So viele Männer und so wenig Eier

Provokanter Titel mit wichtiger Message: Wir wollten es zum Internationalen Frauentag zwar ruhig angehen lassen, aber noch etwas geflasht vom #March4Women in London, hat Rockette Gin heute mal keine Lust auf nettes Mädchen und findet es einfach mal zum Kotzen, wie viele Medien ihre Klickraten mit sexistischem Blödsinn hochpushen. Und zum Schluss findet sich im kommenden Text auch noch ein Konzerttipp. 

Es gab in letzter Zeit viele kleine Erlebnisse und auch grosse Ereignisse, die zu folgenden Gedanken geführt haben. Allen voran die Oscar-Verleihung am vergangenen Wochenende, die weiterhin im Zeichen von „Time’s up“ und #metoo stand. Und trotzdem beschäftige der fehlende Apostroph im temporären „Times up“-Tattoo von Emma Watson oder die Frage, warum sie sich nicht vor der Verleihung ihre Arm-Haare rasiert hatte am kommenden Tag mehr, als ihre klare Message.

Wie sexistisch sich vor allem die Boulevard-Medien zu ihren Klickzahlen hangeln, zeigt auch ein aktuelles Beispiel rund um Jennifer Weist, die Sängerin von Jennifer Rostock, die sich Tag für Tag sehr offen auf ihren sozialen Kanälen präsentiert und von Verhütungsring bis offene Beziehung kein Blatt vor den Mund nimmt – warum auch, ist sie doch ein verdammt gutes Beispiel für eine moderne, emanzipierte Frau, die ihren Körper liebt und das auch nicht verheimlicht. Ihre Brüste – die übrigens, falls es noch niemandem aufgefallen sind, jeder zweite Mensch hat – waren schon oft Thema der Boulevard-Medien. Was bringt schliesslich mehr Klicks, als *SCHOCK* ein paar nackte Brüste?

Sexismus und Rassimus verkauft ihr als Journalismus – Message von Jennifer Rostock an die Bild. 

Nachdem die Sängerin aber nach einer kleinen OP vergangene Woche ein Foto von sich im OP-Höschen postete, war das für die ach so fleissligen Boulevard-Journalisten zahlreicher Medien die Rettung ihres Tages: Einfach Bild kopieren, darüber eine dämliche Schlagzeile posten und schon ist die Arbeit des Tages getan. Und diese Art der „Recherche“ wird als Journalismus bezeichnet?

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Wenn Frau sich leicht bekleidet zeigt, ist das auch 2018 noch ein Skandal. Während Männer wie Brock O’Horn, der damit bekannt geworden ist, dass er sich oben ohne einen Dutt bindet, als „neue“ Männer gefeiert und als Sexsymbole verehrt werden.

Wie vielen weiteren Themen man sich noch widmen könnte… Ich fange gar nicht an. Noch immer gelten für Frauen ganz offensichtlich andere Regeln als für Männer. Bestes und immer wieder erlebtes Beispiel: Wenn wir uns mal lautstark Gehör verschaffen, haben wir unsere Tage, sind Zicken oder verstimmt – nur weil gewisse biologische Vorgänge bei Männern nicht ablaufen, sind lautstarke oder unangebrachte Reaktionen bei ihnen im Nu vergessen und mit einer Entschuldigung abgetan?

Ich bin definitiv keine Vorzeige-Kämpferin für Frauenrechte. Aber ich bin es leid, dass meine Berufskollegen ihre Klickzahlen mit Brüsten pushen und soziale Medien Brüste tabuisieren, während Männer sind zeigen können, wie sie wollen, und ihre Dickpics an jedermann (oder eher Frau) versenden können.

Ich bin es leid, Kommentare zu hören wie „schon etwas schlampig, nicht?“, wenn ich Männern ein cooles Outfit einer von mir verehrten Musikerin zeige, die einen Statement-Look aus Leder-Teilen trägt, weil es ihr einfach gefällt.

Und ebenso leid bin ich es, dass wir Frauen uns, seien wir ehrlich, auch gegenseitig nach wie vor mit Futterneid bekämpfen, statt einfach zusammenzustehen und uns füreinander stark machen. Am #march4women hat mich besonders dieses Gedicht von Salena Godden beindruckt:

 

Courage is a Muscle

Courage is a muscle we gotta keep tight because

Courage is the muscle we use when we fight
Courage is a muscle we flex when we must
Courage is the muscle, for truth and for trust
Courage is the muscle we use when we speak
If we’re being talked over, walked over and told we’re too weak
And when we get weary and when it gets tough
It’s our united courage says: Enough is enough
Our blood is taxed, our blood is shame
Our courage unites us, we all bleed the same
And these battles are a gym, so we work hard and hustle
Truth hurts, truth is visceral, but the truth needs our muscle
Courage is the muscle, we work it night and day
To have equal rights, to get equal pay
We rise together, one for all, all for one,
Trump your time is up and Mrs May your time is done
When I’m with my friends, we drink from life’s cup
Together our courage is this endless resistance

And times up … times up, times up!

 

Mutig zu sein erfordert viel Energie – auf die Reaktionen und Meinungen des Umfelds zu schei**** noch viel mehr. Umso wichtiger sind Frauen, die sich selbst treu bleiben und in ihrem Umgang mit ihrer eigene Weiblichkeit ein Zeichen dafür setzen, was normal sein sollte. Deshalb ist für mich Jennifer Weist, die mit „Hengstin“ eine meiner absoluten Hymnen geschrieben hat, ein Vorbild. Ich kann es kaum erwarten, zusammen mit anderen stolzen Hengstinnen am 31. März 2018 im Volkshaus  laut mitzusingen.

„Ich glaube nicht daran, dass mein Geschlecht das schwache ist

Ich glaube nicht, dass mein Körper meine Waffe ist
Ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist.

Ich sehe so viele Männer und so wenig Eier“

Wir sollten viel öfter mutig sein, laut sein, launisch sein, ohne uns Menstruations-Probleme unterstellen zu lassen. Wir sollte uns so zeigen, wie wir uns wohl fühlen – ja, wir mögen Leggings! Nein, es interessiert uns nicht, ob Männer sie hot finden oder nicht. Und wir sollten einander zuhören, füreinander da sein und zusammenhalten. Frauen, die nur gegeneinander zicken und der anderen jede goldene Haarsträhne neiden, haben es auch verdient, nicht ernst genommen zu werden. Mut ist ein Muskel, den es fleissig zu trainieren und gezielt zu gebrauchen gilt.

Ich danke heute, am Internationalen Frauentag, all den grossartigen Frauen in meinem Leben, die mich mit ihrer Art, durchs Leben zu gehen und ihrer Entwicklung inspirieren, die mit mir zusammen diesen Blog schmeissen, die mit mir an Konzerten kreischen, Torte verputzen, mich mit ihrer Schönheit und ihrer Stärke beeindrucken, die mit mir um die Welt zu Konzerten reisen, mit mir Kaffee in London trinken, die mir ihre Geschichten erzählen und mir sogar ihre schwächsten, dunkelsten Seiten zeigen. Und vor allem danke ich der Frau, die mich mit ihrer Art zu denken und sich für Frauenrechte zu interessieren zu diesem Text inspiriert hat und meiner Mutter, die mich grossgezogen und sich allein ihren Weg geebnet hat. 
Beitragsbild: Pinterest.

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