Music is Life – Bad Wolves Edition

It’s a long way to the top… – es gibt aber auch heute noch Beispiele für Karrieren über Nacht. Wenn sich eine Gruppe gestandener Musiker zu einer Band formatiert und mit dem Hard-Rock-Cover eines Welthits global die Charts stürmen etwa. Wie die Bad Wolves, die letzte Woche als Opener von Three Days Grace auch Zürich begeisterten – und dem Main Act energetisch fast ein wenig die Show stahlen. 

Ein etwas bierseliger aber äusserst sympatischer Drummer erinnerte mich kürzlich besonders eindringlich dran: „Music is Life“. Nun leben wir Rocketten dieses Motto ja jeden einzelnen Tag, aber insbesondere meine vergangene Woche war ein gutes Beispiel dafür, das Musik so vieles ist: Sie ist Energizer, Motivator, Seelenklempner, Aggressions-Therapeut, Wachmacher, Freundschaftsstifter…

Gefühlt schon etwas kränklich (die Erkältung liess sich noch eine Woche Zeit, bis sie wirklich ausbrach und mich in ein Sniffle-Monster verwandelte) und eigentlich zu müde, um überhaupt in den Zug nach Zürich zu steigen, besuchte ich letzte Woche das Konzert der Bad Wolves. Nicht viele Gründe hätten mich an diesem Tag dazu gebracht, ein volles Xtra dem leeren heimischen Sofa vorzuziehen. Der Main Act war ja eigentlich Three Days Grace, die irgendwie keiner richtig aber doch jeder irgendwie zu kennen scheint. Für mich war das eigentliche Highlight des Abends und der Grund, mich doch in meine Lederkluft zu schmeissen, aber der Opener Bad Wolves.

Seit ich zum ersten Mal im Rock-Radio während einer langen Autofahrt deren Cover von Zombie gehört hatte, war ich – gelinde gesagt- besessen vom ersten Album der Band („Disobey“) aus Los Angeles. Die an Disturbed oder Five Finger Death Punch erinnernde Stimme von Frontmann Tommy Vext streichelt, schüttelt und bewegt den Zuhörer mit einer derart unfassbaren Intensität, dass sie einem kaum mehr aus den Ohren geht. In Kombination mit modernen, massentauglichen Metal-Riffs, mitsingbaren Refrains und viel Druck der Drums fällt es einfach schwer, bei Songs wie „Learn to Live“ oder „Better the Devil“ nicht den Kopf in die Luft zu werfen und ein bisschen auszurasten. Im Fahrwasser ihrer Kollegen von Five Finger Death Punch – deren Mastermind Zoltán Báthory auch das Management der LA-Band übernommen hat – reussieren die Bad Wolves genau mit der richtigen Schnittmenge aus Hard-Rock, Metal und Kommerzialität.

Ausrasten erwünscht

Nicht erst, als die Bad Wolves die Xtra-Audience dazu aufforderten, allen Ärger und alle Aggressionen einfach mal im Moshpit rauszulassen, wurde mitgeschrien und geheadbangt was das Zeug hielt. Stimmlich schon etwas von der andauernden Tour gezeichnet, aber nicht minder eindringlich, sorgte die Metal-Supergroup (alle Mitglieder waren schon vor der Gründung ihrer jetzigen Band in mehr oder weniger bekannten Formationen unterwegs) dafür, dass sogar ich meine Müdigkeit vergass und meinen farbigen Schopf schüttelte – eben, Music is Life.


Natürlich kommt man bei dieser Band aber nicht darum herum, ihren unfassbaren weltweiten Erfolg im ersten Jahr nach der Gründung mit  einem traurigen Ereignis in Zusammenhang zu stellen. Ihr Cover des Welthis „Zombie“ der The Cranberries sorgte nicht nur dafür, dass eine ganz neue Generation das berühmte „Zombie, Zombie, Zombie – eh – eh – eh“ weltweit in die Welt hinaus schreit, es wurde auch zur Trauerhymne um die Cranberrys-Sängerin Dolores O’Riordan, der die Bad Wolves auch an dem Abend im Xtra inbrünstig und mit einigen Tränen in den Augen gedachten.

Tragierscherweise hätte die Sängerin genau an dem Tag einen Part für die Neuauflage ihres Hits einsingen sollen, als sie verstarb. Ein unglücklicher Zufall, dem die Bad Wolves auch damit gedenken, dass die Erlöse ihres Covers an die Familie der Sängerin gehen.


„Zombie“ war dann auch aus vielen Gründen ein emotionales Highlight des Abends, dass einen schaudern liess.

Ein Stück „Züri“ unter der Haut

An Zürich erinnern Sänger Tommy Vext übrigens mittlerweile zwei Tattoos. Schon im vergangenen Jahr besuchte er mit seinem Five-Finger-Death-Punch-Kumpel Jeremy Spencer das hiesige Studio True Body Art. „Dieses Jahr hat sich Tommy wieder bei uns gemeldet, als sie in Zürich gespielt haben“, so Tattoo-Artist Keff. Der muskulöse Leadsänger hat sich daraufhin mit einem weiteren Motiv im Zürcher Studio verzieren lassen (bei Helge) und das Team gleich zum Konzert am Abend eingeladen.

Das True Body Art-Team (Keff, Helge, Sandy) mit Tommy (Bild: Keff)

Die Live-Bilder des Gigs wurden uns von Andy Brunner zur Verfügung gestellt und sind bereits bei den Kollegen von Negative White erschienen.
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