13. Qu’est-ce que c’est? Neues von Gallagher House-i

Unser Gallagher-Spezialist hat „Who Built The Moon“ von Noel Gallagher’s High Flying Birds auseinandergenommen, strukturiert und in einen Text verpackt, den ihr am besten zum Album dazu schenkt.

Haçienda, Manchester, Ecke Whitworth Street West und Albion Street, irgendwann 1987, gespielt wird House. Mittendrin am abraven: Gallagher Noel, 20-jährig. House und Rave mag er am liebsten. Manchester wird zu dieser Zeit Madchester genannt. Joy Division, später New Order, die Happy Mondays und die Stone Roses sind die heissesten Dinger der Insel – alle stammen sie aus Manchester und zünden mit Madchester das grosse Chaos oder die grosse Freiheit. Frage der Perspektive. Klar ist auf jeden Fall, dass Noel Gallagher in der Haçienda merkt, was Musik auslösen kann. Bad Luck: Seine Kapelle Oasis war nie Madchester. Sie wurden viel zu gross! Fast Forward 30 Jahre. Nun endlich kann Gallagher Noel sich seinen House-Ursprüngen widmen und tanzbare Sounds aufnehmen.

Hier liegt der Hase begraben: Das dritte Album von Noel Gallagher’s High Flying Birds öffnet sich dem geneigten Zuhörer erstmal durch Vibe, Sound und Tune. Erst beim wiederholten Anhören von „Who Built The Moon“ werden die Songs dahinter entdeckt. Das Album verfügt über jede Menge Krautrock, Franz-Pop, elektronische Elemente und Groove. Besonders hervorzuheben ist der psychedelische Franz-Pop, der sich in den Melodien – und teils auch in Textpassagen – äussert. Zu nennen wären hier „Holy Mountain“ oder „She Taught Me How To Fly“. Etwas anders geartet sind Songs wie „Fort Knox“ oder das Titelstück. Beide wären den schweren Led Zeppelin nicht schlecht gestanden.

Die Aufstellung der Band präsentiert sich neuerdings wie folgt:

  • Verteidigung: Chris Sharrock (u.a. The La’s, Robbie Williams, Oasis, Beady Eye) und Russell Pritchard (u.a. The Zutons)
  • Mittelfeld: Mike Rowe (u.a. Oasis, Sheryl Crow)
  • Spielmacher: Noel Gallagher
  • Coolste Sau: Gem Archer (u.a. Heavy Stereo, Oasis, Beady Eye)
  • Zuzüge: Jessica Greenfield (u.a. The Kondoors) und Charlotte Marionneau (u.a. Le Volume Courbe)

Jessica Greenfield singt engelsgleich und bedient Knöpfe. So weit, so gut. Die Frau Marionneau, born and bred Parisienne, spielt Flöte und Schere mit einer Ernsthaftigkeit, wie dies Frauen aus Paris eigen ist. Es rumorte also in Gallaghers Universum. Oder sollen wir ins Jahr 1997 zurückgehen, eine Oasis Bandprobe besuchen und ihnen verklickern, dass der Chief in 20 Jahren eine Schere-spielende Pariserin in der Band hat? Eben.

Augenfällig ist eine neue Arbeitsmethode. So soll Gallagher diesmal exakt wie zu Noldis Zeiten mit 30 quasi-fertigen Songs im Studio aufgeschlagen sein. David Holmes, Produzent dieser Platte, wollte davon jedoch nichts wissen. Nicht überliefert, aber angenommen: daraufhin dürfte hier etwas geflucht, dort etwas gemurmelt und mindestens 7 Marlboros verpafft worden sein. Schlussendlich überzeugt, dass dies der Weg ist, wurden die Songs also erst im Studio geschrieben.

Und in etwa so tönt das dann:

  • Für Leute, denen 5:20 Minuten grossartige Musik noch immer die Welt bedeuten: „Dead In The Water“
  • Für Led Zeppeline: „Fort Knox“, „The Man Who Built The Moon
  • Für Madchester: „She Taught Me How To Fly“, „It’s A Beautiful World“, „Holy Mountain“
  • Brückenschlag zu Oasis: „Black & White Sunshine“
  • Für Leute, die denken, dass Gallagher Noel mal eben etwas an Ennio Morricone abdrücken sollte: „Interlude (Wednesday, Pt. 1 )“, „End Credits (Wednesday, Pt. 2)“,  „If Love Is The Law“.
  • Für Leute, denen Oasis zu britisch waren, die aber „Wonderwall“ noch mitschunklig fanden: Weitergehen, hier gibt’s nichts zu hören.

Bei allen Neuerungen ist es trotzdem der logische Schritt für einen, der ein ganzes Genre – um nicht zu sagen Jahrzehnt – geprägt hat. Spielfreude, komplette Entfesselung, geht nicht, gibt’s nicht, Freiheit. Wie damals in der Haçienda. Noel Gallagher – der alte Kauz – wills nochmal wissen.

NOEL GALLAGHER’S HIGH FLYING BIRDS: „Who Built The Moon“, out (Sour Mash Records)

 

GUESTLIST: Jengi Krigu ist unter anderem Musiker und Texter. Er ist Wanda, nicht Bilderbuch. Züri West, nicht Patent Ochsner. Forever Beatles und ender weniger Damian Lynn. Und wenn es einer schafft, eine verirrte Rockette zurück in die Bahn zu lenken, dann er mit seinem unerschütterlichen Musikgeschmack. Doch: Auch Krigu hat guilty pleasures – und wenn er die zum Besten gibt, dann Walkt der boom boom boom boom Boomerang on Sunshine.

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