Ryan Adams: Vom Anfang vom Ende bis zum Ende

Ich habs mehrfach gecheckt: Es gibt keinen einzigen mir bekannten Song von Ryan Adams, der nicht schön ist. Egal, ob der Amerikaner nun Country spielt oder mal wieder was Rockig-Melancholisches wie auf dem neusten Album „Prisoner“ – einer Ode an das Ende einer Beziehung.

„Prisoner“ ist erst vor einer Woche erschienen und bei mir ziemlich sicher schon öfter gelaufen als „24 Hours To Nowhere“ von Hugo Race im ganzen letzten Jahr. Und das will jetzt wirklich mal was heissen. Eigentlich habe ich hauptsächlich wegen dem Opener immer und immer wieder auf Play gedrückt. Der Anfang von „Do You Still Love Me“ ist der vielleicht gelungenste Album- oder vielleicht sogar Frühlingsauftakt ever. Er verspricht Grosses.

Es ist der verflixteste Widerspruch der Zwischenmenschlichkeit, dass sich die Erkenntnis, dass in einer Beziehung irgendwas nicht mehr so läuft, wie es sollte, erst einmal wie eine Befreiung anfühlt (What can I say? I didn’t want it to change). In Adams‘ über 12 Songs gespannter Geschichte über ein klassisches Liebes-Aus wird aber vor allem dem darauffolgenden Prozess, der Gefühlsgefangenschaft, die man aussitzen muss, viel Raum gegeben  – I close my eyes, I see you with some guy („Shiver And Shake“). Der Protagonist leidet, will weg und kann nicht. Sein Kopf ist mehr und mehr ein empty drum filled with doubt („To Be Without You“), er spürt den drohenden Zusammenbruch („Breakdown“) und irgendwann das Fazit: you deserve a future and you know I’ll never change („We Disappear“).

„Prisoner“ ist ein Album für Hoffnungsvolle. Für die, die in jedem Ende einen Neuanfang sehen und sich deshalb nicht verarscht fühlen von einem, der die Tragik einer Trennung wohl melancholisch, nie aber wie in Tränen getränkt klingen lässt. Eher feierlich. Einer, der daran glaubt, dass es auch im Leben schon ein Leben danach gibt.

 RYAN ADAMS: „PRISONER“, out (Universal Music)
(Bild: Facebook)
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