Rockettekolleg Fotografie: Aus dem Gurtengraben

Ich war mal wieder im Bühnengraben. Oder eher in den Bühnengräben. Im Gegensatz zu meiner Premiere bei den Foo Fighters im Stade de Suisse letztes Jahr, wo ich „nur“ ein Sujet fotografieren konnte, war das Fötelen am Gurtenfestival ein ambitionierter Marathon. Obwohl ich nur an zwei Tagen auf dem Berg war. 

Nach acht Konzerten in drei Bühnengräben, bei vielen unterschiedlichen Lichtverhältnissen (Tag, Nacht, drinnen, draussen) habe ich nun eine Ausbeute von mehr als 1600 Fotos. Oh. My. Gut, die Hälfte der Bilder sind aus unterschiedlichen Gründen unbrauchbar. Zu viel Licht, zu wenig Licht, falscher Fokus, falscher ISO-Wert und eindeutig zu wenig Kameras. Waren am Foo Fighters noch andere Blogger*innen im Graben, war ich uf em Güsche dem Anschein nach der einzige Laie. Verraten hat mich meine Ausrüstung, weil zwei Vollformatkameras mit Riesenobjektiven hier sonst zu den Standardarbeitsgeräten gehören.

Gurtenfestival

Hier meine Wenigkeit. Auch eine gute Kamera, aber by far eben nicht profilike.

Das Fotografieren ist jedoch nur der halbe Job. Noch viel schwieriger ist es dann, eine Auswahl zu treffen. So richtige Fotografen bearbeiten die Bilder auch, dafür hatte ich aber keinen Nerv mehr.

Faber (erster Tag)

Erste Runde, Warm-up. Vor dem Konzert werden die Bühnengraben-Badges erteilt. Selbst wenn man einen Fotobadge hat, kommt man nur damit vor die Hauptbühne. Der Andrang hält sich noch in Grenzen. Faber. So schön. Und er nimmt einen Berg mit auf den Berg. Drei Songs lang darf man jeweils fötelen. Ergibt etwa 140 Fötelis.

Die Pose erinnert mich an 1987. Sich so am Arm zu halten war damals voll coolio.

Faber ist auch ohne Armhalten coolio.

Faber Gurtenfestival 2019

Marius Baer

Ich will zwar keine Internas verplappern, aber mein nächster Auftrag lautete: Marius Baer auf der Waldbühne. Hier sind die Grabenregeln weniger strikt, es hat aber auch weniger Fotografen, ein Teil ist am gleichzeitig stattfindenden Konzert von Trettmann auf der Zeltbühne. Man muss halt Prioritäten setzen.

Vorhang auf für Marius Baer

Tash Sultana

Zum ersten Mal richtiger Fotografen-Ansturm auf die Hauptbühne. Zuerst dürfen die mit dem Dauerbadge rein. Die Wichtigen. Dann die anderen Wichtigen, bekannte Zeitungen, Fernsehen und so. Die restlichen Fotografen dürfen sich einen Badge teilen, also abwechseln. Und gleich noch die zweite Herausforderung: Normalerweise wäre nach drei Liedern Schluss mit Fotografieren. Aber die Lieder von Tash Sultana sind sooo lang. Darum spezielle Regel: 15 Minuten Aufenthalt für die Wichtigen. Heisst etwa 7,5 Minuten für mich.

Bühnenbild mit Flamingo, Regenbogen und diesen Chinachätzli.

Snoopy auf dem T-Shirt und Hanf im Ohr.

Schwierige Entscheidung bei der Fotoauswahl. Hier sieht man ihre Füsse.

Hier spielt sie dafür Gitarre.

Bilderbuch (Zweiter Tag)

Zuerst noch: Er ist der Wächter der Fotografen. Der mit der Badge-Macht. May the force be with you.

Das sind die anderen Fotografen. Eben. Vollformatkameras und massive Objektive. 

Ach, Bilderbuch. Lieblingsösterreicher mit ausgesprochenen Sinn für Mode. 

Da fliegt sie, die Brille.

Steiner & Madlaina (vs. Sophie Hunger)

Ich habe Steiner & Madlaina kürzlich an der Kulturnacht im Kofmehl Solothurn gesehen. Das Zürcher Duo ist derart sympathisch, dass ich nicht einmal in Erwägung gezogen habe, Sophie Hunger auf der Zeltbühne zu fotografieren. Meine neuen Fotografenfreunde haben im Nachhinein meinen Entschluss bestätigt: Sophie Hunger soll die Order gegeben haben, dass man nur vom Bühnenrand aus fotografieren darf. Da waren aber ein paar Leute so richtig sauer.

Nora Steiner

Madlaina Pollina

Mit Band.

Patent Ochsner

Eine Stunde vor Patent Ochsner suchten sich schon zahlreiche Zuschauer ein möglichst gutes Plätzchen vor der Bühne. Trotz brennender Sonne.

Das ist auch VOR dem Konzert.

Ah ja, Patent Ochsner spielten dann noch. Büne Huber.

Bärn, Bärn, i ha di gärn.

Patent Ochsner spielen zwar noch, aber die meisten Fotos von Büne und Band sind im Kasten. Darum suchen jetzt ein paar Fotografen nach Sujets im Publikum.

Das kann ich im Fall auch.

Action Bronson

Seit Wochen ist Action Bronson bei Rockette und Bookette ein Thema und ich hatte mal wieder so gar keine Ahnung, wer der Typ ist. Darum entschied ich mich in diesem Fall für Action und gegen Yokko auf der Waldbühne. Auch weil hier laut Fotografenfreunde das beste Licht sein soll.

Dank Fotografin Verena Sala weiss ich, dass dies NICHT Action Bronson ist. „Do chunnt no eine!“ entgegnet sie mir höchst amüsiert, als ich danach fragte.

DAS ist Action Bronson. What a man.

Ich kann mir das auch einbilden, aber der hat sich regelrecht vor mir aufgebaut und posiert. Ich war völlig überfordert vor so viel Geflirte mit meiner Kamera.

Lieblingsbild. Wenn auch Glückstreffer.

Posen kann er auch.

Rössli Hü mit Action Bronson.

Ms. Lauryn Hill

Nein, das ist nicht Ms. Lauryn Hill, das weiss sogar ich. Das ist eine DJane, DJ Reborn, die die Wartezeit, bis die Ms. auf die Bühne kommt, überbrückt. Ich nenne das professionalisierte Verspätung. Was man in diesem Bild nicht sieht: den Bass. Im Bühnengraben neben den Boxen haben sich mir die Armhärchen aufgestellt, zum ersten Mal stopfe ich die gehassten Stöpsel ins Ohr.

Natürlich habe ich meine neuen Fotogspänli über ihre Techniken ausgefragt. Hauptsächlich die ISO-Werte. Verena Sala meinte nur, sie entscheide sich während des Konzertes, probiere aus. Sie mache am Anfang ein Bild vom Mikrofon. Weil die Ms. immer noch auf sich warten lässt: Hier ein Bild vom Mikrofon.

Wir warten noch immer. Ich sehe den Mond. Den Mond über dem Gurten. Und ich bin sowasvonultrastolz, dass ich den ohne Stativ und Fernauslöser einigermassen scharf ins Bild brachte. Was soll man auch sonst so machen, wartend im Bühnengraben.

The Miss. Finally. Wie lange hat es mir jetzt die Armhärchen weggefräst? In der Zeitung lese ich: 15 Minuten – aber die Härchen sind anderer Meinung. Diejenigen, die noch am Leben sind.

Ms. Lauryn Hill. Irgendwie verschnupft.

Und er ist offenbar schuld.

 

Fotografen und ich am Warten. Ich bin das ☹-Emoji in der Mitte. Links Verena Sala, rechts Joe Bürgi (Bild: Nina Kobelt)

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