Grossartiger Soundtrack von heute zum Schnee von gestern

Soften-Les_Heures_Blanches-Press1-Nadine_MojadoIch liebe ja die Welschen. Wobei das eine saublöde Verallgemeinerung ist, die aber irgendwie schon ihre Richtigkeit hat. Mein Lieblingsclub war und ist das Fri-Son, und jetzt kann ich endlich überleiten zu Nils Aellen (32) alias Soften. Sein favourite ist auch das Fri-Son, und zwar, „weil ich dort all die Bands meiner Jugend gesehen habe“. Überhaupt ist der Lausanner Musiker ein Rockette-Seelenverwandter: Nicht nur, weil er im Muse-Publikum stand, als die noch niemand kannte, sondern weil eines seiner früheren Alben „The Rocket Science“ heisst. Rockette Miriam glaubt, das Album schon bei Chop Records gesehen zu haben. Das Cover kommt ihr allerdings nicht bekannt vor – eventuell verwechselt sie das Ganze mit einem Album der Australischen Band Rocket Science.

Softens neustes Album „Les heures blanches“ ist grossartig. Es erinnert an Indochine, als die noch nicht so herumpoprockten, aber es ist sanfter und zugänglicher. Unaufgeregter Pop mit einer lieblichen Stimme, manchmal fast sphärische Klänge mit dieser Sehnsucht in den Melodien, wie sie nur auf Französisch möglich ist. Als ich mir das Album zum ersten Mal anhörte, war ich gerade unterwegs ins Berner Oberland. Auf den Feldern lag noch ganz wenig Schnee, nicht der Première neige„, den Soften so atemberaubend schön besingt, eher der dernière neige, die Wiesen versuchten sich tapfer im Grünleuchten und der Himmel war knutschblau. Soften lieferte den perfekten Soundtrack zu diesem Frühlingsgemälde in den Bergen.

Ich schrieb Nils Aellen ein Mail und erfuhr wenig überraschend ausschliesslich des choses, die très sympa sind:

  • Nach drei Alben in Englisch singt er zum ersten Mal französisch. Weil er plötzlich Angst hatte, sich zu wiederholen. Und deshalb für sich selber, so als persönliche Herausforderung, französische Songs schrieb – und dabei blieb. Er will nicht mehr zurück.
  • Radioheads „OK Computer“  war das erste Album, von dem er als Teenager besessen war. Das neue Album bezeichnet er als „Meisterstück“.
  • Sein eigenes, das neue, findet er sein bisher bestes.
  • Sein Lieblingsfestival ist Montreux, auch wenn das den Ruf hat, teuer zu sein und vielleicht ein bisschen zu hip geworden ist. Soften wohnte gleich um die Ecke und sagt: Die Abende mit Gratiskonzerten sind unschlagbar.
  • Seine Songs sind sehr persönlich, aber Soften versucht, nur Details preiszugeben, damit sich jeder seinen eigenen Song denken kann.
  • Die Aufnahmen fanden in seiner Wohnung in Lausanne, in Paris mit Fred Jaillard (Thomas Dutronc) und in Fribourg mit Sacha Ruffieux (Marc Aymon, Kassette, Plüsch) statt.
  • Nachts träumt er, er sei Tennisspieler.

Und ich sag das jetzt erst zum Schluss, weil es kitschig ist: Jemand, der sein Album „Les heures blanches“ nennt, kann bei mir nur gewinnen.

 

SOFTEN: „LES HEURES BLANCHES“, out (www.soften.ch)

(Bilder: Presse)

 

 

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