, haha, noch auf das gestossen, und jawoll, Zufall: Sam Coomes beschreibt sich und seine Musik mit „Suicide meets The Beach Boys“.

Der kann sicher nicht surfen.

P.S. Wo wohl die Katze jetzt ist?

* Seite 525 in „Panikherz“ (Kiepenheuer&Witsch). Kaufen, los!

SUNSET SONS: „Very Rarely Say Die“, out now  (Vagrant Records)
KONZERTE: Immer wieder mal in der Schweiz, zum Beispiel am 15.11. im Salzhaus in Winterthur und am 16.11. im Kofmehl in Solothurn

SAM COONES: „BUGGER ME“, out: 19.08. (Domino)

(Bilder: Presse)

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