„Der Schnauz ist nicht zu bremsen!“

Rockette und die Musikszene in Beirut – eine immer innigere Beziehung. In diesem Beitrag spricht Gastautor Kurt Werren, dem wir die Libanon-Connections zu verdanken haben, mit Carl Ferneiné, Mitglied der Band Loopstache, über das Covern, die Wirkung von Grenzen auf die Kreativität und Schnäuze.

Du hast deine Karriere mit Coverversionen von bekannten Songs begonnen, die du auf YouTube gestellt hast. Wie hast du diese Songs ausgewählt? Welche Songs eignen sich besonders zum covern?

Carl Ferneiné: Kennst du dieses Gefühl, wenn du einen Song hörst und denkst, dieser Song könnte mich noch viel mehr ansprechen, als er es schon tut, er müsste nur aus seinem Korsett befreit werden? So fängt es häufig an. Ich covere gerne Songs, die bereits etwas groovy sind, etwas upbeat auch und natürlich „funkifizierbar“.

Was ist die Kunst der guten Coverversion?

Bei einem Cover nimmst du existierende Melodien und Wörter und nimmst diese neu auf, mit deinem eigenen Originalarrangement. Wie ein Maler, der ein berühmtes Bild kopiert, um seine eigenen Fähigkeiten und Techniken zu entwickeln. Es gibt keine Regeln, wie nahe oder fern vom Original man sein muss. Am Ende des Tages besteht Musik aus Emotionen, und solange Melodie und Text bleiben, ist alles okay, es geht nur um die Emotionen.

Können junge Bands ihre eigene Identität über Coverversionen finden?

Auf jeden Fall. Aber Achtung, Kinder: Ihr müsst covern, nicht kopieren!

Loopstache

Wie kam es zu Loopstache, deiner Band?

Ich habe meine Coverversionen auf YouTube veröffentlicht und eines Tages meldete sich Salim Naffah bei mir und sagte, er möchte gerne mitmachen. Ich kannte Salim gar nicht. Aber ich nahm seinen Vorschlag an und mit unseren Karrieren ging es seither bergauf. Anfang 2013 arbeiteten wir an unserem ersten gemeinsamen Cover, es war „Natural Blues“ von Moby. Dann merkten wir: Wir haben noch gar keinen Namen für unser Projekt. Einer schlug dann Moustache (Schnauz) vor, ein anderer meinte, einfach irgendetwas mit „stache“. Wir probierten dann Kissmystache, Flipthestache, Badstache, Flystache und bei Loopstache blieben wir hängen. Ich googelte und stellt fest, es gibt noch nichts, das Loopstache heisst, und so blieben wir dabei.

In einem Interview sagtest du, Loopstache ist Electro Swing, Electro Funk und Nu Disco. Wieviel von Beirut ist in deiner Musik?

Beirut widerspiegelt sich in meiner Musik auf so viele Arten. Die Begrenzungen, die dir Beirut auferlegt, sind der grösste Antrieb für mich als Mensch und als Musiker. Weil Beirut so viele Limiten hat, bringt es mich dazu, selber kreativ zu sein. Vielfach kommt Musik dabei heraus.

Mit deiner Liebe zum Swing: Wärst du gerne im Cotton Club aufgetreten?

Ja klar! Ich bin kein Jazzmusiker, nicht einmal annähernd. Aber Jazz und alter Swing ist wie ein Spielplatz für mich. Das zu hören und zu sehen ist wie ein Tag auf der Achterbahn. Pures Vergnügen.

Loopstaches neues Album kam am 26. Dezember heraus. Worum geht es bei diesem Album?

Beim neuen Album geht es um einen Übergang in multidimensionale Räume, um eine Reise der Sinne. Die Geschichte geht so: Loopstache entdecken plötzlich, dass sie in einem Viereck eingeschlossen sind und beschliessen, auszubrechen und in neue Welten vorzustossen. Durch dieses Album möchte ich zwei Hauptideen weitergeben. Erstens: sei glücklich, habe dich selber gerne, befreie dich und sag auch, was du denkst. Und zweitens: träume gross und gib nicht auf, weil alles, was unmöglich erscheint, ist es nur, bis einer kommt und es macht, und das könntest du sein.

„All I need is you“, das erste Video des neuen Albums, hat beim Scopifest in Spanien den ersten Preis in der Kategorie „Bestes Musikvideo“ gewonnen. Hat euch das schon etwas gebracht?

Ja, nachher wurde das Video auch auf MTV gespielt, das war schon mal gut. Nun hoffe ich, dass wir 2018 eine europäische Tour machen können; eine kleine Fanbase ausserhalb des Libanon haben wir schon.

Ein grossartiges Video wie „All I need is you“ hat knapp über 3000 Views auf YouTube, „Despacito“ hingegen 4.5 Milliarden. Nervt dich das? Findest du das unfair?

„Despacito“ kann auch zehn Milliarden Views haben, und die Musikindustrie so unfair sein, wie sie will, mir ist das egal. Ich werde weiterhin Hypermomente kreieren und glaube, das meine Musik in den Herzen derjenigen bleiben wird, die sie wirklich mögen.

Ich habe dich privat kennengelernt und da bist du ein ruhiger, eher scheuer Typ. Und auf der Bühne explodierst du und machst das Kalb. Was passiert da mit dir?

Schon als ich als kleiner Junge Songs auf dem Piano spielte, war die Bühne meine Plattform. Ich erlebe sie als superaufregend und gleichzeitig als meine Komfortzone. Wenn ich auf der Bühne bin, vergesse ich alles, was ich gelernt habe, lasse mein Ego sausen, höre auf zu denken und lasse die Musik geschehen. Freiheit!

Welche Art Schnauz sollte ein Mann 2018 tragen?

Ich schlage vor, man sollte immer und überall Schnauz tragen. Er ist ein Symbol für Gesundheit und Stärke und das Beste daran ist, man kann ihn formen, abrasieren und dann wieder wachsen lassen. Der Schnauz ist nicht zu bremsen!

LOOPSTACHE: „HYPERCUBE“, im Moment ist das Album nur exklusiv erhältlich. Das soll sich 2018 ändern.

 

GUESTLIST: Kurt Werren lebt in Bern, der Libanon ist seine zweite Heimat. Er hat hat ein Flair für fruchtbare Begegnungen und ein Näschen für spannende Bands und gute Musik.

 

 

(Bilder: May Arida)

 

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