So true

Heute, drei Jahre nach dem Debüt, erscheint mit „True“ die zweite EP der Bielerin Dana Burkhard. Inhaltlich beschäftigt sie sich darauf auch mit harten Zeiten. Ihr Sound verliert dennoch nie an Leichtigkeit und Lebensfreude. 

Vergangenen Juni traf ich mich zum ersten Mal mit Dana Burkhard, in London, wo wir zu dieser Zeit beide lebten. Die Bielerin studierte dort Musik am London Centre of Contemporary Music. „Diese Zeit hat mich sehr inspiriert. Ich wurde fast rund um die Uhr mit Musik vollgepumpt und habe dabei rasch festgestellt, dass ich gar nie genug davon kriegen kann.“ Aktuell ist die 21-Jährige wieder zurück in der Heimat, studiert Pop Gesang an der Zürcher Hochschule der Künste und erntet gerade die Früchte ihrer Arbeit. Heute ist es so weit, mit „True“ erscheint ihre zweite EP. 

Dafür hat sie sich Zeit gelassen. Drei Jahre liegen zwischen „True“ und „Dana„, ihrer selbstbetitelten Debüt EP. „‚Dana‘ war mein grosses erstes Mal. Quasi eine Sammlung meiner bis dato geschriebenen Titel. Ich war 17 und machte einfach mal drauflos.“

Wie ihren Erstling hat Dana auch „True“ im Berner Mattequartier, bei Luk Zimmermann (Lunik, Anna Känzig u.a.) aufgenommen. „Ich habe während dieser Zeit bei einer Freundin gewohnt, nur wenige Minuten vom Studio entfernt. Da kam es dann schon mal vor, dass wir zum Beispiel drei Tage hintereinander jeweils 14 Stunden aufgenommen haben.“ Mit „wir“ meint Dana auch ihre Band, bestehend aus Bruder Joël und drei engen Freunden, die quasi rund um die Uhr bei der Produktion dabei waren. Wachgehalten hat die Truppe dabei literweise Kaffee und Club Mate, „das war quasi unser Studiogetränk“. 

Passion und Sprachrohr

„Die neue EP ist ein Gemeinschaftswerk mit mehr Klarheit. Alles entstand deutlich bewusster, aber auch spielerischer und wir haben das Ganze wachsen lassen, ohne Druck.“ So fand sich zum Beispiel der Synthesizer Sound im Song „Blue“ durch puren Zufall: „Wir haben den Song eingespielt mit Gitarre und Percussion und dachten dann alle, dass da irgendwie noch etwas fehlt. Also haben wir völlig willkürlich mal irgendeinen Sound auf dem Keyboard gedrückt – und alle gleich so: ‹Woah, das ist es!› Ein wahrer Glückstreffer.“

Inhaltlich beschäftigen sich die fünf Lieder auf „True“ mit sehr persönlichen – auch schmerzhaften und harten – Erfahrungen, wie etwa dem Überwinden von Mobbing und Missbrauch. „Das Schreiben hat keinen Mut gebraucht. Die Songtexte wollten ganz natürlich, wie von selbst raus. Weitere Schritte damit zu gehen, insbesondere die Entscheidung, diese zu veröffentlichen, das erforderte schon mehr Mut“, sagt Dana.

Dana will mit ihrer Musik ganz bewusst auch heikle Themen ansprechen. Musik sei schliesslich neben ihrer Passion auch ihr Sprachrohr. Um ihren spezifischen Fall oder ihre Erlebnisse im Detail, gehe es dabei gar nicht: „Themen wie Mobbing und Missbrauch betreffen leider so viele und sind quasi omnipräsent. Indem ich diese explizit anspreche und von eigenen Erfahrungen singe, erhoffe ich mir, mehr Leute, die vielleicht selber betroffen sind, zu erreichen.“

Genau hinhören lohnt sich

„True“ ist eine abwechslungsreiche, in sich stimmige EP, bei der sich genau hinhören besonders lohnt. Dana will mit ihrer Musik etwas bewegen. Das könnte schnell erzwungen und verkopft wirken, tut es aber nicht. Ich nehme Dana jedes Wort ab. Der Sound verliert aus meiner Sicht nie seine Leichtigkeit und bietet etwas für jede Gemüts- oder Wetterlage.

Der Titel gebende Opener, „True“ kommt schon jetzt auf meine Sommer-Hits-Mitsing-Playlist („… true, ooh …“). Der Feelgood-Song ist quasi die Grapefruit für den Gehörgang – erfrischend und belebend. Doch da ist weit mehr als nur eine mitreissende Melodie. Der Song erzählt von Authentizität und erzeugt dabei mit bildlicher Sprache ein paradiesisches Kopfkino. Dana singt von Ängsten, vom Sich-verstellen und spannt den Bogen weiter bis hin zu Echtheit und Sich-zuhause-fühlen in der Welt. 

All new
But I’m not afraid
Of the great unknown
I found a key to
Make the world my home

Thematisch ähnlich weiter, geht es mit „Where Did You Go“. Dieser handelt von einem Menschen, der sich selbst so lange keine Beachtung schenkt, bis eines Tages sein Spiegelbild verschwindet. Danas gefühlvoller Gesang schwebt dabei über einem Klangteppich gewoben aus heavy Beats und Synthesizern.

Now that I’m facing you
The mirror on the wall
Nobody’s there looking back

Das Herzstück der EP bildet „Blue“. Ein wirklich berührender Song, der mich mit seiner sanften Kraft beeindruckt hat. Der Text ist poetisch und traurig schön – wie auch die Geschichte dahinter. Zu diesem Titel inspiriert haben Dana Gespräche mit einem ihr sehr nahestehenden, an Krebs erkrankten Menschen, der sagte: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Das Leben ist wie ein Regentropfen, es folgt Naturgesetzen. Der Tropfen fällt vom Himmel, versickert im Boden, fliesst in einen Fluss, ins Meer und geht dann wieder in die Wolken. Verschwinden tut er nie, er ändert nur seine Form.“

Wind will blow
And lift you up, home
To the sky

In „Catch Me“ liest Dana Amor augenzwinkernd die Leviten – mit Trompeten und hintergründigem Drum-Solo. „Dä Song macht haut so chli sis Ding“, sagt sie dazu. Eben genau wie die Liebe, die sich nicht steuern lässt. Es sei denn, man könnte Amor nächstes Mal diesen verdammten Pfeil entreissen … Schön wär’s! „Catch Me“ ist jedenfalls wirklich catchy und bleibt noch lange im Ohr hängen. 

When you draw your bow
I show your arrow where to land

Go away, cupid!

Den stimmigen Abschluss bildet „Speak Up„. Der Song beginnt ganz sanft, melodisch, ja, fast träumerisch. Mit dem Refrain „I speak up, no I can’t hold back, I won’t keep a secret that shouldn’t be mine“ geht er aber ganz schön unter die Haut und findet insgesamt eine faszinierende Balance zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke. Mit dem Song will Dana auch andere dazu auffordern, ihre Stimme zu erheben. Der perfekte Schlussappell. 

DANA: „TRUE, out now (Sophie Records)

LIVE: 30.03.19, Festival unter dem Dach, Luzern; 17.04.19 Sofar, Zürich; 20.04.19 Badhüsli, Basel; 27.04.19 HörBar, Winterthur; 02.05.19 Musigbistrot, Bern; 10.05.19 Chessu PLATTENTAUFE, Biel; weitere Daten hier. 

(Bilder: Dana/Jennifer Scherler; GIFs: giphy.com)

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