Herbst is a rollercoaster

Ich bin immer glücklich, wenn der Sommer vorbei ist. Und traurig, wenn der Winter einbricht. Der Herbst ist meine Jahreszeit, mein Frühling, da blüh ich auf, werde unternehmungslustig, kreativ, übermütig, habe tausend Gedanken, bin gleichzeitig verträumt, wahnsinnig gerne zu Hause, auf eine schöne Art sentimental, voller Hoffnung, aber auch traurig manchmal, schläfrig und ein je nach dem ein bisschen depro. Eigentlich durchlebe ich das ganze Spektrum an Emotionen innerhalb weniger Wochen. Das kann auch anstrengend sein. Dieses Jahr versuche ich mein Innenleben auf drei Grundstimmungen zu beschränken. Vielleicht gelingt es mir, in dem ich mir einen gewissen musikalischen Rahmen schaffe. Mit folgenden Alben:

MARC O’REILLY: „Morality Mortality“, out 28.10. (Virgin Records)

Drei Alben haben mich in diesem Jahr auf eine ganz ähnliche Art und Weise verzaubert: „Reset“ von ABU, „Happenings and Killings“ von Joe Volk und seit neustem: „Morality Mortality“ von Marc O’Reilly. Sie alle versetzen mich in haargenau die Herbststimmung, die ich am meisten liebe. In diesen Zustand, in dem einem das goldene Herbstlicht jegliche Sicht wegblendet und lediglich das Rascheln der Blätter die Sicherheit gibt, dass man beim Gehen noch nicht abgehoben ist. Bei Marc O’Reilly – was für eine Wahnsinnsentdeckung! – hätte ich wetten können, er sei Amerikaner. Stimmt aber nicht, er ist Ire und seine Musik einfach nur stark von Country, Blues und Folk der Staaten beeinflusst. Sie ist also warm, leidenschaftlich, golden. Ideal für Sentimentalität im Herbstsonnenlicht.

LIVE: 12.11. B&B Bettstatt, Luzern und so

 

POLYPHONE, „Silhouettes“, out

Ich habs schon mal gesagt: Songs über die urbane Feierabendstimmung sind meine. Und logisch haben die Bündner demnach schon allein wegen den Worten „city lights“ in „Frankfurt“ ein bisschen gewonnen bei mir. Aber mehr noch mag ich ihr Debütalbum, weil es mich dazu bringt, meinen Arsch zu heben – „yeah tonight we could try something that we’ve never done before yeah tonight we can do something more“. Feierabend oder nicht, „Silhouettes“ macht Lust, irgendetwas in Angriff zu nehmen, irgendeine Idee zu verwirklichen, egal was, irgendetwas. Man kann auch ruhig einfach mal anfangen, ohne zu wissen, ob es je zur Vollendung kommt, der Weg ist das Ziel. Oh Gott, das Album passt wirklich sehr sehr gut in die kreative Schaffensphase.

LIVE: 27.10. Bar Trais Portas, Scuol; 07.12. Heldenbar, Zürich; 10.12. Palazzo Beat Club, Chur.

 

CHRISTIAN KJELLVANDER, „A Village: Natural Light“, out 14.10. (Tapete Records)

Da muss tatsächlich ein Schwede kommen, um mir den perfekten Satz für all die Momente zu liefern, in denen mir Leute kopfschüttelnd mitteilen, sie könnten meine Sehnsucht nach dem frühen Eindunkeln einfach nicht verstehen. „Dark Ain’t That Dark“, Leute! An Herbstabenden gehen die Lichter der Stadt bloss etwas früher an. Dafür darf man endlich wieder vier Lampen pro Raum anknipsen und die Lichterkette rund um die Badewanne. Das neue Album von Christian Kjellvander ist so ein Lichtblick. Mystisch wie die Dunkelheit, die draussen bleibt, und warm wie die Tasse Kaffee, die man sich als erste Amtshandlung nach dem Nachhausekommen gönnt. Ich werde es ganz oft hören, wenn ich in Nesthockerstimmung bin.

01.03.2017 Bogen F | Zürich

Natürlich weiss ich, dass auch Frauen schöne Herbstalben rausbringen können …

(Bild: ABC News)

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