Musik ist grosses Kino ist Musik

Als ich im Herbst 2015 in meinem richtigen Job das Debütalbum „Swing for the Nation“ von Rio Wolta kurzbesprach, schrieb ich, die Macher romantisch angehauchter US-Serien würden sich ganz besonders freuen. Über diese wunderschönen Songs, die so gut in ihr Schema passen: erst mal cozy werden, zu einer Stimme so angenehm und beruhigend wie ein knisterndes Chemineefeuer, dann ein bisschen mehr Gitarre, Volumen allgemein, um Temperatur und Spannung steigen zu lassen bis die Gefühle überkochen. In Serien funktioniert das bestens im Zusammenhang mit dem über ein Dutzend Folgen herausgestüdelten Kuss.

Heute schäme ich mich ehrlich gesagt ein bisschen für diesen Vergleich. Typisch Kitschopfer. Regisseur Piet Baumgartner muss sich krumm gelacht haben, als er das las – machte er sich zum Song „Through My Street“ doch um Klassen kultiviertere Gedanken. Wenn auch romantische, das kann man nicht wegschlecken. Steckt sein zauberhafter Bagger-Clip, der wenig überraschend Preise am International Music Video Festival in Paris und dem Sehnsüchte Festival Babelsberg gewann, und am m4music-Festival zum Best Swiss Video Clip 2016 gekührt wurde, doch in jeder erdenklichen Hinsicht voller Liebe.

Seit einigen Tagen ist ein neues Wolta-Baumgartner-Wunderwerk im Umlauf: Eine Rhönrad-Kür zu „Shotgun“. Wieder zeigt der Berner Regisseur anhand einer Randsportart (um Baggerballett jetzt auch mal dieser Kategorie zuzuordnen), wie perfekt Rio Woltas Sound mit kreisenden Bewegungen einher geht.

Dabei dreht Piet Baumgartner ja eigentlich ganz andere Filme in seinem Leben. Gerade ist er mit dem Kurzfilm „Inland“ erfolgreich unterwegs und er arbeitet an einem Kinofilm und einer Dokumentation. In einem Gespräch, das ich mal für einen hier veröffentlichten Artikel mit ihm führte, sprach er im Zusammenhang mit seinen Musikclips von Leidenschaft. Davon, dass ihn diese Arbeit zwar nicht reich mache, ihm aber das höchste Mass an kreativem Freiraum biete und deshalb so viel Freude bereite (wem sagt er das).

Bemerkenswert ist ja, dass alle Baumgartner-Videos auf irgendeine Weise miteinander verbunden sind. So stammt die Musik mehrmals von Rio Wolta – einmal („Hailey Fought the Law“) von dessen alter Band Blanket. Manchmal sind übergrosse Plüschtiere oder der Schauspieler Andreas Storm das verbindende Element.

Storm und Fell haben im Clip zu „Igloo II“ der Zürcher Band Asleep einen gemeinsamen Auftritt. Im, ich fühl mich so frei, das so gnadenlos subjektiv zu schreiben, allerschönsten Musikvideo der Welt – mit der emotionalen Wucht aller Season Finales romantisch angehauchter US-Serien zusammen (wenn es natürlich auch wieder viiiiiel kultivierter ist).

RIO WOLTA: „SWING FOR THE NATION“, Out (Irascible)

(Bild: Facebook)

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