„Short but brilliant“: Alice in Chains in Montreux

„Short but brilliant“, sagt ein Ami, der vor mir steht, als das Konzert von Alice in Chains letzten Samstag nach einer geschätzten Eineinviertelstunde schon wieder vorbei ist. Man kann es nicht besser zusammenfassen.

Selten bin ich für ein so kurzes Konzert so weit gereist und noch seltener war ich dennoch begeistert über die musikalische Darbietung. Zwölf Lieder umfasste das Akustik-Set der Grunge-Veteranen, von selten gespielten Songs bis zu ihren grossen Hits war trotz der Kürze alles dabei. Also fast, einzig eins von den neuen Liedern „The One You Know“ oder „So Far Under“, die kürzlich veröffentlicht wurden, hätte ich mir noch auf die Setlist gewünscht.

alice in chains setlistDie vier Herren sitzen bei Wohnzimmer-Ambiente im Lab des Montreux Jazz Festivals. „An Evening with Alice in Chains“ heisst es auf der Affiche, was bedeutet, dass die Grunger nicht wie gewohnt zu ihren Stromgitarren greifen, sondern ausschliesslich akustisch spielen. Tischleuchten, Kandelaber, Teppiche und Barhocker verleihen dem besonderen Anlass eine besondere Stimmung. Statt Bier wird Kaffee getrunken, oder vielleicht auch Tee aus Kaffeebechern, da sie etwas erkältet seien, wie sie erklären. Gründungsmitglied Jerry Cantrell sagt dem Publikum, dass sie noch nie vorher in Montreux waren. Bei einer Bandgeschichte von 31 Jahren auch irgendwie eine Leistung. Auch, weil Alice in Chains neben Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden zu den Fab Four des Grunge gehören.

Alice in Chains sind überwältigt von der Stimmung im Saal, sie bedanken sich mehrfach beim Publikum, zeigen sich äusserst sympathisch. Es ist eine bewegte Bandgeschichte, die sich auch in ihren Liedern widerspiegelt. So gedenkt Jerry Cantrell allen sechs Bandmitgliedern, wovon zwei aufgrund von Drogenmissbrauch verstorben sind. Zum einen Mike Starr, der ehemalige Bassist, zum anderen der ehemalige charismatische Leadsänger Layne Staley, der noch heute von vielen vergöttert wird. Und Hater sagen, Alice in Chains seien nicht mehr Alice in Chains, weil eben Layne fehle. Anstelle von Layne singt seit 2006 William DuVall gemeinsam mit Jerry Cantrell. Und all den Hatern sei gesagt, es gibt keine schönere Würdigung an das Andenken von Layne, als dass es Alice in Chains noch immer gibt, die Lieder über die Verzweiflung im Drogenrausch noch immer gesungen werden und, wie es Jerry Cantrell selber in einem Interview sagte, mit DuVall Layne nicht ersetzt wurde, sondern die Geschichte von Alice in Chains weitergeführt wird.

Im Herbst wird das neue Album „Rainier Fog“ veröffentlicht, das sechste Studioalbum von Alice in Chains und das dritte Album seit dem Neuanfang 2009. Das erste veröffentlichte Lied „The One You Know“, dessen Riff Jerry Cantrell zuerst Duff McKagan von Guns N’Roses vorspielte, sowie das Konzert am Samstag machen definitiv Lust auf mehr.

duffmckagan

Alice in Chains hat es anscheinend in Montreux auch ganz gut gefallen, wie man aus ihrem Tourtagebuch entnehmen kann. The Baldy ist glaubs der Tourmanager von AIC.

RELEASE: Rainier Fog, 24.8.2018, BMG

Bilder: privat/Alice in Chains (Instagram)

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