„Wir sind Mando Diao, so einfach ist das“

Mando Diao: Patrik Heikinpieti, Daniel Haglund, Björn Dixgård, Carl-Johan Fogelklou, Jens Siverstedt (v.l.n.r.)

Die Welt wäre eine bessere, wenn es sich jeder eine Stunde pro Tag bewusst gut gehen liesse, glauben Mando Diao. Aus unserer Sicht gibt es zwei Möglichkeiten: In dieser Zeit deren neues Album „Good Times“ hören oder die Schweden zum Interview treffen.

Kann man ein neues Album auf Promotour eigentlich zu Tode reden?

Björn Dixgård: Nein. Wenn man normal ist, redet man so oft wie möglich darüber. Wir haben etwas gemacht, worauf wir stolz sind – und jetzt verbreiten wir die Nachricht, wann und wo immer es geht. Und wir hoffen, dass die Leute „Good Times“ mögen.

Als ich zum ersten Mal reinhörte, dachte ich ehrlich gesagt, ich hätte den falschen Knopf gedrückt. Es klang so überhaupt gar nicht nach euch. Doch je länger es lief, desto mehr gab es zu entdecken, es ist vielseitig und im Vergleich zu früheren Alben voll von schönem Schicki Schnacki. Ich liebe es sehr. Und jetzt stelle ich auch mal wieder eine Frage, sorry. War es euer Plan, ein so verspieltes Album zu machen?

Jens Siverstedt: Verspielt ist ein gutes Wort. Wir lieben es, kindlich zu sein im Studio, beim Songwriting. Es war auf jeden Fall ganz klar unser Ziel, nichts herkömmliches zu machen, das alle langweilt.

Dixgård: Kindlichkeit war immer unser Ding. Schon vorher. Wir lieben es, wie Kinder im Sand zu spielen.Wir hatten vor lauter übermütiger Ideen circa 40 Demos, aus denen wir die Songs fürs Album auswählen mussten. Die ganze Band war involviert, was neu ist. Früher haben immer Gustaf und ich geschrieben. Inszwischen (der zweite Frontmann Gustaf Norén hat die Band 2015 verlassen, Anm. d. Red.) sind alle…

Es klopft. Bassist Carl-Johan Fogelklou kommt herein

Fogelklou: Sorry, ich dachte, wir hätten später abgemacht.

Dixgård: Hallo… Eben: Wir sind alle gleichberechtigt.

Dann sind diese Elemente aus Rock, Disco, Soul und so also der Tatsache zu verdanken, dass in der neuen Bandkonstellation mehr als zwei Leute mitreden.

Siverstedt: Wir haben das Album alle zusammen produziert, ohne Produzent. Und ja, es sind die Geschmäcker, der Lieblingssound von uns allen enthalten, was die Songs natürlich im weiteren Sinne noch persönlicher macht.

War immer klar, dass ihr nach dem Aussteigen von Gustaf Norén als Mando Diao weitermacht?

Dixgård: Ich habe diesen Namen mit 16 erfunden und mich richtig in ihn verliebt. Es ist eine langjährige Leidenschaft, Daniel Haglund und ich sind seit 18 Jahren dabei, Jens mittlerweile auch schon seit drei Jahren, Patrik Heikinpieti seit sieben Jahren. Wir sind Mando Diao, so einfach ist das.

Erzählt mir von der Zeit, als ihr die Songs für „Good Times“ zusammengestellt habt.

Siverstedt: Wir waren im Winter eine Woche lang im Haus meiner Familie auf der Insel Gotland.

Herrschten da hippieske Zustände wie auf dem Album-Cover?

Siverstedt: Nein, dafür war es zu kalt. Wir konnten nicht mal wie geplant unsere Pressefotos machen, weil wir darauf zu erforen ausgesehen hätten. Wir haben einfach viel Musik gemacht, gut gegessen und konstant gelacht. Es waren good times.

Der Albumtitel bezieht sich also auf diese Woche?

Fogelklou: Er bezieht sich auf den gleichnamigen Song. Es war total klar, dass das der Albumtitel werden würde…

… weil die Zeiten im Moment so gut sind.

Fogelklou: Nun ja, man muss sich doch immer auf die guten Zeiten im Leben konzentrieren, auch wenn alles fucked up ist. Man muss es sich unbedingt erlauben, zu geniessen.

Welche Tipps gebt ihr Pessimisten, damit auch die das schaffen?

Fogelklou: Denkt nicht den ganzen Tag an negative Dinge! Schaut keine News, kümmert euch eine Stunde am Tag nicht um Politik.

Dixgård: Eine Stunde klingt ein bisschen mickrig.

Fogelklou: Na ja, das ist doch ein Anfang. Eine Stunde, in der man sich um seinen Körper kümmert, gutes Essen kocht, ein Glas Wein trinkt und keine schlechten Nachrichten via Facebook verbreitet. Schlechtes zu verzapfen steckt andere an, das erzeugt bad vibes. Geh mal auf Facebook und sag was Nettes wie „ich mag diese Musik, ich mag dieses Essen“. Das ist wichtig, mann.

Dixgård: Unser Drummer, der heute nicht hier ist, geht gerne in die Natur, in die Berge, wo es friedlich ist.

Das dauert aber länger als eine Stunde.

Dixgård: Ja, aber es tut gut. Dinge scheisse finden ist das Einfachste, was man machen kann. Liken ist schwieriger (Einspruch d. Red.). Aber man sollte das üben und umsetzen. Go out and practise.

Was hört ihr für Musik, um euch gut zu fühlen?

Alle durcheinander: Al Green, Janis Joplin, das letzte Kanye West Album war fantastisch, das zweite Album von The Band, das The Band heisst, Lemon Twigs, Alabama Shakes…

… schöne Auswahl, danke.

Dixgård: Halt, wir hätten noch Paul McCartney sagen sollen.

Warum, ist er euer Sponsor?

Siverstedt: Schön wärs.

Dixgård: Nein, aber er ist der Meister der positiven Texte.

Ein Freund von mir würde jetzt applaudieren. Er weist in jeder erdenklichen Situation auf einen oder mehrere Beatles hin.

Dixgård: Meine Mutter ist auch so. Allerdings sind es bei ihr die Stones.

Seid ihr eigentlich enttäuscht, wenn das Publikum an euren Konzerten nicht tanzt?

Siverstedt: Ja, schon ein bisschen.

Dixgård: Es kommt darauf an. In einem bestuhlten Theater kann ich es gut nachvollziehen, wenn keiner tanzen will.

Fogelklou: Wir bewerten unser Publikum doch nicht nach solchen Kriterien. Die Leute können tun und lassen was sie wollen.

In einem Interview habt ihr gesagt, es gäbe Länder, in denen die Leute mit euch nicht warm werden. Ist das immer noch so?

Dixgård: Ich denke schon.

Wir erklärt ihr euch das?

Dixgård: Wenn wir das wüssten, dann wären wir richtig gute Geschäftsmänner. Aber wir sind nicht so gut im Analysieren von solchen Dingen. Ich verstehe beispielsweise auch nicht, warum wir in England nie ein Hitalbum hatten.

Ist das so? Ach deshalb erwähnt ihr Paul McCartney immer und überall, um das zu ändern?

Dixgård: Jajaja, er ist der Godfather, er ist perfekt.

Zweimal Paul McCartney in einem Interview. Ich glaube, wir stoppen hier.

Dixgård: Coffee, boys?

 

MANDO DIAO: „GOOD TIMES“, out 12.05. (BMG Rights)

LIVE: 25.08., Sound of Glarus; 26.08., Pilatus on the Rocks.

(Bilder: Pressefoto/privat)

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