Manchmal tragen Märchenprinzen Eyeliner und kommen im Bus angeritten

Es waren einmal vier Rheintaler mit seidig glänzenden Mähnen, die sich leidenschaftlich gern in enge Lederhosen schmissen und sich dicken Eyeliner um die Augen zogen. So herausgeputzt laden die Black Diamonds zu einem ganz besonderen Ball, auf dem zur neuen Scheibe „Once Upon A Time“ getanzt wird.

Hach, das Leben könnte so einfach sein und sich nur um Bier, Girls und Rock’n’Roll statt um grüne Smoothies, Steuererklärungen und Meetings drehen. Leider ist ebendieses aber weder ein Ponyhof noch eine niemals endende Party. Um zumindest einige Stunden lang der oft eher schnöden statt glamourösen Realität zu entfliehen, sei den Leserinnen und Lesern dieser Review folgendes empfohlen: CD der Black Diamonds einlegen, Whiskey einschenken und sich von den Rheintaler Hardrockern in ihr Rock’n’Roll-Märchen entführen lassen.

„Once Upon A Time“ ist nicht nur der Titel der ersten Scheibe, die die Black Diamonds unter ihrem brandneuen Label AOR Heaven veröffentlichen, sondern auch der Startschuss für eine Reise durch die hauptsächlich bier- aber manchmal auch tränentriefende Märchenwelt der Rocker.

Ihre Glam-Sleaze-80er-Inspiration spielen Manu, Andi, Mich und Dee konsequent weiter, dekorieren sie mit einer grossen Portion epochaler Sound-Effekte bis hin zu erhabenem Orgel-Spiel. Partymucke bleibt die Stossrichtung der „Schwarzen Diamanten“ – auf ihrem neuen Werk zeigen sich die Schweizer aber mit einigen Riffbrettern immer öfter von ihrer besonders harten Seite. Auch lyrisch wird teilweise ohne Blatt vor dem Mund rausgehauen – die Ex-Freundin, der „Romeo & Juliet“ gewidmet ist, möchte man definitiv nicht sein.

Die Vorabsingle ist der perfekte Song, um sich mit einem Glas Hochprozentigem für eine lange Partynacht in Stimmung zu bringen. „Vampires of the Night“ punktet, wie die meisten anderen Titel auch, mit eingängiger Hook und verspielten Gitarren-Arrangements.

Auch auf ihrem neuen Album zitieren die Black Diamonds erfolgreich eine musikalische Ärä, die sie selbst zwar nicht erlebt, aber gut abgebildet haben. Und zwar ohne wie ein billiger Mötley-und-Co-Abklatsch zu wirken. Dieser Sound gefällt sowohl ergrauten Rockern, wie auch jungen Glam-Fans, die Netzstrumpfhosen und so gerade erst entdeckt haben.

Fazit: Wenn der Bandbus nicht wieder durch die MFK-Prüfung fällt, kommen die vier Hardrocker aus dem Rheintal Prinz-Charming-ähnlich angeritten und entführen nicht nur holde Weibsbilder direkt in eine far-far-away-Rockmärchenwelt.

Der grosse Ball der Märchenprinzen findet übrigens am 25. März 2017 statt, wenn das neue Album kräftig mit Whiskey übergossen wird.

BLACK DIAMONDS: „ONCE UPON A TIME“, 24.03. (AOR Heaven)

LIVE: 25.03. Black Thunder MC, Oberriet; 08.04. Sportgaststätte SV Riedmoos, Unterschleissheim (DE) usw

Gisèle Luther passt wunderbar zu den Rocketten: Sie braucht Musik wie Gin das Tonic und sucht die guten Töne im Leben auf allen Wegen – manchmal mit mehr oder weniger Ironie. Gibt nicht nur in knackigen Texte gerne ihren Senf dazu, sondern würzt damit einfach alles.

 

 

(Pressebild)

 

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