„Ohne Puts Marie würde mir viel verloren gehen“

Puts Marie haben mit „Catching Bad Temper“ einen Schatz von einem Album veröffentlicht. Aus Angst, zu abgedroschene Fragen dazu zu stellen, habe ich es mit Drummer Nick Porsche von A bis Z durchgehört – was Spannendes hervorbrachte.

Zum Beispiel: „Love Boat“, Nummer sechs von sieben, ist einer der ältesten Puts-Marie-Songs überhaupt. Damals, auf der ersten Platte hiess er allerdings noch „Kinski“ und klang mit Saxofon und „dem Staubsaugersolo eines Kollegen“

Vordere Reihe rechts: Nick Porsche.

noch ein bisschen anders. Aufzutreiben sei die alte Version wohl kaum mehr, sagt Nick Porsche. (Das müsste wohl „Musique Chinoise“ aus dem Jahr 2001 gewesen sein – ich habe leider vergessen, zu fragen.)

 

Es passiert nicht oft, dass die Bieler Band „altes Zeug füregrüblet“. Doch auch der Opener „Catalan Heat“, der schon im Juni als Single veröffentlicht worden ist, hat eine längere Geschichte. „Den habe ich vor rund zehn Jahren in meiner Stube als Trash-Demo aufgenommen, mit Kontrabass und Klavier“, erzählt der Schlagzeuger. „Wir haben den Song stetig weiterentwickelt und jetzt endgültig zum Leben erweckt.“

So funktioniert das bei Puts Marie, so entstehen ihre Songs. In ausgiebigen, gemeinsamen Prozessen (davon erzählt Frontmann und Texter Max Usata übrigens auch in diesem sehenswerten Interview auf RTS). Da die fünfköpfige Band (Sirup Gagavil, Gitarre, Beni 06, Synth, Igor Stepniewski, Bass) sehr viele Referenzen hat, gehe es dabei vor allem auch darum, die verschiedenen Geschmäcker zusammenzubringen. Bei „Catching Bad Temper“ hat der Hip Hop sehr stark durchgedrückt. „Von Anfang an haben wir ihn als Leitfaden genommen“, sagte Porsche. Er kann aber nicht ausschliessen, dass die nächste eine Hardrock- oder Doom-Metal-Platte und die übernächste „voll Pop“ ist.

Beim zweiten Song „C’Mon“ habe ich Nick Porsche gefragt, was Puts Marie ohne die markante Stimme von Max Usara wären, und er ohne Puts Marie. Die Musik, so der Drummer, wäre „nicht gross anders“. Die Band sei schon unverkennbar gewesen, bevor Usara ungefähr vier Jahre nach der Gründung dazu kam. „Aber es ist natürlich wahnsinnig, was wir mit ihm für eine Wucht und Präsenz haben.“ Und er ohne die Band: unvorstellbar. Da sei dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, das die Musiker inzwischen miteinander verbinde. „Wir sind eine Familie, wir haben eine Geschichte“, keiner will, dass ein anderer fehlt. Vieles sei so intensiv gewesen. „Wir haben zwei bis drei Jahre 24 Stunden am Tag zusammengelebt, das können hierzulande wenige Bands von sich behaupten.“ Das war, als Puts Marie vor plusminus 14 Jahren mit einem Wohnmobil durch Europa tingelten, Strassenmusiker waren. „Ohne Puts Marie würde mir viel verloren gehen“.

Und dann ist da die Stadt Biel, die ohne Puts Marie ebenfalls nicht mehr die gleiche wäre. „Ich glaube nicht, dass wir, wenn wir aus Bern, Aarau oder Solothurn kämen, so hätten gedeihen können wie in Biel“, sagt Nick Porsche, der selber immer noch gerne dort lebt, während andere Bandmitglieder inzwischen weggezogen sind. Jeder von ihnen sei von anderen Bieler Musikern beeinflusst worden: Koch-Schütz-Studer, Hotcha und andere, deren Namen nicht allzu bekannt seien. Es erstaune ihn, dass es Bands aus Biel gebe, darunter erfolgreiche, bei denen die Einflüsse der Stadt überhaupt nicht hörbar seien. Umso mehr freut er sich, dass „bei den Welschen“ ein paar junge Bands aktiv sind, „die die lokale Kultur wieder mitnehmen“.

Und dann, ja, dann schwelgen wir zum Rest des Albums mehr oder weniger in Erinnerungen. Ich selber habe ja auch lange genug da gelebt, um zu wissen, was er meint. Er spricht unter anderem von dem Biel, das ich an meinem letzten Puts-Marie-Konzert im „Salopard“ vor rund einem Jahr mal wieder hautnah erleben durfte. Von den kleinen, engen, trashigen Konzerten, an denen alle in derselben Rauchwolke aneinanderkleben und ineinanderkriechen, dass irgendwann nicht mehr auszumachen ist, wer zur Band und wer zum Publikum gehört. Weil alle gleichermassen Teil der Musik sind.

PUTS MARIE: „Catching Bad Temper“, out (Two Genlemen) – *** HIER VERLOSEN WIR ZWEI EXEMPLARE ***

LIVE: Die Tourdaten findet ihr hier.

(Pressebild)

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