„Mir freue üs uf euch!“

Spontan sein lohnt sich. Wenn du also an einem Montagmorgen vernimmst, dass gleichentags eine neue, coole Band aus Brighton zum Album-Release im Rough Trade Store auftritt, dann bewegst du dich abends gefälligst von West nach East London – ja, auch bei Eiseskälte. Habe ich gemacht. Und dann sogar noch Unterricht in Schweizerdeutsch gegeben. 

17:30 Uhr im Rough Trade Store in East London. Ich wühle mich durch das riesige Angebot an Vinyl, CDs und Kassetten aus aller Welt, wodurch meine Finger langsam wieder auftauen – das Beast from the East ist zurück in London. Die Halle der alten Truman Brauerei an der Brick Lane ist ein Mekka für Musikfans – Bühne für Live-Gigs und eine kleine Bar inklusive.

Rough Trade East: Old Truman Brewery, 91 Brick Lane, London. 1976 öffnete der erste Rough Trade Store in West London. Heute gibt es vier Läden in England und einen in New York.

Hier spielten schon Blur oder die Queens of the Stone Age. An diesem Montagabend kommt mit The Magic Gang eine Newcomer-Band aus Brighton zum Zug. Vor wenigen Tagen veröffentlichten Gus, Jack, Kris und Paeris ihr Debütalbum, das nun auf Vinyl und CD auch bei Rough Trade im Regal steht.Wer sich gleich eins kauft, darf am Konzert und der anschliessenden Signierstunde teilnehmen.

Ich kralle mir die Jungs aber schon vorher, gleich nach dem Soundcheck. Sehr sympathisch, höflich und gut gelaunt sind Jack (Vocals und Gitarre) und Paeris (Drums) sofort zu einem Schwatz bereit.

Am 11. April tretet ihr als Support für The Wombats im Plaza in Zürich auf. Wart ihr schon einmal in der Schweiz?

Jack: Nein, aber wir haben gehört, es soll sehr sauber sein.
Paeris: Und ihr habt eine starke Währung, das ist gut.

Für den Grossteil des Schweizer Publikums werdet ihr bei eurem Besuch eine Neuentdeckung sein. Welchen eurer Songs sollte man sich zum Einstieg anhören?

Jack: Da würde ich gleich den ersten Track des Albums empfehlen, „Oh, Saki“. Das ist eine schöne Einleitung. Die Energie im Song baut sich bis zum Ende hin auf, er ist sehr harmonisch und zudem singen wir darauf sogar alle vier.

Habt ihr einen persönlichen Lieblingssong auf dem Album?

Beide: Eindeutig „Caroline“. Das ist ein ganz neuer Song, der sich noch ganz frisch anfühlt und live grossen Spass macht.

„Saki“, „Caroline“, „Jasmine“, sind das alles Verflossene von euch?

Jack: Wir sind ein wandelndes Klischee. Nein, wir mögen einfach Songs mit Namen. Es ist doch toll, wenn sich dann zum Beispiel eine Jasmine angesprochen fühlt und quasi ihren eigenen Song hat.

The Magic Gang auf dem Cover ihres Debütalbums: Jack (hinten lins), Kris (hinten rechts), Gus (vorne links) und Paeris.

Liebe Jasmines und auch allen anderen zuhause, die The Magic Gang vielleicht sogar in Zürich sehen werden: extra für euch, habe ich den Jungs einen Satz auf Schweizerdeutsch beigebracht.

Mit grossen Augen haben sie mich angeschaut und unser signifikanter CH-Laut fiel ihnen besonders schwer. Aber sie haben sich grosse Mühe gegeben. Jack und Paeris beschäftigte die Aussprache übrigens auch nach dem Konzert noch, ihr Fazit: schier unmöglich.

Deshalb haben sie dann auch Bandkollege Gus (Bass und Vocals) vorgeschickt und der schlug sich wirklich gut. Aber seht selbst:

 

Kritiker loben die Band in den höchsten Tönen und halten sie für eine DER Neuentdeckungen. Ich schliesse mich dem Lob an. Live habe ich The Magic Gang als mitreissend, frisch, frech und trotz sprühender Jugend doch reif und professionell empfunden. Britpop, aber immer wieder auch mit ordentlich „Hau-drauf“ und Gitarre. Freudige, harmonische Melodien und lebensbejahende Texte bringen gute Laune und lassen einen wie von selbst mitwippen. Eine Prise Nostalgie (Beatles-Style) und etwas Weezer-Flair („Island In The Sun“ ist einer meiner Top-3-Lieblingssongs aller Zeiten), sind für mich die Streusel auf dem Kuchen.

THE MAGIC GANG: „The Magic Gang“, out (Yala! Records)

LIVE: 11.04. Plaza Zürich, Support von The Wombats (sold out)

(Fotos und Video: Melinda Bloch)

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