Kahler Kopf und sehr viel Jazz

Ein aktives Sozialleben führen oder lieber für Rockette schreiben? Ein Gespräch mit der libanesischem Modemacherin Lara Khoury – über Mode und ja…

… schon klar, bei Rockette geht es zuallererst um Musik. Und dazu kommen wir auch gleich, in a Beirut minute. Doch erst soll die schöne Frau vorgestellt werden, die mit mir über Musik gesprochen hat.

Lara Khoury ist Libanons bekannteste junge Modemacherin. Ihre Kreationen haben häufig scharfe geometrische Formen, für die sie sich durch japanisches Design hat inspirieren lassen. Laras Markenzeichen sind ihre kurzen Haare. Früher hielt man sie deswegen für krank.

Für viele Männer sind ja Kleider so eine Sache. Viele laufen schneller zum Laden hinaus als sie hingekommen sind, mit dem erstbesten Stück im Plastiksack, das einigermassen gepasst hat. Aber wieso soll man eigentlich gut aussehen und schöne Kleider tragen? Weil Mode das ultimative Werkzeug ist, um zu zeigen, wer man ist, sagt mir Lara Khoury via Skype. Wie man sich kleidet, wie man ausschaut, so wird man wahrgenommen. In der libanesischen Gesellschaft ist dein „Image“ die wichtigste Form von Kapital.

Lara Khoury entwirft auch Herrenanzüge. Ob ich mich wohl als ihr idealer männlicher Kunde qualifizieren würde? Die Hoffnung schwindet so rasch wie der Gedanke gekommen war. Laras idealer männlicher Kunde ist metrosexuell und hat ein aktives Sozialleben. Ich schreibe in meiner Freizeit für Rockette.

Genug abgeschweift, genug der Larmoyanz. We want music! Ja, ja, ist ja gut: Hier kommt das Interview mit Lara Khoury.

Was hört Lara Khoury bei der Arbeit, zuhause oder im endlosen Stau von Beirut?

Ich bin ein Jazzfreak. Diese Musik begleitet mich bei der Arbeit, lässt mich am Wochenende chillen oder den crazy Verkehr von Beirut aushalten.

Gibt es libanesischen Jazz?

Im Moment habe ich eine Obsession für Ibrahim Maalouf, den libanesischen Trompeter, der in Frankreich lebt.

Sein „Beirut“ ist auch eines meiner Lieblingsstücke. Es gibt nicht viele Songs, die die Essenz von Beirut besser einfangen, das Weiche und das Harte.

Von Lara Khoury erwarte ich aber auch noch etwas avantgardistisches.

Wie wäre es mit dem britischen Saxophonisten John Surman? Sein „Edges of Illusion“ von 1979 läuft bei mir seit Tagen auf Repeat. Eine wunderbar atmosphärische Soloaufnahme mit Overdubs.

Beirut ist auch eine Partystadt. Mir kommt das immer wie das Tanzen auf dem Vulkan vor. Was hören Sie im Ausgang?

Meine Party geht am besten mit House oder Funk ab. Diese Musik macht mich glücklich und bringt mich an schöne Orte.

Beispiele?

Ich mag „Get Innocuous“ von LCD Soundsystem.

Und für ruhigere Zeiten?

Da könnte „Beautiful Blue Sky“ von Ought passen. So ruhig ist das dann aber auch nicht.

Welche Musik eignet sich am besten für eine Lara-Khoury-Modeshow? Für den Catwalk?

Für den Catwalk braucht es Musik mit einem gewissen Beat, damit die Models einen Rhythmus haben, wenn sie laufen. Ich denke, auch dafür wäre House wieder ideal.

Können wir eine Modekollektion mit einem Kunstwerk vergleichen?

Ich denke, Mode und Kunst sind zwei verschiedene paar Schuhe. Mode muss getragen werden, Kunst nicht. Kann man Kleider nicht tragen, dann sind sie zu viel Kunst. Die grossen Marken machen es vor: Auf dem Laufsteg werben sie mit extravaganten Kunststücken, aber in den Shops ist dann alles sehr tragbar.

Schönheit im Libanon heisst lange Haare, grosse Brüste, grosser Arsch, alles kurvig. Für Sie auch?

Haha. Sicher nicht. Schauen Sie mich an.

www.larakhoury.com

 

GUESTLIST: Kurt Werren lebt in Bern, der Libanon ist seine zweite Heimat. Er hat hat ein Flair für fruchtbare Begegnungen und ein Näschen für spannende Frauen und gute Musik.

 

 

 

(Bild: zvg)

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