Hooker nach Race und Russo

In den letzten Tagen hatte ich (deswegen) überhaupt keine Lust auf Musikhören. Schon gar nicht auf Musikentdecken. Dann gabs News von Hugo Race und Michelangelo Russo (Mitglied seiner Band The True Spirit). Kenn ich, verehr ich, geht immer.

Die Songs auf ihrem Electronica-Blues-Album „John Lee Hooker’s World Today“ sind, wie es der Name verrät, ebenfalls nicht unbekannt. Race und Russo haben acht Nummern von Hooker, der in diesem Jahr 100 geworden wäre, ausgewählt und neu interpretiert. Das Ergebnis ist ein fantastisches Beispiel dafür, dass urtümlich grossartig, avantgardistisch aber halt noch einen Zacken aufregender ist.

So ist Hookers Love Blues („nobody mooome the way you do“) in seiner Purheit wahnsinnig sexy. Die Version von Hugo Race und Michelangelo Russo bringt als Supplement aber nicht nur die Gefühlslage eines in Mississippi sitzenden Verknallten zum Ausdruck, sondern auch seine Umgebung. Diese für die US-Südstaaten so typische Dümpelatmosphäre in der heissen, feuchten Swamp-Luft. Den Sound, den man mehr spürt als hört. Die Stimmung, nachdem die Sonne untergegangen ist, auf der Haut aber weiterbrennt, und das Körpergefühl, das man hat, wenn der Blutdruck im Keller ist, die Lust aber steigt…. während irgendwo in der Ferne ein Truck vorbeirast.

Fällt mir ein: Es ist diese Woche doch noch etwas reingekommen, das meine Aufmerksamkeit gewann. Und warum? Weil ich im ersten Moment dachte, es sei ebenfalls Hugo Race, der da singt. Es sind aber der Wüstenmusiker und ehemalige Giant Sand-Frontmann Howe Gelb aus Tucson Arizona und die australische Sängerin Phoebe Killdeer (Nouvelle Vague). Ihr Duett „Rising Tides“ ist ein Vorgeschmack auf das im September erscheinende Album „Broken Homeland“ des Pariser Künstlerkollektivs Valparaiso. Und das Video superschön.

 

HUGO RACE & MICHELANGELO RUSSO: „John Lee Hooker’s World Today“, out (Glitterhouse, Gusstaff and Rough Velvet/MGM Records)

(Bild: Glitterhouse)

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