Nachschub fürs „Meine Männer“-Fach

Man denkt es immer nicht, doch in meinem CD-Regal herrscht Ordnung. Die Musik ist nach persönlichen Lebensphasen sortiert – und es gibt das Fach „Meine Männer“. Darin sind ab heute zwei neue Alben zu finden: „Gargoyle“ von Mark Lanegan und „Rock N Roll Consciousness“ von Thurston Moore. 

Thursten Moore ist neu in diesem Abteil der Langzeitbesten. Nachdem ich „Girl In A Band“, die super Autobiografie seiner von ihm betrogenen Ex-Frau und Sonic Youth-Kollegin Kim Gordon, gelesen hatte, war er ein bisschen untendurch. Aber mit einer Gitarre hat man sich bei mir schon über schmutzigere Schandtaten hinwegschrammeln können. Und ihr solltet euch wirklich UN.BE.DINGT anhören, womit (die) Moore heute auffährt.  Mit einem Album, also fünf Songs, wovon zwei länger als zehn ekstatische Minuten dauern. Und immer, wenn die Momente gerade so schön liebliche Züge annehmen, nietet Moore sie mit der Wucht einer Abrissbirne nieder, singen tut er dazu kaum. Bei solchem Sound geht dann verbal auch bei mir nichts mehr, da setz ich mich einfach schnellstmöglich irgendwo hin und denk mir mein Gopfertami. Gopfertami, hat der Typ seine Kunst im Griff. Ich erwarte von Thurston Moore per sofort kein schlechtes Gewissen mehr – „Rock N Roll Consciousness“ it is.

THURSTON MOORE: „ROCK N ROLL CONSCIOUSNESS“, out (Caroline Music)
Thurston Moore Group live: 28.06., Bogen F, Zürich

Mark Lanegan gehört schon seit einiger Zeit zu meinem illustren Männergrüppli. Wenn man die anderen vier Langzeitgefährten betrachtet, ist relativ schnell klar, warum. Ich habe eine Schwäche für Stimmen, die sich mindesten vier Oktaven unter dem Niveau eines starken Raucherhustens bewegen. (Nick Cave und Hugo Race erfüllen diese Kriterien, Joe Volk und Adrian Weyermann haben sich aus anderen Gründen qualifiziert). Und Mark Lanegan, der für sein neustes Rockalbum mit Musikern wie Freund und Ex-Queens-of-the-Stone-Age-Kollege Josh Homme, Greg Dulli oder Duke Garwood (die zu youtuben lohnt sich!) zusammengearbeitet hat, beglückt mich zu allem hin auch noch mit der Sorte Musik, die sich anfühlt, als würde man dich kopfüber durch ein Sumpfgebiet ziehen. Da stecken so viel Eigensinn, Kraft und Intensität drin, dass es dich, also mich, plättet. Wobei Mark Lanegan „Gargoyle“ ja für sein leichtfüssigstes Album hält. Für completely anti-anything I’ve done before.

MARK LANEGAN: „GARGOYLE“, out (Heavenly Recordings)

(Bild: Facebook/Thurston Moore Group)

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