Allez les Welsch!

Es ist bekannt, dass unser Herz oft im Takt der Westschweiz schlägt. Und wenn gleich drei Bands aus der Romandie neue Alben herausgeben, die erst noch so richtig, richtig gut sind, dann … lüten wir mal dem Sylvain an. Er ist die Hälfte von „The Shamanics“, einem neu gegründeten Duo aus Lausanne. Der andere Teil ist überhaupt nicht welsch, sondern very british. Mark Kelly, eigentlich eher so Singer-Songwriter, kennt man, würd ich sagen, und jetzt tut ihr gut daran, auch The Shamanics kennenzulernen. Weil: Grossartig.

Hallo Sylvain, ich mag euer Album sehr.

Danke. Es sollte heute herausgekommen sein. Ich hab das noch nicht kontrolliert.

Ach, komm.

Nein. Das ist auf meiner To-Do-Liste für heute, auf iTunes checken. Vielleicht kaufe ich es dann auch … Nein, ernsthaft, ich habe grad ein bisschen genug. Mein Kopf ist voll von „Shamanic“. Das muss ich mir jetzt wirklich nicht anhören.

Mich erinnert das ganz fest an Depeche Mode.

Ja, ja. Das war natürlich meine Lieblingsband, als ich jung war. „Violator“ war eine Offenbarung, ich denke, deshalb hab ich begonnen, Musik zu machen. Jetzt stehe ich nicht mehr soo auf dieses electronic-Zeugs. Ich versuche auch nicht, etwas zu kopieren. Aber es ist ja normal, dass die Einflüsse zu hören sind. Depeche Mode sind ein Teil von mir.

Okay. Nun zu Mark Kelly. Ich habe Angst vor seinen Haaren.

Nein, haha! Weisst du was, sein Haar ist wahrscheinlich gar nicht das Beeindruckendste an ihm. Wenn du vor ihm stehst, ist da etwas richtig Kraftvolles. Er hat so Charisma. Ich habe ihn ja gar nicht gekannt vorher. Jemand empfahl mir, mit ihm Musik zu machen, ich so: ja, ja. Das höre ich noch oft. Aber dann schaute mir einen seiner Clips an. Sound und Video waren für nichts. Aber sein Stimme: Wow.

Warum heisst ihr so, wie ihr heisst?

Wegen dem Album, das tauften wir zuerst. Ich wollte etwas, bei dem man beim Hören in another state of mind gelangt. Verstehst du?

Ja, ich glaube schon.

Ich wollte das ganze ja zuerst unter meinem Namen, Xewin, laufen lassen, Mark Kelly sollte nur vier Songs singen. Das war 2014. Er tauchte dann aber jede Woche im Studio auf, und plötzlich waren es halt viele Songs. Also gründeten wir The Shamanics.

Es gibt eine schottische Hochzeitsband, die Shamanics heisst.

Wirklich? Haha. Wir haben noch ein „The“.

Habt ihr ausser der Vernissage noch weitere Konzerte geplant?

Nein. Alle fragen das. Schauen wir. Im Frühling vielleicht. Wir wollten nicht ewas verkaufen, von dem wir nicht wussten, wie es sein würde.

Super.

Vielleicht dann auch in der Deutschschweiz.

Ach, wir kommen gerne ins Welschland! Ehrlich! (Blablablabla … hier eine Hymne auf die Romandie, ich möchte euch das jetzt nicht zumuten) Letzte Frage: Wann sollte man sich euer Album anhören?

Hm?

Oder wo?

Schwierig. Also, ich höre am liebsten im Wohnzimmer Musik, auf dem Sofa. Und mache dazu nichts anderes.

One thing at a time.

Ja, genau. Das ist dann so wie eine Musikreise, ich mag das. Aber ich weiss nicht, ob du das mit „Shamanic“ machen kannst.

Oh doch, das kann ich.

THE SHAMANICS: „SHAMANIC“, out now (Cassata Records)

Und hier ein Auszug. Dünkt mich jetzt nicht soo typisch und auch nicht das beste Lied. Nur, dass ichs gesagt habe.

Und jetzt nach Genf…

Es gibt Alben, bei denen spürt man bei jedem Song, nein, jedem Takt, wie lange, intensiv und beherzt sich die dahinterstehenden Künstler damit auseinandergesetzt haben. „Concrete Jane“, das neuste Werk des ehemaligen Random God-Musikers Julien Zumkehr, ist ein super Beispiel dafür. Der Multiinstrumentalist hat es im Alleingang geschrieben, aufgenommen und gemixt. So schleppend der eindringliche, psychedelische Blues-Rock auch daherkommt, er fährt derart ein, dass sich die Töne mit der Zeit in Farben, der Groove in visuelle Kapriolen verwandelt… ganz genau, wie im Video zum Song „I Love You Macro“.

CONCRETE JANE: „CONCRETE JANE“, out 18.11. (Irascible)

Ich kann nicht erklären, woran es liegt, doch der Pop von Take Me Home ist wirklich unglaublich welsch. Zumindest weckt „Coming Of Age“ ganzganz viele Erinnerungen an eine Jugendfreundin aus dem Emmental. Sie war die einzige weit und breit, die es an den Wochenenden in die Discos in Lausanne, Genf, manchmal in Frankreich zog. Ich fand das so chic. Mit ihrem Peugeot und mindestens drei verschiedenen Outfit-Optionen auf dem Rücksitz fuhren wir hin („Let’s Hit The Road“), tanzten die Nacht durch („Oh Là Là Like You“) und kehrten ins Dorf zurück, als die Leute schon auf dem Weg in die Kirche waren. Eine der schönsten Erinnerungen an mein Kidulthood.

TAKE ME HOME: „COMING OF AGE“, out now (Irascible)

 

(Mit Sylvain Ehinger hat Nina gesprochen, „Concrete Jane“ und „Coming of Age“ hat sich Miriam angehört.)

(Bilder: Presse / The Shamanics)

 

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