„Natürlich! Gurten, das wird ein Heimspiel!“

Steff la Cheffe erzählt im Interview von grossen Gefühlen, Massenpanik und dem Sandwichstand ihrer Mutter am Gurtenfestival.

Nicht nur Rockette geht auf den Gurten. Steff la Cheffe spielt am Mittwoch auf der Waldbühne eines der ersten Festivalkonzerte ihrer Tour. Deshalb wollen wir sie nicht länger ignorieren. Wir haben sie gefragt, ob sie nervös ist, auf welche anderen Acts sie sich besonders freut, worauf sie bei Liveauftritten Wert legt und was ihr bisher krassestes Gurtenerlebnis war.

Rockette: Freust du dich, am Gurtenfestival aufzutreten?

Steff la Cheffe: Ja sehr. Sehr! Das wird ein Highlight dieses Jahres.

Du spielst dieses Mal zum dritten Mal auf dem Gurten. 2010 und 2013 bist du schon mal aufgetreten.

Ja genau.

Was ist jetzt anders für dich?

Die beiden Male waren relativ nahe beieinander. Seither ist schon etwas Zeit vergangen, und viel Wasser die Aare runter geflossen. Die Band ist zwar plus ou moins die gleiche aber die Waldbühne ist nicht mehr dort, wo sie damals war. Ich bin gespannt, wie das wird. Zudem bin ich fünf Jahre älter. Ich bin ruhiger als 2013. Ich weiss auch nicht warum. Schon an der Plattentaufe war ich nicht so nervös. Das hat mich selbst überrascht.

Im Mai hast du dein neues Album „Herz Schritt Macherin“ getauft. Danach hast du in Clubs gespielt. Auf dem Gurten trittst du vor einem Festivalpublikum auf, das nicht explizit für dich kommt. Bist du deshalb nicht aufgeregter?

Festivals sind immer eine Herausforderung. Du hast keinen geschlossenen Raum und die Energie geht in alle Richtungen. Es braucht einen Megaeffort, bis man die Leute hat. Aber wenn man sie hat, ist es dafür umso krasser.

Kommt es dir auf dem Gurten entgegen, dass es das Festival deiner Stadt ist?

Eehhh… natürlich! Heimspiel! Schon das letzte Mal, als wir auf dem Gurten gespielt haben, war es das Highlight der ganzen Tour. Wir hatten alle uhuere Fröid. Damals war die Waldbühne noch am Stutz. Wenn die Leute die Hände hochnehmen oder Feuerzeuge in die Luft halten, ist das von der Bühne aus sehr eindrücklich.

Dieses Jahr spielst du am Mittwoch um 00.30 auf der Waldbühne. Bist du mit diesem Slot zufrieden?

Hey, das ist der perfekte Slot. Es ist der erste Abend, aber ich bin der letzte Act. Die Leute sind also noch frisch aber schon aufgewärmt und locker. Ich bin sehr zufrieden mit dem Slot. Merci!

Würdest du gern mal auf Hauptbühne spielen?

Du ja, das numti mit Handkuss.

Worauf achtest du bei deinen Liveauftritten?

Ich möchte mich von einer Entwicklung, die gerade im Hip-Hop im Gang ist etwas abheben: Ich war letzthin am Openair Frauenfeld. Es hat mich strub gedünkt, wie viele Acts fast alles ab Band laufen lassen, sogar die Stimmen. Sie sind auf der Bühne und machen Party und murmeln hin und wieder was ins Mik, aber eigentlich kommt alles ab Band. Die jungen Leute sind durchgedreht und fanden es das Geilste. Und ich dachte: „Ja aber man, als ich jung war und als ich mit Hip-Hop angefangen habe, hast du irgendwie Skills gebraucht. Du musstest live gut rappen können, sonst warst du draussen.“ Das ist so eine Entwicklung, die ich nicht ganz verstehe oder fühle. Ich will auch, dass mein Zeug fett tönt, deshalb haben wir eine Riesenband, mit Background-Sängerinnen und -Sänger. Man muss die Bühne ja füllen können. Aber ich finde, wenn man schon live geht, soll das Zeug auch von den Menschen gespielt werden.

Worauf freut es dich neben deinem Auftritt?

Ich freue mich auf ein paar Konzerte. Aber Ich habe das Gefühl, langsam zu alt für Festivals zu sein.

Sag das nicht!

Haha, nenei. Ich war allgemein noch nie so mega, mega festivaltauglich. Mir wird es schnell mal zu viel. Bei mir ist der Speicher nach zwei bis drei Konzerten am Tag voll. Ich muss mir also ein bisschen rauspicken, was ich sehen will. Wir bekommen ja meist Viertagespässe, ich kann also schon noch ein paar Acts schauen gehen.

Welche gehst du schauen?

Wart schnell, ich muss mal noch schnell das Programm ansehen. So. Hier. Es scheinen mir mehr urbane Acts zu spielen als in den letzten zwanzig Jahren. Das gefällt mir grundsätzlich.

Ah, und Damian Marley, den habe ich schon Mal gesehen, am Festi’neuch. Der ist super. Gorillaz wären auch interessant. Das ist ja wie eine erfundene Band, es ist dann spannend, zu sehen, was sie für eine Liveshow machen. Oh Jacob Banks, der macht glaubs Soul, oder? Den finde ich super. Prophets Of Rage, würden mich interessieren. Sofi Tukker, die fägt, die isch cool. Und Pablo Nouvelle finde ich auch super. KT Gorique wäre was und natürlich Churchhill! Ah, und 11ä spielt?! Cool! Sie war meine Vorgruppe an der Plattentaufe. Ah ja, und mal wieder Noti Wümié ga luege, cha o nid schade. Dann Troubas Kater, die habe ich auch noch nie live gesehen. Das nähme mich auch Wunder. Und Kontra K. Das ist auch ein Rapper. Dem könnte man auch mal eine Chance geben.

Ja. Öppä so.

 

Gingst du früher, noch bevor du selbst Musik gemacht hast, ans Gurtenfestival?

Ja. Auf dem Gurten sah ich meine ersten Konzerte. Als ich etwa zwölf war, ging ich mit meiner Mutter nach oben. Sie liess mich springen und wir haben uns später wieder getroffen. An zwei Konzerte kann ich mich noch besonders erinnern: Das eine war von den Fanta Vier. Sie haben am Nachmittag auf der Hauptbühne gespielt. Plötzlich wurde es komisch. Ich stand etwa in der Mitte und plötzlich haben alle Leute nach vorne gedrückt. Es hat mich richtig nach vorn gespült. Die Leute hatten vorne huere Platzangst. Eine Frau hat zu mir gesag: „Hesch o so Angst?“ Und ein erwachsener Mann hat sich von hinten an meinen Schultern hochgezogen. Und ich meine, ich war ein zwölfjähriges Mädchen! Einer von der Security hat das beobachtet und fragte, ob ich raus will. Ich habe schnell überlegt und ja gesagt, weil man vom Konzert eh nichts mehr mitbekommen hat. Es herrschte nur noch Hysterie und Platzangst. Das ist mir ziemlich eingefahren.

Und welches war das andere Konzert?

Das war später. Am gleichen Wochenende, wenn ich mich richtig erinnere. Es war schon dunkel und Erykah Badu spielte auf der Hauptbühne. Das war sehr schön.

Und danach, warst du oft auf dem Gurten?

Ja, auch sonst ging ich immer wieder Konzerte schauen. Ich war nicht jedes Jahr oben aber doch immer wieder. Mein älterer Bruder ist so ein hardcore Gurtengänger. Er geht immer mit seinen Freunden an den gleichen Ort. Das ist noch gäbig, weil ich immer weiss, dort sind Leute, die ich kenne. Meine Mutter hat auch gerade erzählt, dass sie schon ganz am Anfang, als das Festival noch so ein Hippiefestival war, auf den Gurten ging. Sie hat damals einen Sandwichstand aufgezogen und ist völlig überrannt worden. Sie ist dann 40 Jahre lang immer gegangen. Dieses Jahr hat sie aber gesagt, jetzt lasse sie’s sein

Kannst du dich sonst noch an ein Highlight auf dem Gurten erinnern?

Skunk Anasie habe ich mal gesehen auf der Hauptbühne, ich finde die Leadsängerin wahnsinnig. Was sie für eine Bühnenpräsenz hat und was für eine Performance sie mach! Sie haben ihren Hit „Hedonism“ gespielt und der ganze Gurten hat mitgesungen. Plötzlich ging sie ins Publikum. Aber statt Stagediving zu machen, also liegend, ist sie wie ein Jesus einfach über die Leute gelaufen. Das war ziemlich beeindrucken.

Jahre später habe ich sie einmal gesehen. Ich war irgendwo Backstage und sie hat mich gefragt, wie die Kaffeemaschine funktioniert

Andere Highlights waren auch die Berner Bands. Züri West, Patent Ochsner oder Lo & Leduc.

 

 

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