Souvenirs: Muse

Ihr hegt schöne Erinnerungen an Konzerte und Musikerbegegnungen in eurer Jugend? Wir eben auch. Deshalb fangen wir hier eine Serie an, in der wir so Zeugs endlich mal irgendwo in diesem Internet festschreiben. Welches sind eure Lieblingserinnerungen? Die doofsten Selfies, als es das Wort noch nicht gab? War jemand von euch wirklich am Nirvana-Konzert im Fri-Son? Wir veröffentlichen eure Blufferstücke gern namentlich mit eurem Kommentar oder auch anonym. Mailt sie uns! Dann sieht endlich mal jemand, wie cool wir alle schon als Teenager waren (äh, nicht).

  1. Eine solche Rubrik ist natürlich die Wahlheimat all jener Klugscheisser, für die man mal einen treffenden Namen erfinden sollte: jene Leute, die immer jede Band schon gut gefunden haben wollen, als sie noch keine Sau kannte. Ich gehöre offiziell dazu, ja ich bin die Königin dieses Landes. Muse habe ich nämlich schon vor 16 Jahren gesehen. Zuerst am Paleo, im Jahr 2000 war das, auf irgend einer kleinen Nebenbühne, jesses, da war ich 18! Dann 2001 am ominösen Festival SoundArena in Wohlen AG (Beweisfoto unten). Und schliesslich im gleichen Jahr noch einmal im Fri-Son, damals noch mit JJ72. Heute können sie mir sehr gern gestohlen bleiben und von mir aus in den Stadien der Hölle auftreten. Zusammen mit U2. Und Coldplay (das wäre auch noch so eine Geschichte, damals im Hallenstadion… aber stattdessen hier nur der unwahrscheinlich steife Konzertbericht aus der NZZ, in dem das Wort epigonal nicht fehlen darf. Oh, Musikberichterstattung!). (Sarah)
    muse sarah
  2. Ich liebe Muse. Deshalb gehe ich nicht mehr an Muse-Konzerte. Aber früher … Allerdings: Im Fri-Son war ich also nicht. Obwohl ich das gerne behaupten würde. Obwohl ich damals 50 Meter vom Fri-Son entfernt wohnte. Obwohl meine Hauptbeschäftigung Im-Fri-Son-Abhängen war. Keine Ahnung, wo ich also damals hing, wahrscheinlich an der Uni, haha. Anyway. Aber ich war in Avenches (2002). Heaven. Ich möchte nicht darüber reden, es könnte was kaputt gehen. Und in Locarno. Auch dazu gäbe es eine Geschichte, aber die ist laaaangweilig!  FullSizeRender (1)
  3. Nicht aber diese hier, ich hab sie auch allen erzählt, war mir egal, ob man sie hören wollte oder nicht. Und ihr müsst jetzt auch lesen, hihi! FullSizeRender (3)Ausgerüstet mit Hammerfragen (uahahaha. Sind Sie nervös? Was ist das für eine beschissene Frage?) irrte ich 2010 vor dem Konzert in den Katakomben des Stade de Suisse herum. Eigentlich sollte ich mit Dom Howard reden, dem Drummer. Doch dann steht plötzlich Matt vor mir. M.A.T.T.H.E.W.  B.E.L.L.A.M.Y! Ich so: Hhh… hi! Er: Hi. Beugt sich zu mir und gibt mir zwei Küsschen. Ich erstarre. Und will dann mitmachen bei der Knutscherei, und hole Schwung für ein drittes, nur leider hat Matt schon aufgehört zu küssen. Dann sagt er: „Ah ja“, und gibt mir noch einmal Küsschen, drei dieses Mal, links, rechts, links. „So macht ihr das in Switzerland, right!“ Ich so: „… …“ Und dann war er weg. Irgendwann fand ich dann meine Sprache wieder. Und den Raum, in dem Dominic sass, mit dem ich dann noch ein lasches Interview führte. Er hat sich gelangweilt, ich hab mich gelangweilt, kein Wunder, bei diesen Fragen, und trotzdem gab er mir netterweise eine Unterschrift (glaube ich jedenfalls. Vielleicht wars auch jemand anders. Nicht Matt Bellamy though). FullSizeRender (2)Das Konzert fand ich Scheisse. Zu pompös. Es war mein letztes von Muse. Ich hoffe, das bleibt so. Ich will sie nie mehr sehen, also in concert, weil eben: Ich liebe Muse. Aber ich möchte sie nicht new born erleben müssen. (Nina)
  4. Aso, ich bin sozusagen ein Muse-Spätzünder. Als die alle hip und super und sowieso fanden, erreichte mich genau ein Lied, Hysteria, das ich ufeundabeglost habe. Das wars aber auch schon. Sonst gingen sie mir ehrlich und wirklich am Arsch vorbei. So war mein erstes Konzert eben das 2013 im Stade de Suisse in Bern, und ich fands so was von übertrieben aufgeblasen, dass ich mir schwor: einmal und nie wieder. Schliesslich sollen Rockbands Musik machen und nicht mit Luftballons und Konfettis schmeissen, sei es AC/DC, U2 oder eben Muse. Aber dann spielten sie letztes Jahr in meiner Hometown Biel, das war als Anlass an sich schon was Besonderes und ich ging für die schreibende Zunft dann trotz meiner Vorsätze hin (Mein Begeisterungsfeuerwerk könnte man im Bieler Tagblatt nachlesen, wenn man denn dafür zahlen wollte). Item, in den Rängen lernt man dann andere Journis kennen, der Herr vom Bund schnorrte bei mir Zigis, und Miriam traf ich im viel zu beengten Pressebus. Die ultracoolen Pressemenschen von Monster (Bart! Tattoos! Sonnenbrillen!) wiesen uns nett aber sehr bestimmt darauf hin, dass wir doch die Schuhe ausziehen sollen. Drinnen dann ein Paradies für Jungs, Gamekonsolen all over … und für die hart arbeitenden Journis die rettende Kilmaanlage. Miriam und ich sind uns einig, Sonisphere war einfach grandios, besser gehts nicht. Dennoch ging ich letzten Donnerstag ins Hallenstadion (ich habe mich dort köstlich amüsiert!) und sehe mir dann auch noch die Show in Montreux an. Stay tuned. (Dominique)
  5. Ich bin auch so eine, die ihr erstes Muse-Konzert 2001 an den Winterthurer Musikfestwochen (ich glaube, wir sind damals wegen den Stone Temple Pilots warum hab ich von denen eigentlich nur noch eine Hülle und keine CD mehr? hingegangen) bei jeder Gelegenheit prahlerisch erwähnt. Dabei war der Abend gar nicht so lustig, weil mein damaliger Freund vor Ort einen Anruf einer Kollegin erhielt, die fragte, ob er grad zufällig in Biel sei und Zeit für Sex habe. Gut. Immerhin bleibt mir der Abend so für immer in Erinnerung – Beweisfoto oder Ticket hab ich nämlich nicht. Seither habe ich so etwas wie einen Zwang entwickelt, jedes Schweizer Muse-Konzert sehen zu müssen. Entsprechend war auch ich in Avenches. Die oben erwähnte Anruferin übrigens auch. Die stand total auf Bellamy und man erzählt sich, sie habe danach mit ihm geknutscht. Also ohne Witz jetzt, ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob es stimmt. Ich hätte sie fragen können, letztes Jahr am Sonisphere in Biel, als ich ihr erneut begegnete. Aber damals war ich zu gefesselt von diesem überraschend reduzierten Auftritt, der mich, autsch, an Winterthur erinnerte. Ich finde Muse imfall bis heute grandios. Sie sind mir nie nie nie verleidet, nie zu pompös geworden. Die Show ja, diese Trapezkünstlerin im Stade de Suisse fand ich dann doch auch ein bisschen over the top. Seit dem Album „Resistance“ gefällt mir auch nicht mehr ganz jeder Song, im Gegensatz zu vorher. „Feeling Good“ ist ja so ein ewiges Highlight. Am Konzert in Bern stand ein Typ neben mir und meiner Begleiterin, der bei dem Song „hät müse brüele“. (Miriam)

 

(Bilder: Muse 2003 in einem französischen Weinberg: Pressebild, Rest: Rockette-Fundus)

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