Mit Todd „Gopfedammi“ Kerns im Kerzeliecht

Ok, ich gebe es zu – auch nach Jahren als Musikjourni gibt es kaum etwas, das besser riecht als ein wenig Backstage-Luft. Vor allem, wenn diese noch ein bisschen Staub von Slashs Sneakers herumwirbelt und nach Kerzen und den frisch gewaschenen Haaren der Conspirators riecht.

„Weisch, hüt spielt de Gitarrischt vo Guns N’Roses do“ – sogar die Security am Backstage-Eingang der Zürcher Samsung-Hall flüstert andächtig über die Legende, die an diesem Tag die Schweiz beehrt. Und so wird auch eine unschuldige Musikjournalistin, die sich an den seit Stunden wartenden Fans vorbei geschlichen hat, von den Türbewachern kritisch beäugt. „Nei, i bi kei Groupie, i han en Termin do.“ Nämlich zum Interview mit einem Mitglied von Slash ft. Myles Kennedy & The Conspirators.

Mitten im emsigen Backstage-Treiben gelandet, ist auch hier der Ton militärisch, aber familiär. Im Production Office von Slash hat eine resolute Dame mit dekorativem Tattoo-Ärmel über den echten Körperzeichnungen die Zügel – oder auch das Telefon und den Terminplan – in der Hand. Man werde mich nach 12 Minuten mit einem Klopfen an das Auslaufen der Interviewzeit von 15 Minuten erinnern, werde ich instruiert, bevor ich in der Garderobe, wo Gitarrist Frank Sidoris auf sein Handy tippt und Drummer Brent Fitz mich mit einem lockeren „how are you?“ begrüsst, an ein Tischli mit Kerze gesetzt werde. Zwischen Stage-Klamotten und Sofas soll hier in lauschiger Atmosphäre mein kurzes Gespräch mit Todd Kerns stattfinden. Der tourt bereits seit einigen Jahren als ein Drittel der The Conspirators mit Slash um die Welt und war zugegebenermassen immer mein Favourite (wie meine beste Freundin nun sagen würde – gross, dünn und irgendwie kränklich blass – also genau mein Typ).

Der Realität aus dem Weg gehen

Gopfedammi, isch de heiss – das scheine nicht nur ich beim Anblick des gefühlt zwei Meter grossen Kanadiers mit dem Vampir-Teint und der beneidenswerten Wallemähne zu denken. Sein Spitzname, Todd „Dammit“ Kerns rühre in der Tat daher, dass sich „Todd Dammit“ auf „God Dammit“ reime – in seinen Punk-Tagen und bevor er von Kanada nach Las Vegas gezogen sei, ein cooler Spitzname, der ihm bis heute geblieben ist. „Viele Musikerkollegen sind überzeugt, dass ich wirklich so heisse“. Cool klingt es allemal – so cool, dass daraus sogar eine eigene Merchandise-Marke geworden ist. Die verkauft der Kanadier zwar nicht an den Konzerten mit Slash, er freut sich aber immer darüber, wenn er irgendwo auf der Welt seine T-Shirts in der Front-Row sehe. Bevor er vor einigen Jahre als ein Drittel der Conspirators Teil von Slashs Band wurde, sei er erst einmal als Musiker nach Europa gekommen.

Slash ft. Myles Kennedy & The Conspirators – eine eingeschworene Wolfsbande. (Bild: Warner)

„Mittlerweile bereisen wir regelmässig die ganze Welt“, was ihm übrigens auch helfe, die so genannte Realität mit normalen Tagesjobs und Verantwortlichkeiten so weit wie möglich zu vermeiden – „auch wenn es natürlich dazu gehört, als Erwachsener ein gewisses Mass an Verantwortung zu übernehmen“. Er lebe auf Tour mit Slash definitiv einen Traum und alles, was man sich als Musiker je wünschen könnte – „trotzdem sollte man nie aufhören, Ambitionen zu haben, dann hat man ein Problem.“

Das Rudel tourt in einem Bus 

Dieses Youtube-Video war zugegebenermassen etwas gefaket – „es war eigentlich mein Hotelzimmer und Myles hat nur gespielt“, aber die Stimmung unterwegs sei wirklich gut und man verbringe viel Zeit miteinander. „Wir touren alle im gleichen Bus, wo jeder seinen eigenen Bereich hat. „Die Conspirators-Ecke besteht vor allem aus einem Fernseher und Snacks“, lacht Todd, „Slash ist manchmal gern ein einsamer Wolf, geniesst es aber auch, Teil des Rudels zu sein. Auf Tour mit Guns N’Roses hat er einen eigenen Bus, aber mit uns ist es anders. Aber vor allem wir Conspirators, die alle in Las Vegas leben, hängen viel zusammen rum.“

„Wie, die kennen mich echt alle?“

Am liebsten würde Todd Kerns mindestens einmal im Jahr in Europa spielen. Mittlerweile habe er sich zwar daran gewöhnt, dass Menschen auf der ganzen Welt ihn kennen – aber es sei immer noch etwas Besonderes. „Ich meine, klar, alle kennen Slash und auch Myles – aber überall auf der Welt Menschen zu sehen, die dich kennen – das wir nie zur Gewohnheit.“

Und während ein sanftes Klopfen mir nach knapp zwölf Minuten ein Zeichen gibt, dass ich den Basser von Slash langsam mit meinen Fragen in Ruhe lassen und zum Ende kommen soll, kann ich gerade noch von Todd Dammit Kerns erfahren, dass er – entgegen dem Band-Namen „The Conspirators“ – überhaupt nicht an Verschwörungstheorien glaube. „Ich finde es etwas ermüdend und irgendwie auch nutzlos, an Verschwörungstheorien zu glauben. Ich lebe im jetzt und heute spielen wir hier in Zürich ein Konzert und morgen reisen wir nach Italien – das ist es, was zählt.“

Das obligate Beweisfoto darf ich mit Todd Dammit und Gitarrist Frank Sidoris – der sich aber erst seine girly Frisur richten muss – noch machen, bevor ich, an einem Tisch voller Haarföns vorbei, wieder aus dem Backstage geschleust werde.

Auf dem Weg nach draussen passiert dann übrigens noch einer der wenigen Momente, die sogar eine gestandene Musikjournalistin nach Luft schnappen lassen – Slash biegt um die Ecke und zwinkert mir über seine Signatur-Sonnenbrille kurz zu, während ich ehrfürchtig zur Seite hopse, um der Legende den Weg frei zu machen. Ich meine, es ist Slash! Da springt man einfach aus dem Weg. Oder mit gezückter Handy-Kamera in den Weg.

Aber so bin ich dann also nicht. Ich hab ja schon das Foto mit Todd Gopfedammi und Frank Girly-Hair.

Rockette ft. The Conspirators 

 

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