Souvenirs: Benjamin von Stuckrad-Barre

Die Rocketten wieder. Posten Dinge, die bei mir einen „Da war doch noch was“-Reflex auslösen. Wie letzthin zum Thema Benjamin von Stuckrad-Barre. Er ist meinem kulturellen Interesse zwar schon länger entschwunden. Dank den Rocketten kam mir aber in den Sinn, dass ich ja Anfang der Nullerjahre einige Bücher von ihm gekauft habe und sich gar zweimal auch unsere Wege kreuzten.

Das erste Mal war er auf Lesetour seines damaligen Buches „Deutsches Theater“. Ich habe viel gelacht, so viel blieb mir in Erinnerung, und er signierte mein Exemplar.

Zu Beginn der Nullerjahre lebte er für ein paar Jahre in Zürich, bevor es ihn wieder nach Deutschland zurückzog. Ich glaube, Anke Engelke wegen, mit der er damals zusammen war. Oder irgendwie sowas. Bin nicht so gossip-sicher.

Damit er nicht so viele Sachen zügeln musste, versteigerte er an einem Samstagnachmittag einen Teil seiner CD-Sammlung. Ich hoffte, die eine oder andere Trouvaille ergattern zu können. Das Spektakel fand in der ordentlich gefüllten Acapulco-Bar irgendwo in der Nähe der Langstrasse statt. Als wir ankamen, pries Benjamin, auf der DJ-Kanzel stehend, bereits seine CDs an.

Schnell wurde klar, dass er nicht die ganz grossen Schätze verschleuderte. Es war auch 2003, damals kosteten CDs noch was. Vielmehr verhökerte Stucki seine Ladenhüter. Von Travis, zum Beispiel, gab es das erste Album zu ersteigern, und nicht etwa das Zweite, „The Man Who“, das mit dem Hit drauf. Bei Oasis konnte man für ihr fragwürdiges Werk „Standing on the Shoulder of the Giants“ mitbieten. Mehr als drei Franken kostete letztendlich keine der CDs. Mir fiel auf, dass ein Typ in der Nähe von mir regelmässig bei den gleichen Titeln mitbot wie ich.

Das ist auch Benjamin nicht entgangen. In unsere Richtung bemerkte er, dass wir wohl etwas von Musik verstehen würden. Das Lob nahm ich dankend entgegen.

Dennoch habe ich eine CD ersteigert, mehr als Souvenir denn des künstlerischen Gehalts wegen. Es war der Soundtrack zu „Nowhere“. Das gute Stück ist mit einem Kleber von Stuckrad-Barre zertifiziert, daneben der Preiskleber. Die CD hat anno dazumal 37.99 Deutsche Mark gekostet.

Benjamin von Struckrad-Barre

Einen Eurodance-Sampler, der Stuckrad-Barre in einer Autobahnraststätte erstanden hatte,  wollte niemand. Nicht mal, als Stuckrad-Barre Geld drauflegen wollte. Also schmiss er den Sampler dramatisch auf den leeren Dancefloor, wo er in 1000 Stücke zerbarst.

Das Album „Radio Maria“ von Westerhagen fand auch keinen Abnehmer. Nach kurzer Diskussion, ob man für eine Westernhagen-CD überhaupt Geld ausgeben sollte, fand er eine Lösung. Er trat aus dem Acapulco hinaus und legte die CD auf das Trottoir um zu schauen, was passiert. Lange Zeit geschah genau nichts. Dann entdeckten zwei Passanten in Baggypants die CD. Leider konnten wir Gäste inklusive Benjamin nicht zu auffällig schauen was sie machten, sie sollten ja nicht merken, dass sie Teil eines Experimentes waren. Als sie weg waren, trat Benjamin hinaus und kam mit der CD und dem Booklet in der Hand wieder hinein. Offenbar hatten die beiden Jungs die CD entkernt, das CD-Case mitgenommen und den Rest liegengelassen. Was in der Bar grosses Gelächter auslöste. Bald darauf war die Gant zu Ende.

Ah ja, Rockette Julia war letztens an der Lesung von Stucke im Kaufleuten. Darum.

 

Marcel

Marcel ist ein Rockette Man. Also liiert mit einer der Rocketten. Am liebsten schnurret er nur rein, aber da seine Rockette im Moment grad nicht so Zeit hat, muss er selber ran. Geschult durch die CD-Sammlung seiner Tante Käthi ist er musikalisch top qualifiziert (Guns’N’Roses, Hothouse Flowers, Depeche Mode, U2 u.v.m.) Er war Aftershow DJ von Rednex und Krokus. Ha. Ha. Und er hat Britney Spears auf zwei verschiedenen Kontinenten live gesehen. Das hat er nicht einmal bei Pearl Jam geschafft. Noch nicht.

 

 

 

(Bilder: Rockette Dominique. Ausser das auf Insta.)

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.