Alte Hasen, endlich im Rampenlicht

Samuel, Moritz und Silvan

Mag sein, dass ich ein bisschen überzuckert bin. Aber ich möchte wirklich gerne auf einer sauren Zunge über schäumende Marshmallow-Wellen reiten und danach mit ausgestreckter Zunge einen Strand aus buntem Schleckpulver entlang rollen. Als Begleitmusik: Das Debütalbum von Panda Lux.

Letzte Woche, als ich drei der vier Bandmitglieder in einem Berner Candy Shop getroffen habe, sprach ich es an. Dass ihr Album „Versailles“ so viel mit mir macht. Unter anderem gibt es mir das Gefühl, wieder 20, lebenshungrig und mutig zu sein, am Anfang eines grossen Abenteuers zu stehen. Es erzeugt zudem tausend Bilder im Kopf, einen ganzen Kinofilm. Und es weckt Bewunderung dafür, dass vier angehende Berufsmusiker, die (im Gegensatz zu mir) an dem Punkt im Leben stehen, an dem noch alles möglich ist, einen so leidenschaftlichen und gleichzeitig bis ins Detail ausgefeilten Erstling vorlegen. Wo die Gefahr, Musik mal eben so rauszuhauen und vor lauter Ideen und Euphorie grusig übers Ziel hinauszuschiessen, in dem Alter ziemlich gross ist.

Moritz, der in Zürich Filmmusik studiert, hat sich zwar sichtlich gefreut, dass es der Band gelungen ist, mit ihrer Musik mehr auszulösen als ein „ah, cooler Popsong“. Gleichzeitig sind sich Panda Lux einig, in Zukunft radikaler, sparsamer mit Ideen umzugehen und nicht wie diesmal dieses und jenes auszuprobieren, einen Kinderchor und 100 weitere Overdubs mit rein zu packen. Was heisst in Zukunft, sie tun es jetzt schon. „Versailles“ ist schliesslich schon seit einem Jahr fertig und neue Song, konzentriertere Nummern längst in der Mache.

Mich persönlich stört er zwar nicht im geringsten, dieser Hang zum Ausprobieren, Spielen und Ausufern. Im Gegenteil, Songs wie „Jung 1„, „Jung 2“ oder „Mehr sein“ sprengen zwar teils den zeitlichen Rahmen der Radiostationen (sie dauern bis zu 9 Minuten) aber für die Entfaltung von Stimmung und Faszination sind sie gerade lang genug.

Panda Lux werden derzeit als die Schweizer Pop-Newcomer gehandelt, „Rollschuhe“ rauf und runter gespielt und ihre Tanzsongs als absolut mainstreamtauglich betitelt. Doch lasst euch davon bitte nicht blenden. Die Musiker, die sich seit ihrer Kindheit kennen (Silvan und Samuel sind Brüder) und seit über zehn Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen, haben bereits eine EP („Wohin“) sowie eine Doppelsingle herausgegeben, bevor sie sich „ready für ein ganzes Album“ fühlten. Silvan hat erst Fantasie-Englisch (Moritz: „Es war eher cooler Japanic-Style“) gesungen, bevor er sich mit 14 für seine zweite Muttersprache Hochdeutsch entschied, und danach haben sie viel geübt und sich allesamt für ein Musikstudium entschieden. „Wir haben uns schon Zeit gelassen“, sagt Silvan. Umso „mega“ die Freude, „dass ab sofort nicht mehr nur ein Live-Publikum, sondern die ganze Welt unsere Musik hören kann“.

PANDA LUX: „VERSAILLES“, out (Phonag Records)
LIVE: 10.02. Palace, St. Gallen (Plattentaufe); 17.02. Westside, Bern; 18.02. Eisenwerk, Frauenfeld; 19.02. Rössli, Bern usw…

(Bilder: Barbara von pictura.ch / an dieser Stelle vielen herzlichen Dank an Lolipop, dass wir im Laden fotografieren durften)

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