Sonne im Schatten

Liest man das Booklet seines neuen Albums, denkt man: Manuel Stahlberger, ein Mann der treffenden Worte, der schönen Formulierungen, ein Beobachter, tiefgründig und gleichzeitig hochkomisch. Seine Texte funktionieren auch ohne Musik extrem gut, die Musik gibt ihnen höchstens noch ein bisschen mehr Farbe, bestimmt wird dieses Interview ein verbaler Schlagabtausch der skurrilen Art.

Nun ja, der St. Galler Kabarettist, Comic-Zeichner, Texter und Liederschreiber ist im Gespräch eher so, wie er seine Singstimme beschreibt: „nicht allzu expressiv“. Und seine Antworten fallen nicht selten karg aus (Warum vertonen Sie Ihre Musik? „Ich habe Lust zu singen.“). Doch in genau dieser Monotonie, die auch seinen Geschichten innewohnt („Ich beschreibe ja meistens langweilige Situationen“) ist ganz viel Leben zu finden. Humor und Optimismus, die Stahlberger im Video zu „Wilkomme im Sunetal“ tänzerisch ganz treffend umsetzt. Man muss ja nicht immer gleich losgrölen und alles rausprusten, was lustig ist. Man kann den Lacher auch ruhig mal ein bisschen im Körper festhalten und sein Unwesen treiben lassen.

Auf seinem neuen Album „Kristalltunnel“, das ein Nebenprodukt seines Bühnenprogramms ist, erzählt Manuel Stahlberger von dem Punkt im Leben, an dem man oft zurückblickt und manchmal am liebsten abhauen, irgendwo in Seelenruhe neu anfangen würde (Überall Bilder und Buechstabe / Tuume ufe, Tuume abe / I ha’s bis do, i chumm nüme mit / I mach en Schnitt / I wärd jetz Eremit). An dem man realisiert, dass ein Neuanfang nicht nur keine Schande, sondern wirklich lohnenswert wäre (D Frau Lüthi und er sind au gar nöd gschide / Und sie finded da nöd irgendwie schlimm / Sie sind Fründe worde und total zfride / Und wenn d Frau Lüthi i de Schwiiz isch, wohnt sie bi ihm / Mengmol chunnt au ihren Fründ mit, de Jean-Pierre / Und wa d Lüt reded isch ihne egal). Gekoppelt mit dem wunderbar lethargietanzbaren Elektro-Pop, verwandelt Stahlberger Tristesse in Momente des Aufbruchs – „bei mir ist es nie auswegslos“.

MANUEL STAHLBERGER: „Kristalltunnel“, out (Irascible Music)

(Pressebild)

 

 

 

 

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