Coole Sau und geiler Hund

iggy andreas neumann

Vor etwa drei Jahren hatte ich mal ziemlich Krach mit Chris von Rohr. Weil ich bei Krokus musikalische Müdigkeitserscheinungen feststellte und mich fragte, ob es wirklich so sinnvoll sei, 40 Jahre lang weder links noch rechts zu schauen und dem Publikum den ewig gleichen Rocksound auf Repeat vorzutragen. Also eigentlich hatte ich keine Ahnung von Musik und vom Business Krach, weil ich das in der Zeitung schrieb.

Jetzt könnte ich ihm endlich erklären was ich damals meinte mit sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen und von anderen inspirieren lassen und einen Schritt vorwärts gehen wollen. Iggy Pop und seinem 22. Studioalbum „Post Pop Depression“ sei Dank!

Der 68-jährige „Godfather of Punk“ –  James Osterberg heisst er bürgerlich – hatte keine Skrupel, sich vom 26 Jahre jüngeren Josh Homme (Eagles of Death Metal, Queens of the Stone Age) an der Hand nehmen und sich auch mal etwas sagen zu lassen – als Bandkollege und vor allem als Produzent. Ebenso offen zeigte er sich für die Inputs der beiden anderen Mitmusiker, Multiinstrumentalist und Queens of the Stone Age-Kollege Dean Fertita, sowie Arctic-Monkeys-Drummer Matt Helders. 45 und 29.

„Post Pop Depression“ ist unwahrscheinlich sexy geworden. Weshalb es mich irgendwie nervt, in den Albumbesprechungen dieser Tage so oft die Wörter Alterswerk und Altersmilde lesen zu müssen. Mag „Vulture“, eine stimmungsvolle Beschreibung eines aasfressenden Geiers, zugegebenermassen etwas vom Gedudel eines senilen Ornithologen haben, und das Album insgesamt ruhiger und nachdenklicher geworden sein – „German Days“ (eine Erinnerung an die Berlin-Zeit mit David Bowie – überhaupt erinnert auf diesem Album vieles an David Bowie), „Gardenia“ und „Sunday“ strotzen nur so vor Vitalität und Zeitgeist. Und das liegt bestimmt nicht allein am Einfluss Josh Hommes, der der „Welt“ selbst sagte: „Wir sind einfach Iggys kleine Band für sein neues Album. Er ist der Boss, er hat die Ideen. Alles Inhaltliche stammt von ihm.“

Was natürlich untertrieben ist. Der Queens of the Stone Age-Rock plustert sie schon ganz schön auf, die musikalische Rückschau Pops auf sein Schaffen in den 70er Jahren. Und das ist gut, wirklich gut. „Viele Typen in meinem Alter wollen nicht aus ihrer Komfortzone, denn wenn du mal eine Legende bist, willst du diesen Ruf nicht verlieren“, sagte Iggy Pop zu „laut.de“.  Meine Worte!

 

IGGY POP: „POST POP DEPRESSION“ Out: 18.03.2016 (Caroline International)

Konzert (Iggy Pop Solo): 19.06.2016, Rock the Ring, Hinwil

(Bilder: Andreas Neumann / zvg)

 

 

 

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