Oh, Marseille oder: Die Stunden nach dem Halbfinale

Heute spielen Deutschland und Frankreich im Vélodrome in Marseille, möge der Bessere gewinnen und es ruhig bleiben in der Stadt. Nach dem Knüller, das meine persönliche Empfehlung, gleich noch eine Folge „Marseille“ reinziehen, das beruhigt die Nerven, und man kann weitersaufen ohne schlechtes Gewissen, weil zu „Marseille“ ist ein anständiges Glas Rotwein das Trinken einer Flasche Rotwein zwingend.

„Marseille“ ist „House Of Cards“ auf europäisch, also viel dreckiger und spannender und sexier.

Gérard Depardieu spielt den amtierenden Bürgermeister, der sich Koks reinzieht, zum Beispiel auch in den Katakomben des Fussballstadions, weil er ein ehrlicher Mann ist und mit so vielen unehrlichen Gegenspielern zu kämpfen hat. Seine Tochter liebt die falschen Männer, seine Frau wird depressiv, und die Bosse in der Banlieue fahren geklaute Autos und lieben die falschen Frauen. Man sieht viele Brüste, Probleme werden beim und durch Sex gelöst, und beim Kucken wächst der Wunsch, endlich wieder mal an die Côte d’Azur zu reisen, und das wird manchmal fast unerträglich. Deshalb braucht man Wein.

Das Intro singt Orange Blossom, eine Electro-Pop-Band aus Nantes, und das ist auch schon alles, was ich weiss. Netflix ist noch am Recherchieren, jedenfalls hat man mir das so gesagt dort, als ich anfragte, warum man diesen grossartigen Song ausgewählt hat. Keine Ahnung, worüber sie sich auslassen im Lied, aber das macht nichts, „Ya Sidi“ ist einer dieser Songs, die, richtig laut aufgedreht, von der Ohrmuschel direkt ins Blut schiessen und dort ein Chaos anrichten. Weil das Herz schneller zu schlagen beginnt, und man keine Luft mehr kriegt und deshalb vor die Türe und durch die Stadt laufen möchte.

Diesen Moment muss man ertragen, wenn man sich die Serie anschauen will. Ansonsten natürlich: Laisse-toi aller.

Den Soundtrack gibt es übrigens auch als Album. Aber von Orange Blossom ist nur dieses eine Lied drauf.

(Bild: Netflix)

 

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